Auerhaus

Glückliche WG.

Das Auerhaus ist ein leerstehendes Haus in einem Kaff irgendwo im deutschen Mittelgebirge mit 6′ 500 Einwohnern, einer Pizzeria und wenig mehr.

Glücklich sind die vier 18-jährigen Abiturienten Hoeppner (Damian Hardung), Vera (Luna Wedler), Cäcilia (Devrim Lingnau mit dem Silberblick) und der suizidgefährdete Frieder (Max von der Groeben), die hier, obwohl sie im Ort wohnen, von zuhause aus- und im Auerhaus einziehen dürfen.

Anlass scheint die Entlassung von Frieder zu sein, der nach einem misslungenen Selbstmordversuch in der Klinik „Schwarzes Holz“ in die geschlossene Abteilung kam. Von dort kommt später noch die Pyromanin Pauline (Ada Philine Stappenbeck) hinzu und von außerhalb lässt sich auf längeren Besuch Harry (Sven Schelker) nieder, der das Thema Schwulität in das Haus bringt.

Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte nach dem Roman von Bov Bjerg, den Neele Leana Vollmar mit einem ausggewählten Cast vor allem markanter Nachwuchsgesichter verfilmt. Sie arbeitet wunderbar mit ihren Schauspielern.

Das Problem scheint mir einmal mehr das Drehbuch zu sein, das die Regisseurin mit Lars Hubrich offenbar viel zu brav „ab Blatt“ nach dem Roman erstellt hat.

Der Film spielt in der zweiten Hälfte der 80er des letzten Jahrhunderts. Diese Atmosphäre ist ganz gut getroffen. Hoeppner, dessen Vornamen im Film kaum eruierbar ist, fungiert als Ich-Erzähler. Er führt die Erzählung voice-over ein und gibt Off-Kommentare ab. Er ist der dickste Freund von Frieder.

Dass Nele Leana Volmar die Geschichte aber objektiv schildert als auktoriale Erzählerin, ist ein deutlicher Klump–, oder besser: Spreitzfuß für die Rezeption, also dass der Film aus Sicht von Hoeppner erzählt, aber aus der Gesamtsicht des Drehbuchautors gedreht ist; dadurch bleiben die Probleme von Hoeppner Episoden, Anekdoten: das Problem mit der Aufgaben- und Klausurhilfe durch Frieder (da möchte Cäcilia einspringen), das Erlernen des Klauens mittels Poncho im Supermarkt durch Frieder, die Musterungsstory und der Wunsch, nach Berlin zum Studieren abzuhauen, schließlich die Liebs- und Sexprobleme mit Vera und dagegen die Idee der Schwulität, ein Konflikt, der nicht ausgetragen wird. Offenbar ist anekdotische Genauigkeit der Erzeugung von dramaturgischer Spannung vorgezogen worden.

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