Freies Land

über FREIES LAND

Spannender Plot.

Zwei Cops, Markus Bach (Felix Kramer) und Patrick Stein (Trystan Pütter) werden kurz nach der Wende im tiefen und ganz und gar nicht klischeehaften Ostdeutschland auf das Verschwinden von zwei jungen Frauen angesetzt. Wieso bleibt im Dunkeln. Bach hat eine Stasi-Vergangenheit, Stein ist ein etwas naiv gestrickter Wessi. 

Christian Alvart hat mit Siegfried Kammi das deutsche Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Klugerweise haben sie einen anderen Film als Drehbuch-Vorlage genommen, „La Isla Minima“ von Alberto Rodriguez und Rafael Cobos, um so nicht in die Falle der darniederiegenden deutschen Drehbuchkultur zu tapsen. Im Original werden zwei spanische Cops im tiefen Süden Spaniens auf einen Massenmörder angesetzt.

Der Film sieht auch nicht schlecht aus. Die Musik, die vielleicht mehr nach den Bildern, die den Zerfall lieben, agiert als nach der Handlung, trägt das ihre zu einer düsteren Stimmung bei. 

Zugunsten des Filmes muss ich auch anführen, dass ich ihn nicht im Kino gesehen habe, sondern auf dem Rechner. Allerdings hat das auch nicht den Wunsch geweckt, ihn im Kino auf der großen Leinwand zu sehen. Da treten so schon enorm viele Schwächen an den Tag. 

Ein Vermutung könnte sein, die sich inzwischen bei Produktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (hier ist das ZDF beteiligt) öfter aufdrängt, dass aus Sparzwang zu wenig Drehtage angesetzt werden, so dass der Eindruck entsteht, es ging darum, möglichst schnell und möglichst reibungslos das enorme Drehpensum durchzupauken. Ablieferkino. 

Darunter leiden viele Szenen, es fehlt an Fleisch, das Suspense erzeugen könnte, kleine Verzögerungsmomente, die dem Zuschauer geistige Aktivität erlaubten, das Zwicken in der Haut. Es wird gnadenlos abgenudelt. Die Schauspieler kommen generell in die Szene, um die Szene zu erledigen, nie entsteht das Gefühl, sie seien gerade aus etwas herausgerissen, sie hätten ein Vorher und ein Nachher. 

Die Dame an der Rezeption des Hotels „Fortschritt“, die scheint gerade darauf zu warten, dass Kommissar Stein kommt und sie hat den Text schön parat, dass kein Zimmer frei sei und er vorerst im Zimmer des Kollegen übernachten solle. 

Die erste, überraschende Begegnung der beiden Kommissare im Zimmer von Bach ist insofern verschenkt, als sie nicht nur lausig inszenierte Action ist, sondern vor allem darauf verzichtet, den Gegensatz Ost-West der beiden und auch die Unterschiede der Charaktere aufzuzeigen, schmerzliche Defizite. Diese Szene wirkt wie brave Transskription. 

Aber schon die Action, die dazu führt, dass Stein zu spät erscheint, der Beinahzusammenstoß mit der Kuh auf der Landstraße, ist so unvorsichtig inszeniert, dass ganz klar ist, dass nie und nimmer eine echte Kuh mitgespielt hat und auch, dass sie nicht zu Schaden gekommen ist – sie verschwindet einfach aus dem Film. Wobei ein Blick auf die Kuh, die das abschmierende Auto betrachtet genau so ein Stück Suspense hätte in den Film tragen können und Humor dazu. 

Das rasche Runterdrehen des Buches hat zur Folge, dass kaum Spannung aufkommt, dass es kaum Überraschungen gibt, und wenn, wie die späten Backgroundinformationen über Bach, diese einen kalt lassen, weil sie eben nicht unterschwellig schon vorhanden sind als Geheimnisse der Figuren, als zu Erahnendes. 

Es wäre vielleicht lohnend, gründlich diesen Film mit seinem spanischen Vorbild zu vergleichen, um mögliche Rückschlüsse zum Stand der deutschen Filmkultur und warum ihr das Erzählen so schwer fällt, zu ziehen. 

Diffus wirkt schon die Titelsequenz, weil viel zu viele Namen Erwähnung beanspruchen, lauter wichtige Namen, die es nicht schaffen, dem Film Gewicht zu verleihen. Wegen dieser Vielzahl an Namen braucht es eine entsprechend lange Bilderstrecke, die zu diffus wirkt, statt dass sie auf etwas hinführt. Wobei die Drohne auch im Laufe des Filmes immer irritiert scheint, von wo aus sie nun filmen soll. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.