Swimmingpool am Golan

Überraschende Wendung

zum Tiefpunkt … und bis zur nächsten Reise.

Solche Filme, persönliche Biopics auf der Suche nach der eigenen Herkunft und Zukunft vor dem Hintergrund der Deutschen Geschichte von der Nazizeit bis heute bieten immer wieder aufregend persönliche und differenzierende Einblicke in diese komplexen historischen Verhältnisse.

Hier versucht Esther Zimmerin, die mit Friederike Ander und Ruth Olshan auch das Drehbuch geschrieben hat, in einer Dokumentation, die sich über 9 Jahre spannt, mehr über ihre Herkunft zu erfahren und daraus Orientierung und Schlüsse für die eigene Zukunft zu erhalten.

Dabei geht Zimmering vom Heute aus und schält die Geschichte nach und nach zurück. Sie ist in der DDR aufgewachsen und war erstaunt, dass sie so wenig Verwandtschaft hatten, außerdem, dass sie und ihr Bruder jüdische Vornamen hatten, Esther und Daniel, obwohl weit und breit kein Judentum praktiziert wurde.

Mit dem Fall der Mauer gab es plötzlich Verwandtschaft in Israel. Eine Schwester der Mutter lebte dort. Die war aber bereits dement, wie die Filmemacherin sie für die Dokumentation interviewen wollte.

Aber es gibt noch andere Verwandte. Immer wieder reist die Filmemacherin nach Israel. Es ist ihr Traumland. Sie möchte dort leben, möchte dort zum Militär. Aber das geht nur, wenn sie einen Israeli heiratet, denn sie selbst hat keine jüdische Mutter.

Mit dem Fortschreiten des Rückblickens weitet die Familienvorgeschichte sich aus auf England (damit verbunden ist eine kleine Korrektur zum DDR-Geschichtsbild, dass nämlich die FdJ gar nicht dortselbst gegründet worden sei!) und bis nach Genf zum Posten des ersten DDR-Gesandten bei der UNO. Dort war der Vater der Filmemacherin ein kleiner Bub. Dessen Schwester ist vorher schon in London zur Welt gekommen. Auch sie, die nie eine Klinkenputzerin, aber immer eine Aneckerin war, ist eine Informationsquelle.

Der Film von Esther Zimmering ist wie ein Weg durch ein wundersames Labyrinth, in dem immer wieder Unerwartetes auftaucht. Besonders überraschend ist der Schluss, den sie aus all ihren Recherchen und Betrachtungen gewonnen hat: wofür sie sich für ihren Lebensinhalt entschieden hat, wobei es hierbei nicht um sie als Filmemacherin oder als Schauspielerin geht, als welche sie eine beachtliche Liste an Credits bei ImdB aufweist, sondern darum, dass sie politisch tätig werden wolle.

Der Tiefpunkt der Geschichte ist rein geographisch gemeint; es ist ein Besuch am Toten Meer an der tiefsten Stelle unter Meeresspiegel; der findet aber statt zu dem Zeitpunkt, der einen markanten Wendepunkt in Esthers Leben und in ihren Zielen darstellt; während das Ziel ihrer nächsten Reise bis dahin keine Überraschung mehr sein dürfte.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Welt doch vielfältiger, weltbürgerlicher werden kann, gegen die Engstirnigkeit von Faschismus, Zionismus, Antisemitismus, Rassimus. Der Swimmingpool im Titel ist ein Symbol für enttäuschte Hoffnungen – aber solche können auch Platz freiräumen für neue Ziele.

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