Wild Rose

Künstlerexistenz.

Künstler sind oft schwierige Menschen, ecken in der bürgerlichen Gesellschaft an, haben Mühe mit Disziplin und Verlässlichkeit, träumen von der großen Karriere und müssen oft kleine Brötchen backen, aber sie spüren eben dieses Künstlerische in sich, was raus will und Anerkennung sucht. Das macht das Leben mit den Mitmenschen nicht leichter, erst recht, wenn es zum Beruf als Künstler noch nicht reicht.

Rose-Lynn aus Glasgow (Jessie Buckley) ist so eine Künstlerin. Sie ist Country-Sängerin und nichts anderes. Sie verortet ihre künstlerische Heimat in Nashville, Tennesse, dem Rom des Country. Ihre Stammkneipe in Glasgow nennt sich „Grand Ole Opry“ nach dem berühmten Vorbild in den USA.

Bei Rose-Lynn kommen erschwerend hinzu: sie hat zwei kleine Kinder, sie ist  gerade ein Jahr im Knast gewesen und wird mit Fußfessel entlassen. Hier wirkt der Film erst mal wie ein Soziodram, das im Film von Tom Harper nach dem Drehbuch von Nicole Taylor in bester britischer Manier das Thema der Resozialisierung behandeln will. Das ist wie ein Ritt über den Bodensee, alles könnte jederzeit zusammenbrechen bei dieser nicht allzu stabil wirkenden Frau mit der phänomenalen Stimme.

Weiter erschwerend kommt hinzu, dass die Mutter (Julie Walters) nicht begeistert ist von der Tochter; sie, die Mutter, arbeitet seit über 20 Jahren in einer Bäckerei als Verkäuferin; sie sorgte während des Gefängnisaufenthaltes für die Kinder von Rose.

Immerhin fängt Rose-Lynn bei reichen Herrschaften einen Putzjob an. Die Herrin des Hauses, Susannah (Sophie Okonedo) entdeckt das Gesangstalent von Rose. Die Hausherrin hat ein Objekt für gute Taten gefunden. Es beginnen erste Schritte zu einer Traumkarriere.

Aber, wenn ein Mensch schon schwierig ist, so erzählt es dieser Film, dann meint das Schicksal es nicht freundlicher deswegen, im Gegenteil. Immer kurz bevor der Lebensweg von Rose in eine britische Rührgeschichte abzudriften droht, grätscht das Soziodram dazwischen, bis der Film selbstverständlich die Kurve kriegt. Aber bis dahin hat er ein Buch mit einem spannenden Schicksal und glaubwürdigen Menschen und Umständen aufgemacht. Die Briten können so etwas.

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