Mann ohne Geheimnis.

Diese Dokumentation von Dominik Wesseley, der mit Herbert Schwering auch das Drehbuch geschrieben hat, bestätigt, was wir alle immer schon zu glauben wussten: wer Mario Adorf ist, denn er gehört zu unserem ikonographischen Inventar. Dieser Schauspieler, der mit fast 90 noch topfit frühere Wirkorte von Saint Tropez bis Rom oder Mayen begeht und zu bekräftigen scheint, was schon vor Jahrzehnten Schweikart nach der Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule über ihn gesagt haben soll: er nehme ihn zur Probe, weil er so eine Naivität habe und eine Kraft. Dieses Gesicht, dieser Mensch mit seiner Energie.

Die Kraft hat er sich in der Jugend als Hilfsarbeiter beim Bau oder als Grubenarbeiter geholt. Die Naivität hat er sich vielleicht bewahrt, weil er keine Rollen an sich ran lässt, weil er, wie er sagt, brechtisch geschult sei und also die Rollen nur darstelle und sie nicht „sei“. Er ist also immer sich selbst geblieben. Und dieses Selbst – es mag sein Geheimnis sein, was so tut, als gebe es keines und der Film versucht auch gar nicht erst, eines zu finden – will Adorf auch gar nicht analysieren lassen.

Der Film versammelt jede Menge Clips aus Filmen von Adorf – das kommt einem vor, als ob man bei einem Filmbouquinisten in der Adorf-Abteilung wühle; die Auswahl war sicher nicht leicht, sie wirkt etwas beliebig; kein Wunder, bei um die 220 Credits bei IMDb.

Kein Thema sind Privatgeschichten oder nur minimst, wie er seine Frau kennengelernt hat; das bereichert den Film um ein Bardot-Bild, weil Monique eine Freundin von ihr war. Ein Privatleben darüber hinaus gibt es nicht. Das macht aus dem Film so etwas wie ein erweitertes Hochglanz-Autogramm-Porträt.

Und wie viel so ein Mensch mit so vielen Filmrollen, wovon nicht allzu viele ohne Gage gewesen sein dürften, in seinem Leben verdient hat, das ist tabu. Der Schauspielerstar als Geschäftsmann und Geldanlager, das existiert nicht.

Highlights im Film sind Archivauftritte von Fritz Kortner und Helmut Dietl.

Mann ohne Geheimnis, fast scheint es so, als sei so ein Schauspieler vor allem mit sich selber beschäftigt; der Regisseur lässt ihn erzählen, lässt ihn aus seinen Memoiren vorlesen, lässt ihn singen, besucht ihn in Marokko beim Dreh mit einer Rolle als Karl Marx und man fragt sich, warum tut der alte Herr sich das an, diese unangenehme und anstrengende Prozedur der Gesichtsverwandlung in den Kapitalismuskritiker – der dann in der gezeigten Szene auch nur von hinten zu sehen ist? Am Geldmangel dürfte es kaum liegen.

Gibt es in so einem Menschen doch ein Geheimnis, das ihm so keine Ruhe lässt, dass er solche Dinge noch tun muss, dass er sich die Anstrengungen einer Tournee zumutet? Irgendwie wirkt das auch ernüchternd. Muss ein Schauspieler wirklich bis in so ein hohes Alter noch an seinem Image basteln? Vielleicht ist der Tonspur die Geheimnislosigkeit ihres Protagonisten auch nicht so ganz geheuer, drum haut sie jede Menge Aufpeitschmusik unter die Bilder. Aber vielleicht geht es ja auch vor allem um eine begleitende PR-Maßnahme zur nächsten Abschiedstournee, die laut der Szene im Film mit dem Veranstalter in Frankfurt bereits 10 Mal verkauft ist.

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