Varda par Agnés

Das kann man Agnès Varda nicht absprechen, seit sie als Jugendliche eine Kamera in die Hand bekommen hat, ist vor ihren Augen und ihrer Kamera nichts mehr sicher. Damit ist auch der Grundpfeiler für einen dokumentarischen Ansatz ihrer Bilderarbeit bezeichnet. Sie schreckt nicht davor zurück, den Tod ihres Mannes, des berühmten Regisseurs Jacques Demy, zur Bilderstrecke zu machen. 

Viel später, im hohen Alter, wie sie in der Liga des internationalen Biennalen- und Kunstzirkus angekommen ist, stellt sie eine Installation her, auf der sie 14 Witwen der Insel Noirmoutier zu Objekten ihrer Kunst macht. Auf der Insel hatte sie die glückliche Zeit mit ihrem Regisseursgatten verbracht. 

Bei so enormer Produktivität ist genügend Bemerkenswertes zustande gekommen, wie die Fotos mit dem Fotokünstler JR in Augenblicke: Gesichter einer Reise.

Bildende Künstler üben sich gerne in der Kunst des Selbstportraits. Diese treibt Varda weit darüber hinaus, das wird in diesem ihrem letzten Film besonders deutlich: es ist die ganz unbescheidene Kunst der Selbstdarstellung, die sie hier betreibt, einerseits mit diesem Film selbst, der wiederum ein Art Selbstdoku einer Tournée scheint, in welcher sie durch Säle, Auditorien, Theater, Freilichtbühnen tingelt und selbst in einem Regiestuhl Aug in Auge vor dem Publikum sitzend ihre Biographie mit Filmausschnitten, Anekdoten und VHS-tauglichem Filmwissen mit dem Publikum teilt. Dass es dabei unentwegt Name-Dropping von Berühmtheiten gibt, ist unumgänglich, ist sie doch mit der Nouvelle Vague in Frankreich selbst berühmt geworden. 

Eines ihrer eindrücklichsten Kunstwerke war auch eines der kurzlebigsten, die Flut am Ärmelkanal hat es über Nacht weggefressen: das Foto des mit angezogenen Knien am Boden an eine Wand gelehnt sitzenden jungen Mannes, das sie mit dem Fotokünstler JR überlebensgroß auf einen Bunkerwürfel am Strand aufgezogen hat: insofern gilt: Kunst ist vergänglich – auch gegen das Bemühen der Künstler, ihren Namen zu verewigen. Zeuge einer solchen Bemühung kann der Zuschauer in diesem Film werden. 

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