Angelo

Casting-Director Markus Schleinzer hat mit seinem ersten Film als Regisseur Michael das heiße Eisen der Pädophilie zu behandeln versucht; wobei das in der Bedeutungshaftigkeit der Inszenierung verloren zu gehen drohte.

Bei seinem vorliegenden zweiten Film als Regisseur, zu dem er mit Alexander Brom auch das Drehbuch geschrieben hat, flüchtet er sich, um dem Vorwurf der Bedeutungshaftigkeit zu entgehen, in den Kostümfilm, in die Faszination des Formalen der höfischen Etikette.

In einer theatral-gemäldehaften Installation, die als solche auch deutlich wird durch zwei umrahmende Szenen in einer Halle mit Neonlicht, spannt er einen Bilderbogen über ein Menschenleben zum tief wurzelnden Thema des abendländisch-christlich-kolonialistischen Rassimus, der bis heute nicht überwunden ist.

In 3 Kapiteln, deren Titel knallgelbe Zahlen sind, untermalt von aufgeregter Cembalo-Musik, schildert er das Leben des „Negerlein“ Angelo.

Der französische Hof möchte als Experiment aus einem „Neger“ einen zivilisierten Menschen machen. Historisch dürfte der Film im ausgehenden 17., angehenden 18. Jahrhundert angesiedelt sein. Die Europäer fangen an, die Welt zu entdecken, zu erforschen, und sie sich untertan zu machen.

Angelo wird wie ein fremdes Lebewesen behandelt, aber der Geist der Aufklärung traut ihm eine Entwicklung zu einem humanen Wesen zu. Er lebt wie ein Prinz und ist umgeben von großem Hofstaat, der seine Fortschritte bei der Sprache, der Musik, dem Benimm minutiös verfolgt.

Aus dem französischen Sprachgebiet wechselt der Film im zweiten Kapitel in das deutsche. Der Kaiser leiht sich Angelo aus. Dieser ist jetzt ein erwachsener junger Mann und ist am Hofe anerkannt und geschätzt. Aber er ist auch liebesbedürftig, heiratet heimlich ein Einheimische. Wie das auffliegt, gibt ihm der Kaiser die Freiheit. Das führt zu einem philosophischen Dialog zwischen Kaiser und Angelo in Kaisers Gemächern über Freiheit, Staat, Dienen.

Im dritten und letzten Kapitel ist Angelo ein grauhaariger Onkel Tom geworden, hoch angesehen. Er wird durch eine Ausstellung über die Kontinente geführt, die gerade im Aufbau ist. Dass er selbst dort als Ausstellungstück landen wird, kann er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

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