Jeanne d’Arc

Bruno Dumont (Eine feine Gesellschaft, Kindkind) zeichnet die französische Nationalheldin in diesem seinem Film nach Charles Péguy „Jeanne d’Arc“ weder als Heldin, Heilige oder Hexe. Bei ihm ist Jeanne (Lise Leplat Prudhomme) eine leicht finstere Göre mit der Keckheit eines erwachenden, hellen Geistes, der Gewissensstimmen hört, die ihr sagen was zu tun, wie sie den franzöischen König im Kampf gegen die Engländer unterstützen soll (die müssen aus Frankreich rausgejagt werden). 

Diese Jeanne ist vielleicht einer Klima-Greta vergleichbar, wobei im frühen 15. Jahrhundert ein Medienhype nicht im heutigen Sinne machbar war, verständlicherweise. Sie gewinnt Schlachten und verliert eine Schlacht, sie gerät in Ungnade und mit ihrem bockig-pubertären Verhalten bringt sie den Klerus gegen sich auf. 

Allein wie Dumont diesen in der sensationell fotografierten Kathedrale von Rouen schildert, da spritzt er richtig Gift, es seien alles Leute mit akademischen Titeln und was die dann absondern, das ist doch gar nicht so weit weg von heute, dieser Blah, man schaue sich nur Talkshows an oder was Regierungen ab und an von sich geben, wenn sie wieder asoziale Gesetze beschließen. 

Dumont hat auch riesigen Spaß – und es macht die Chose kostengünstig –, den Krieg „informell“ zu schildern. Die Schlachten anfangs erzählt er mit wenig Leuten, die sich in verschiedenen Konstellationen an einem Niemandsort aus Sand und dürren Gesträuchern treffen und über den Feldzug reden. 

Und wenn es heißt, wie weiter, nachdem Jeanne am Tag vorher die Schlacht verloren habe, so sind davon nur die entzückenden Bilder eines Reigens militärisch berittener Pferde in Erinnerung. 

Informelles auch am Rande der Verhandlungen in Rouen oder vor dem Gefängnis von Jeanne. Dieses ist ein Weltkriegsbunker an der französischen Küste. Das stört bei dem grotesken Blick, den Dumont auf die Schiefheiten einer etablierten, akademischen Gesellschaft wirft, nicht im Geringsten. 

Es ist ein Dialogstück des ständigen Abriebs von Argumenten und Gegenargumenten, aber Dumont lässt auch viel Raum für klerikalen Diskurs, der in einer eigenartigen Nonsens-Dramatik vorgeführt wird, dessen Abstrusität gegen das klare Denken von Jeanne erst recht deutlich wird. Ein erleichternder Leckerbissen an Historienfilm aus französischer Meisterhand. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.