Miles Davis: Birth of the Cool

Dieser Dokumentarfilm von Stanley Nelson ist einer der wenigen, in denen die Statements (Fachausdruck: Talking Heads) von Verwandten, Geliebten, Ex-Frauen, Weggefährten, Autoren, Historikern, Managern prima in die Geschichte integriert sind, die den Weg des innovativen Musikers Miles Davis nachzeichnet. 

Diese Talking Heads werden zusammengebündelt wie zu den Stimmen eines Chores wie in der antiken Tragödie und in diese sind eingebunden in Originalzitate von Miles Davis von einem Sprecher vorgetragen. Sie hemmen also nicht den Erzählfluss, der durch das ereignisreiche Leben von Davis vorgegeben ist, sie unterstützen ihn. 

Der Sound ist den entsprechenden Schaffensphasen angepasst. Davis hat es in den 1940ern aus der Provinz nach New York gezogen, wo er mit seinesgleichen innovativen Jazz kreierte (Bebop, „Birth of the Cool“). 

Miles Davis ist einer von den Künstlern, deren ganzes Leben der Kunst gehört, bei denen die Kunst, also die Musik, immer den Vorrang vor menschlichen Beziehungen genoß, weshalb diese auch in Brüche gingen. Er selbst hat ungern geredet, hat ungern ein Gewese aus sich gemacht. Er sei in die Probe gekommen und schon gings los, direkt, kompromisslos. 

Mit von den besten Stücken seien entstanden, weil er den Vertrag mit einer Plattenfirma gelöst habe, um zu einer anderen zu wechseln. Da hat er in wenigen Tagen mit pausenlosen Aufnahmen seine Restverpflichtung eingelöst mit seiner Band; da seien von den grandiostesten Stücken, „On The Board“, entstanden. 

Nelson begleitet dieses Leben durch Tiefen und Höhepunkte. Immer wieder greift Davis zum Alkohol, zum Koks. Erfolg will verdaut sein. 

Eine extreme Krise erlebt er nach seine Rückkehr in die USA aus Frankreich, wo er Juliette Greco kennen und lieben lernt. Da kann einem in den USA nur noch der Alkohol über die Depression hinweghelfen. 

Erstaunlich ist an Davis nicht nur, wie er sich aus solchen Tiefs wieder erholt, sondern auch, wie er die Musik als ein Forschungsfeld betreibt, wie es ihn geärgert habe, wie Rock und Pop Ende der 60er die viel größeren Massen angesprochen haben und er sich gesagt habe, das könne er auch, wie er so auch sein Image änderte. 

Es folgt die Phase mit Sitar und den indischen Klängen – nicht unbedingt jedermanns Sache. 

In den frühen 90ern ein schwerer Unfall mit seinem Luxussportwagen, ungeheure Schmerzen, gegen die nur Alk und extreme Schmerzmittel helfen; eine Situation, in der der Tod wahrscheinlich ist. 

7 Jahre ohne ein Instrument in der Hand und dann steht er wieder auf, versammelt junge Talente um sich, um wieder voll in der Musik aufzugehen und diese weiterzuentwickeln. 

Der Film bringt also nicht nur Wissensvermittlung, er beglückt den Zuschauer mit einer durch und durch eigenen, widersprüchlichen Künstlernatur, die privat nicht als vorbildlicher Vater und Ehemann dasteht. Aber darnach soll die Kunst bittschön nicht beurteilt werden. 

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