The Kindness of Strangers – Kleine Wunder unter Fremden

Urchristlicher Humanismus in Manhattan.

Dieser neue Film von Lone Scherfig (Zwei an einem Tag, Ihre beste Stunde)

Ihr beste Stunde


bewegt sich an den ausfransende Rändern des turbokapitalistischen Zentrums von Manhattan.

Die New York Impressionen sind in grau-blau wenig attraktiv gehalten. Wenn es um die Menschen geht, ist immer eine große Wärme in den Bildern, es gibt Momente, in denen der kleine Sohn Jude (Finlay Wojtak-Hissong) der Protagonistin Clara (Zoe Kazan) aussieht wie ein Bild von Renoir, die Menschen in mild-weiches, warmes Licht getaucht.

Clara hat mit Jude und dem anderen Sohn Anthony (Jack Fultton) Reißaus genommen vor ihrem gewalttätigen Ehemann und Polizisten Richard (Esben Smed). Sie hat kaum was dabei, das Auto, kaum Geld, unbrauchbare Kreditkarten. Sie kommt in Kontakt mit den anderen Protagonisten des Filmes, ebenfalls randstänige Figuren, oder mit solchen befasst, wie Alice (Andrea Riesborough), eine aufopferungsvolle Krankenschwester, die sich neben der Arbeit noch aufzehrt in Ehrenämtern, Suppenküche und Vergebungsgruppe.

Marc (Tahar Rahim) ist eben aus dem Knast entlassen worden und wird begleitet von seinem Anwalt John (Jay Baruchel). Bem Russen Timofey (Bill Nighy) feiern die beiden und Marc erhält sofort seinen ersten Job. Was der Russe mit Russland zu tun hat, das ist eine eigene Geschichte.

Jeff (Caleb Landry Jones) ist ein arbeitsuntauglicher Mensch und kommt auch mit der von Scherfig zusammengestellten und beobachteten Gruppe in Kontakt und zu humanem Austausch.

Diese gestrandeten Menschen erleben eine unkomplizierte menschliche Nächstenliebe, wie sie die Bibel nicht schöner verlangen könnte und die doch oft im Kapitalismus und in den humanistischen Bürokratien unter die Räder kommt. Auch die öffentliche Bibliothek spielt dabei eine Rolle.

Zur Belohnung dafür, das aus- und durchgestanden zu haben, packt Scherfig ein ganze Bündel an glücklichen, filmmärchenhaften Enden auf die Geschichten, auf jeden Topf gibt’s einen Deckel. die guten kommen ins Kröpfchen, die Schlechten ins Kittchen.

Die Geschichten dürften erinnerungswürdig bleiben auch wegen dem exzellenten Cast, Schauspieler mit Eigenheit und Gesichter, die man nicht beim nächsten Bild schon wieder vergessen hat, und auch wegen der plastischen Erzählweise.

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