Dieser Film von Nick Broomfield (Whitney Can I be me)
bringt in loser biographischer Reihenfolge intime Nähkästcheneinblicke in die Leben von Leonard Cohen und seiner wichtigsten Muse, der Norwegerin Marianne Ihlen, mit der er von 1960 bis 1967 auf der griechischen Insel Hydra gelebt hat.

Es war die Zeit freier Liebe, die Zeit der Hippies und dafür bedankt sich Cohen an einer Stelle auch ausdrücklich, dass er gerade da jung war. Wie er überhaupt ein richtiger Weiberer war, aber das galt ja auch als offizielle Doktrin, die offene Beziehung; es gibt eine Stelle im Film, an welcher die Folgen für die Familien als desaströs bezeichnet werden.

Auch der Stiefsohn von Cohen, den Marianne aus einer Beziehung mit einem gewalttätigen Mann mitbringt, landet vorwiegend in Nervenkliniken. Drogen durchziehen die Vitae dieser Generation, LSD vor allem.

Es ist dies eine doppelte Biographie, für Cohen scheint eher Broomfiel zuständig, für Marianne deren Biographin Helle Goldman. Aus dem Material, was überwiegend privater Natur ist, und aus neuen Befragungen von Freunden, Bekannten, Produzenten schneidet Broomfield den üblichen Wühlkisten-Doku-Mix, der vor allem für Fans von Cohen gedacht sein dürfte.

Es ist ein Verehrungsmovie, das nebenbei ganz gut die besondere Stimmung der 60er und 70er durchscheinen lässt mit einer Neigung zum Melo.

Erkennbar wird auch, was Cohen mit vielen extraordinären Künstlern gemeinsam hat, dass er sich nirgendwo zuhause fühlt – offenbar auch im Kloster nicht, in das er sich von 1994 – 99 zurückgezogen hat, es dann wieder verlässt -, dass er doch ein Gejagter ist, einer dem Kunst über alles geht, hinter welche die menschlichen Beziehungen zurückzutreten haben und die auch darunter Schaden nehmen. Zudem durchlitt Cohen Phasen der Depression.

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