Albrecht Schnider – Was bleibt

Die Dokumentaristin Rita Ziegler fragt ihren Protagonisten, den Schweizer Maler Albrecht Schnider, der mit einer abstrakten Alpenenlandschaft zugange ist, diese würden ja mit seinem zunehmendem Alter mehr Tiefe erhalten. Seine verschmitzte Antwort darauf, ja, vielleicht, um das Ganze etwas hinauszuzögern. Es bleibt dem Betrachter überlassen, wie grundsätzlich er das meint. 

Diesen „versteckten, ekstatischen“ Humor stellt auch ein New Yorker Kunstkritiker anlässlich einer Vernissage in New York fest. 

Rita Ziegler hat über drei Jahre lang Schnider beim Malen und Zeichnen beobachtet. Sie hat ihr Material zu einem spannenden Bilderbogen montiert, der sich ganz in die forschende Herangehensweise des Malers hineinfühlt – sich damit wohltuend abhebend vom gängigen Doku-Verzopf-Mix. 

Sie geht von seiner Arbeit aus. Von seiner beharrlichen Arbeit an einem einzigen Bild. Er möchte eine Schnur mit Wasserfarben in einem 10- oder 15-Sekunden-Gemälde festhalten. Wochenlang arbeitet er daran. Bild. Wasser drüber. Wegwischen. Bild, Wassser drüber, wegwischen. Es dürfte sich um Hunderte, wenn nicht Tausende von Versuchen handeln. 

Mit schnellem Urteil stellt er fest, ob das eben gemalte Sekundenbild taugt oder nicht. Er unterscheidet streng zwischen dem Verführerisch-Hübschen, was seiner Ansicht nach nicht brauchbar ist und der Form, die existiert, die man immer wieder anschauen kann. Wenn es aber so weit ist, dann grinst er breit über das ganze Gesicht. Und die gemalte Schnur hält der Betrachtung stand, strahlt Verbindlichkeit, Einmaligkeit aus. 

Selbstkritik ist eines der stärksten seiner Werkzeuge. Und Bescheidenheit. Er sei glücklich, wenn eine Zeichnung mal wirklich gut sei, was überaus selten passiere. 

Gegenüber dieser Methode von Wiederholung und Zufall, wie er sie bei der Schnur anwendet, geht es bei Porträts oder Landschaften geplanter und methodischer zu („Landschaften; Irrgärten oder wenn es hoch kommt ein Ornament“). Die Resultate erinnern an die Kubisten. Er sucht den Moment, in welchem das Porträt ihn anschaut und nicht umgekehrt. 

Wohldosiert und erst ab etwa einem Drittel des Filmes streut die Dokumentaristin Biographisches ein: seine Herkunft aus dem Bauernhof, sein Stubenhockerdasein, dass er zuerst Bilder seine Vaters (Bauernmalerei) abgezeichnet hat und nicht die Landschaft selbst, das katholische Internat, das ihm für den Rest des Lebens geistiges Biotop geblieben ist im Sinne der Konzentration auf das Forschen und Suchen. 

Im Laufe des Filmes gibt Schnider jede Menge druckreifer Aphorismen preis, oft direkt in die Kamera oder zur Dokumentaristin über die Kunst und das Künstlersein:

Nicht über das Verführerisch-Hübsche hinaus, es passiert nichts, nichts darüber hinaus, irgendwann langweilt es.

Es geht nur darum, offen zu sein, bereit zu sein, wenn sich eine Form einstellt, ja zu sagen.

Nicht Geschwätz, sondern etwas, das existiert.

Es macht keinen Sinn, eine Landschaft abzumalen, es ist mehr eine Vergewisserung von Freiheit und Möglichkeiten.

Heimat: seinen Boden spüren..

Das Bild mus seinprägsam sein, aber man darf sich an keine Nase erinnern (über Porträts).

Ein Film so vereinnahmend wie derjenige über Gerhard Richter. Wobei eine Schnittmenge des künstlerischen Prozesses festzustellen ist: dieses in Sekundenschnelle beurteilen ob ein Strich, ein Farbauftrag taugt oder nicht. Oder vielleicht auch: ob Kunst geschwätzig sei oder doch mehr.

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