Flüchtlinge und Flüchtlinge.

Nicht alle Flüchtlinge sind gleich. Es gibt Flüchtlinge und Flüchtlinge. Wenn einer oder sein Sohn für Frankreich Außerdordentliches leistet, dann kann der Minister oder der Ministerpräsident gar ein Auge zudrücken und eine Abschiebung selbst in letzter Minute noch verhindern.

Von so einem Ausnahmeflüchtling handelt der wunderbar leichthändig erzählte, mitunter komödiantische Film von Pierre-Francois Martin-Laval. Wenn da am Schluss keine Tränen fließen, dann stimmt beim Zuschauer mit dem Emotionsmanagement etwas nicht.

Fahim (Ahmed Assad) ist der Sohn von Nura (Mizanur Rahaman). Sie leben mit ihrer Mutter in Bangladesh. Dieses wird als elendlich geschildert; es gibt Aufstände; Nura ist gefährdet, weil er einem Opfer helfen wollte und es ist bekannt, dass sein Sohn Fahim ein Schach-Genie ist. Nura muss Angst haben, dass die Behörden ihm den Sohn wegnehmen. So entschließt er sich zur Flucht.

Die illegale Überquerung der Grenze zu Indien ist abenteuerlich. Schon sitzen sie im Flugzeug nach Frankreich. Sie werden erst vom Roten Kreuz, dann von einer Hilfsorganisation mit offenen Armen empfangen.

Der Bub tritt in die Schachklasse von Sylvain Charpentier (Gérard Depardieu) ein. Auch dieser erkennt das Talent; ist aber fassunglos über den Pünktlichkeitsbegriff der Bangladesher.

Eine Ausschmückung der Erzählung besteht darin, dass Sylvain jedesmal bei einem richtigen Schachzug der Schüler mit Wucht an die Wand haut und in einem Regal dahinter fallen dann jedesmal Pokale um; die sind so wie Nippes, die den Film kurzweilig und irgendwie sehr menschlich gestalten; denn dann regt sich die Vorzimmerdame Mathilde (Isabelle Nanty) furchtbar auf, Ersatz für das erotische Vibrieren für Sylvain.

Zwischen der Schilderung von Asylbewerber-Milieus, den Vernehmungen von Nura durch das Amt mit einem wie gedruckt lügenden Dolmetscher, Skype-Versuchen oder Briefen nach Bangladeh, lernt Fahim schnell Französisch von den witzig gecasteten Kids der Schachklasse und wird zur Jugendmeisterschaft zugelassen.

Bis das Wunder von Marseille bei der französischen Meisterschaft steigt, taucht Vater Nura ab und verkauft illegal Souvernirs am Eiffelturm, lernt Fahim seinen erbitterten Gegner und Bilderbuchfranzosen Dufard kennen.

In Marseille bei der französischen Schach-Jugendmeisterschaft muss Sylvain eine alte Rechnung begleichen, um dem Start für das Talent zu ermöglichen.

Den Fall hat es gegeben, Bilder der Originale werden am Schluss gezeigt. Der Film hat die Figuren ganz gut getroffen, die im Bangladesh im Melodram anfangen und in Marseille aufs Podest und in die Öffentlichkeit katapultiert werden und erst mal bleiben können. Dépardieu hat sein ewigdauerndes schauspielerisches Monster-Genie einmal mehr einem wunderbaren Film zur Verfügung gestellt. Und Nura sagt vermutlich auch heute noch statt Bonjour „Bon Appetit“.

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