A rainy Day in New York

Alterstraum.

Woody Allen erträumt sich in seinem diesjährigen Film (er realisiert seit Jahrzehnten praktisch Jahr für Jahr einen Film, immer auf gleich gepflegtem Niveau) sein New York, sein vielleicht etwas altbackenes New York, sein New York, das ähnlich einem feinen Café mit ausgewählter Pâtisserie und Barpianobegleitung gesetztere Herrschaften anlockt, ihnen kein Bauchweh bereitet und sie doch auch vom Bitteren im Leben naschen lässt; dabei ist das Regnerische aus dem Titel ein zusätzlicher Atmosphärengeber.

Anfangs extrapoliert Allen, um dieses New York noch himmlischer erscheinen zu lassen – es ist auschließlich das New York einer kulturfanatischen Reichenschicht, privilegiert bis dort hinaus, ein Konglomerat aus spießigen Plutokraten, wie er sie nennt. Seine Hauptfigur ist Gatsby (Timothée Chalamet), ein Spielertyp aus einer solch reichen Familie, der kein Interesse an ernsthaften Studien hat. Seine Freundin ist Ashleig (Elle Fanning); sie stammt aus Tuscon Arizona (wie kann man nur), aber ihre Familie sind dort die einflussreichsten Banker.

Ashleigh will Journalistin werden und möchte in New York den Filmemacher Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen, der gerade einen Film fertiggestellt hat. Die Mutter von Gatsby veranstaltet parallel eine bombastische Party in New York. Gatsby will nicht hin.

Klammheimlich reist er mit Ashleigh an, sie wollen sich, bis auf die vorgesehene Stunde Interview mit Pollard, ein schönes Wochenende machen; Gatsby verfügt über Geld, das er beim Zocken erspielt hat.

Da Woody Allen ein gewiefter Dramatiker ist, verläuft selbstverständlich alles anders; unvorhergesehene Wege kreuzen sich, Lieben trennen sich, aus dem Interview wird Ashleigh invovliert in die Schaffenskrise des Regisseurs und gerät nicht nur an dessen Autor, sondern auch an einen Filmstar – und gleichzeitig in die Medien als dessen neue Muse.

Derweil gerät der verlassene Gatsby auf ganz andere Wege, spielt sogar in einem No-Budget-Film von einem ehemaligen Kumpel mit; es wird turbulent, bleibt immer elegant, es wird nie bösartig, aber die kleinen menschlichen Schwächen zum Thema Liebe spielen immer mit und führen zu neuen Wendungen.

Und wie immer bei Woody Allen schaut man seinen Schauspielern gerne zu, wenn sie leichte Komödie spielen, die mit einem Tick draufgedrückte Provinzialität von Ashleigh (und ihr Hicks bei Aufregung) und der Spieler Gatsby, der von seiner Mutter auch noch eine unerwartete Wahrheit erfährt.

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