Brothers

Ein Ehrenmord

hängt dräuend über diesem Film von Ömür Atay, als könnte er jederzeit runterfallen und alles zerstören. 

Atay erzählt das mit so stupender Langsamkeit und Ereignislosigkeit, dass der Film einen rapide die Zeit verschlingenden Sog entwickelt. 

Yusuf (Ege Yazar) ist 17 und wird aus dem Jugendknast entlassen, auf Bewährung frei. Sein älterer Bruder Ramazan (Caner Sahin) kümmert sich um ihn. Der betreibt eine Tankstelle an einer Landstraße. Hier kann Yusuf aushelfen. Eigentlich sollte er zuhause bei Mutter lernen, aber die Mutter spricht kein Wort mit ihm. Weiß sie was passiert ist? Weiß sie, wie der Mord an ihrer Tochter passiert ist und wer dafür im Knast sitzt? 

Ins Motel verirrt sich eine junge, orientierungslose Frau, Yasemin (Gözde Mutluer). Eine unbegleitete Frau unter lauter Männern und LKW-Fahrern oder was die Landstraße noch so hergibt! 

Atay charakterisiert seine Figuren hervorragend. Yusuf ist eindeutig noch ein jungfräulicher Mann. Er wirkt rein, unberührt. Ramazan will ihn sofort nach der Entlassung aus dem Knast in einem Bordell zum Mann machen. Er behauptet ja auch, er sei schon 19. Aber Yusuf beharrt auf seinen 17 Jahren. Im Gefängnis ist Yusuf über die muslimische Moral aufgeklärt worden. Er will rein bleiben. 

Dagegen ist Ramazan anzusehen, dass er nicht mehr so ganz unbefleckt ist, was Frauen betrifft und schließlich war er es, der die Schwester erschossen hat, weil sie von zuhause abgehauen ist, um einen Mann zu heiraten, der dem Onkel nicht gepasst hat. 

Die Onkels, die Onkels, die scheinen immer das letzte Wort zu haben – und bleiben doch unsichtbar; so wie der türkische Diktator unsichtbar lastend über dem Film zu schweben scheint, eine drückende Atmosphäre entwickelt sich. Entlastung kommt lediglich durch ein bisschen Korruption, gut wenn man die Polizei kennt. 

Ein technisches Problem sind die an sich gut lesbaren Untertitel, entweder sind sie zu lang geraten oder werden zu kurz eingeblendet. 

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