Bombenkrieg: Nürnbergs Untergang (BR, Dienstag, 7. Januar 2020, 22.00 Uhr)

TV-Flickschusterei von Katarina Schilling aus Archivmaterial, Interviews mit Zeitzeugen, Historikern, Bomberpiloten, Journalisten mit einer diffusen Haltung zur Nazizeit, die dem Führer umjubelte Auftritte gewährt und die Frage in den Raum stellt, warum denn die alte Reichshauptstadt und Nazi-Parade-Stadt Nürnberg so kurz vor Kriegsende, als das Nazireich schon am Zusammenbrechen war, noch so gründlich bombardiert werden musste – Selbstmitleidstour. 

Offenbar ist der Führer nach wie vor ein gut laufender Fernsehstar und gut für die Quote, weshalb er unter dem Schutzmäntelchen der Dokumentation immer wieder Sendeplatz erhält. Muss das so selbstverständlich passieren?

Die Zeitzeugen haben die Bombardierung als Kinder erlebt. Es gibt Kinderfotos von ihnen, die vor den Stadtplan von Nürnberg gepappt werden. Aus Paritätsgründen gibt es Informationen von Seiten der Bomberpiloten der Royal Airforce, die in den frühen Vierzigern mit hohen Verlusten Nürnberg zu bombardieren versucht hat, dann am 2. Januar 45 das flächendeckende Bombardement. 

Muss historisches Material immer so zerfaselt und zerredet werden? Kann man sich nicht mal auf eine Sache konzentrieren? 

Hitler ist wohl immer gut für die Quote, Originalhitler geht immer im deutschen Fernsehen, er erscheint als einer der langlebigsten öffentlich-rechtlichen Fernsehhelden, den man gar nicht weiter hinterfragen muss, wenn man ihn immer wieder umjubelt zeigt. 

Mit solch historischem Material, wenn jemand denn Zugang hat, kann heute jeder sein TV-Süppchen kochen, sein Teil vom Milliardenkuchen der Zwangsgebührengelder abschneiden; das erinnert an das Gewusel auf den Schwarzmärkten. Jeder versucht sein Häppchen vom übergroßen Kuchen abzukriegen, hier vom gewaltigen Kuchen des Zwangsgebührenhaufens ohne ersichtlich klare Haltung, ohne ersichtlich klare Erzählung, wie ein Krämer, der getrieben ist, möglichst viele Waren ins Schaufenster reinzustopfen. 

Die Notwendigkeit der Erinnerung entbindet nicht von der Pflicht, diese auch spannend zu gestalten und mit klarer Haltung. Auch Dokumentationen verdienen eine Geschichte. Hier fehlt das alles, daher der Vergleich des Dokumentar- mit dem Krämergeschäft. 

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