Il carnevale e finito,
wohlverstanden, il carnevale und nicht etwa la commedia (divina?), auch nicht so divin, nein, es geht um das Verhältnis der beiden Päpste Benedikt und Franziskus zu einander und das ist göttliche Komödie insofern, als die beiden Päpste von grandiosen Schauspielern verkörpert werden, von einem sensationellen Anthony Hopkins als der deutsche Papst mit deutschem Akzent in seinem Englisch und Jonathan Pryce, der Hopkins in nichts nachsteht, als jovialer Argentinier Franziskus. Sie sind die besseren Päpste dem Augenschein nach, wenn fast am Schluss kurz Aufnahmen von Begegnungen der realen Päpste eingeblendet werden; sie stehen besser im Saft (weil Schauspieler nicht dem Zölibat verpflchtet sind?).
Der Film nach dem Drehbuch von Anthony McCarten und in der Regie von Fernando Meirelles behauptet, dass wahre Ereignisse dahinter stünden.
Demnach hat Benedikt, dem bei seiner Wahl der spätere Franziskus am nächsten kam, Kardinal Bergoglio für seinen Nachfolger ausersehen. Erst habe Benedikt sich gewehrt gegen ihn, aber sein scharfer Verstand, der in jedem Dialog zur Geltung kommt, fand die Idee reizvoll, diesen Kardinal, der bei den Menschen ankommt und der ihn kritisiert, allein schon mit seiner Bitte um Rücktritt, an die Position zu lassen.
Wie in der Kirche vor Gottesdiensten Weihrauch geschwenkt wird, nutzt Meirelles den Prunk der katholischen Kirche, um den Zuschauer mit einem Nähkästchenbericht aus dem Konklave nach dem Tod von Johannes Paul XVI., bildnerisch einzuräuchern und gefügig zu machen.
Einige Jahre später scheint der Vatikan in Skandalen unterzugehen. Benedikt ist dem nicht gewachsen. Er zitiert Bergoglio nach Rom. Der war eh schon unterwegs, um seinen Rücktritt (eine knallharte Kritik an Benedikt!) anzubieten.
Der Torso des Filmes besteht aus einem ausführlichen Besuch von Bergoglio bei Benedikt in der Sommerresidenz Gandolfo. Hier kommen, gut veständlich, die Glaubenserörterungen zur Geltung, der praktische Glaube eines späteren Franziskus und der dogmatische des Deutschen, der immer wieder als Nazi tituliert wird. Und Bergoglios Satz, dass der Karneval vorüber sei, der den vatikanischen Prunk meint.
Es ist aber nicht so, dass der eine der Gute und der andere der Böse ist; es gibt Rückblenden in Schwarz-Weiß auf das Leben von Bergoglio, auf die Zeit der Militärjunta in Argentinien, da ist die Weste von Bergoglio, der Chef der Jesuiten war, nicht blütenrein. Dagegen Benedikts Umgang mit den Missbrauchsskandalen.
Schön ist die Reminiszenz auf die „Berufung“ von Bergoglio als jungem Mann, der sich zwischen einem Heiratsantrag an seine Geliebte und einer Ausbildung zum Jesuitenpriester entscheiden muss; die Erinnerung kommt auf, wie Benedikt und Bergoglio sich um das „Hören“ der Stimme Gottes unterhalten, da haben beide ab und an ihre Schwierigkeiten. Und dass Benedikt ein Fan von Kommissar Rex war, mag zumindest von komödiantischer Relevanz sein.