Cats

Hier kehrt das Kino zu seinem Ursprüngen zurück, zur vergnüglichen Unterhaltung, zum Jahrmarkt, zum Variété, zum Entertainment. 

Tom Hooper, der mit Lee Hall das Drehbuch geschrieben hat, bringt die Londoner Aufführung des Musicals von Andrew Lloyd Webber, das auf T. S. Elliot basiert, auf die große Leinwand, aufgemotzt mit Weltstars wie Judy Dench als eindrückliche Deuteronomy oder Idris Elba als Macavity. 

Das Katzentreiben in einer verwahrlosten Ecke von London ist eine Augenweide und im Kino lässt sich mit den Größen wunderbar spielen, da können Menschendarsteller als Kakerlaken entsprechend klein zwischen den Katzen paradieren; einer der Knüller ganz en passant. 

Es ist eine bunte Welt wie eine Nummernrevue mit bemerkenswerten Figuren, dem alten Theaterkater (Ian McKellen), der den früheren Zeiten nachtrauert, dem Magier Mistoffelees (Laurie Davidson), dem das Wesentliche nicht auf Anhieb gelingt, die dicke Katze Jennyanydots (Rebel Wilson), dem Dickwanst mit dem Zylinder, dem Katzenstar oder der durchgehenden Hauptrolle der weggworfenen Katze Victoria (Primaballerina Francesca Hayward) oder die Katze, die auf der Straße gelandet ist, Grizabella (Jennifer Hudson, großartig!) und die von Victoria Erbarmen erfährt und dadurch wieder Hoffnung auf ein neues Leben schöpfen darf. 

Es gibt melancholische Moment, magische und turbulente, es gibt Stille, in der nur das Schnaufen der Katzen zu hören ist oder die leisen Pfoten, auf denen sie sich bewegen, es gibt den Tanz katzenagiler Tänzerinnen und Tänzer, wunderbare Choreographien, es gibt Unsinn und Spaß. Es gibt schräge und groteske Figuren. Alles wuselt, alles katzet. Es gibt Vergnüglichkeit und bei aller Gut-Böse-Dialektik keinerlei Bösartigkeit. T. S. Elliot bringt die Substanz in das bunte, massiv computeranimationsunterstützte Treiben. 

Die Münchner Pressevorführung fand im Dolby Cinema im Mathäser statt, etwas Besseres hätte sich der Film nicht wünschen können, ja möglicherweise hat der Zuschauer von dieser Filmadaption fast mehr oder durch die möglichen Animationen und Tricks mindestens einen angemessenen Gegenwert zu einer Life-Aufführung in einem Musical-Theater. 

Die deutsche Fassung ist sorgfältig gearbeitet, auch musikalisch untadelig, wobei der Kenner und Connoisseur sicher die englische Originalfassung bevorzugen wird.

Vergleicht man den Eintrittspreis fürs Dolby Cinema im Mathäser mit dem fürs Theater, so dürfte das Kino mit seiner ganz eigenen Gegenleistung nicht schlecht abschneiden. Ein Film so richtig fürs Festtagsprogramm. 

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