Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

Der Preis der Ehrenhaftigkeit in der Machowelt.

In einer zum Kinoformat weiterentwickelten Telenovela-Handschrift erzählt Karim Ainous (Praia do Futuro) nach dem Drehbuch von Murilo Hauser die Geschichte der beiden Schwestern Gusmao, von Euridice (Carol Duarte) und Guida (Julia Stokler).

Es sind zwei Schwestern im heiratsfähigen Alter, sie leben bei den Eltern, sie lieben sich, sie mögen sich, sie brauchen sich, das zeigt eine Szene im an Rio de Janeiro angrenzenden Dschungel hinterm Zuckerhut, wie sie sich ständig mit Zurufen suchen.

Vater Manuel (Antonio Fonseca) ist Bäcker und hat klar Vorstellungen von Ehe und wie sie arrangiert werden muss. Euridice soll den Mehlfabrikanten Antenor (Gregorio Duvivier) heiraten. Da steckt geschäftliches Kalkül dahinter.

Euridice träumt davon, am Mozarteum in Salzburg Klavier zu studieren. Aber weil sie die brävere ist, fügt sie sich, sie geht unaufgeklärt in die Ehe, das zeigen Gespräche vor der Hochzeitnacht. Sie hat noch nie einen nackten Mann gesehen, sie erhält Tipps, wie sie den Geschlechtsverkehr vorzeitig abbrechen kann, da sie keine Kinder will; sie wird – noch im Brautkleid – das erste Mal eines erigierten Pimmels ansichtig (der Zuschauer darf mitgucken). Man muss den Gusmaos zugute halten: dieser Teil des Filmes spielt in den frühen 50er Jahren.

Guida ist die weniger Gehorsame. Sie büxt nächtens mit Hilfe ihrer Schwester aus und ab in die Discos. Sie ist heillos verliebt in den Griechen Georgios. Der ist ein Lump und macht ihr ein Kind, mit dem sie schwanger aus Griechenland, wohin sie über Nacht abgereist ist, nach Hause zurückkehrt.

Die Reaktion des Vaters ist konsequent gemäß dessen Welt- und Ehrenbild und entscheidet so über den Fortgang der Geschichte der beiden Schwestern.

Ainouz erzählt diese Geschichte mit pointiert ausgwählten Szenen, die selbst wieder in telenovelahaft detailreicher Ausführlichkeit geschildert werden (wirkt so wie Extensiv-Kino), von der Hochzeitsnacht über die gynäkologische Untersuchung bis hin zur Geburt. Alles dreht sich um die Fortpflanzung, so ist das bei den Menschen.

Zwischendrin macht Ainouz ganz große, dann sogar gewaltige, generationenüberhupfende Sprünge in seiner Geschichte. Im Gegensatz zu seinem Film Praia do Futuro ist diese Geschichte näher am Groschenromanformat.

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