Uriges Kinder-Alpenabenteuer,

ganz und gar unhollywoodisch.

La Befana ist in Italien die Bezeichung für eine gute Hexe, die den Kindern Geschenke bringt. Hier im kinobegeisterten Film von Michele Soavi nach dem Drehbuch von Nicola Guaglianone füllt sie am 6. Dezember die Socken, die die Kinder bereitstellen.

Einmal hat sie aber, das ist eine Szene, die auch herrlich den leisen Touch von Horror, den dieses Kinderabenteuer begleitet, zeichnet, ein Kind vergessen. Sie wird in ihrer Tätigkeit von einem knurrenden und grimmig dreinschauenden Hund gestört, der reißt aus ihrem Rundkalender ein Blatt heraus, so dass sie das nächste Kind vergisst.

Befana heißt in ihrem Alltag Paola (Paola Cortellesi) und ist Grundschullehrerin. Das darf niemand wissen. 25 Jahre später rächt sich das vergessene Kind, Mr. Johnny (Stefano Fresi) und entführt Befana/Paola. Er betreibt auf einem hohen Alpengipfel eine Kinderspielzeugfabrik und residiert in einem wahnwitzig-futuristischen Loft. Sein Kostüm ist operettenhaft, wie überhaupt die Ausstattung es schafft, schräg und verrückt auszuschauen, ohne dass es gekünstelt wirkt. Die schlappen Mützen der beiden Rowdies von Johnny wirken so, als hätten sie gerade nichts anderes zur Verfügung gehabt.

6 Schulkinder, alles keine geleckten und TV-verbrauchten Gesichter, kommen dahinter, dass hier was nicht stimmt. Sie machen sich mit ihren Fahrrädern auf in die Berge, um die Lehrerin zu befreien. Das führt zu abenteuerlichen Situationen, James Bond im Kinderformat.

Versuch mal, mit dem Fahrrad einen ganz, ganz steilen, verschneiten Bergwerg runterzufahren! Und dann noch Gipfelcountdown al dente. Auch die deutsche Synchro wirkt herrlich unverbraucht. Lediglich der original italienische Song im Abspann macht deutlich, dass die zwei, drei Gesangsstellen, die im Film auf Deutsch vorkommen, nicht mithalten können; das tut dem Sehvergnügen grad gar keinen Abbruch. Und auf die Idee mit dem Fahrradschiff, um mit Fahrrädern versschneite Berge zu bewältigen, muss man erst mal kommen.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass nach der Pressevorführung noch Änderungen am Film vorgenommen worden seien.

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