Alkohol – Der globale Rausch (Kinotour)

Aus aktuellem Anlass: vor wenigen Tagen sind 6 junge Menschen aus Deutschland Opfer der Alkoholfahrt eines anderen jungen Menschen in Südtirol geworden. Da auch diese Tode keine Grundsatzdiskussion auslösen dürften, sondern nur über das Strafmaß diskutiert wird, scheint mir der Film umso wichtiger.

Dieser Film von Andreas Pichler (Das System Milch) ist genau richtig für eine Kinotour (Daten siehe hier) da es sich um einen Suchtpräventionsfilm handelt. Er dürfte sich speziell an die Anfänger unter den Trinkern wenden, also an Jugendliche, die den Alkohol kennenlernen und gerne auch exzessiv nutzen ohne ein Risikobewusstsein. 

Es ist ein Film, der sich dafür sicher eignet, dass Jugendgruppen, Schulen gemeinsam ihn anschauen, er ist eine illustrierte Unterrichtslektion mit Ausflügen nach Nigeria, hier hat die Alkoholindustrie leichtes Spiel, nach Colorado, hier wird an einer Schule das „Natural High“ erforscht, nach England, hier berichtet eine Bloggerin von ihren Exzessen und dem Aufhören, nach Wien, hier erzählt ein Journalist über die Freuden des Rausches und das relative glückliche Leben als „Trockener“, nach Island, das vielleicht am Fortschrittlichsten ist mit ganz frühen Präventionsprogrammen und einem radikalen Werbeverbot für Alkohol. 

Pichler unterhält sich mit Wissenschaftlern, Ärzten, Suchtforschern, Psychologen, Autoren, Produzenten, Trinkern, Leuten aus der Administration. Es gibt Informationen über die Zahl der Süchtigen (weltweit 140 Millionen), der Alkoholtoten (weltweit jedes Jahr 3 Millionen), die mehr ist als die Summer aller Toten aus Verkehrsunfällen, Verbrechen und illegalen Drogen zusammen. 

Zu erfahren ist, dass die Arbeit an einem Präventionsprogramm in der Bundesrepublik sang- und klanglos eingestellt worden ist und auch, dass der Alkoholkonsum gerade in Deutschland extrem hoch ist. Umso dringlicher wird dieser Film. 

Vom Urspung des Alkoholrausches im Zusammenhang mit religiösen Zeremonien ist die Rede, von Weinkultur, vom schwierig zu diagnostizierenden Übergang vom Genusstrinker zum Abhängigen. 

Magazinbunt streift der Dokumentarist die weite, pralle Welt rund um den Alkohol bis zum Münchner Oktoberfest. Es werden die Kosten der Schäden durch Alkohol gegen die Steuereinnahmen durch Alkohol verrechnet; hier schneidet der Alkohol nicht gut ab. Aber wie sieht es gesamtwirtschaftlich aus? Die Alkoholindustrie mit all ihren Arbeitsplätzen und Investitionen? 

Der Film ist ein typischer Fernsehfilm, aber da es gerade in Deutschland mit der Suchtprävention offenbar bescheiden bestellt ist, sei der Besuch mit anschließender Diskussion für die jugendlichen Zielgruppen wärmstens empfohlen, denn Alkohol ist in Deutschland ein weit unter dem Level öffentlicher Wahrnehmbarkeit real existierendes Problem. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.