Archiv für 7. November 2019

Bei so vielen Filmen sollte für jeden was dabei sein. Eine Nagelprobe der Demokratie aus den USA und von da die zweite Folge eines Zombie-Filmes. Eine glückliche Flüchtlingsgeschichte aus Frankreich. 2 Flüchtlingsgeschichten aus Deutschland. Eine Lebens-Glück-Unglücks-Glücks-Geschichte aus Dänemark. Verhaltenes Coming-of-Age aus Nordrhein-Westfalen. Ein skurriles Wissenschaftsbild aus Hamburg. Über Manipulation des Menschen an seiner Natur. Eine alpine Hexengeschichte aus Südtirol. Nachwendedramatik aus Deutschland. Eine Deutsche berichtet vom Jakobsweg. Künstlernähkästchenstories skandinavisch-kanadisch. Deutsches Bilderbuch-Staralbum. Ein Australier will mit enormem ökologischem Fußabdruck das Klima retten. Eine deutsche Mutter mit gestörtem Sohnverhältnis qualmt viel und ist hochsubventioniert. Und sogar für Freunde des Kriegspropagandafilmes kommt von einem Deutschen aus Amerika etwas. Auf DVD geht es um Mittelalterrekonstruktion.

Kino
THE REPORT
Und sie funktioniert doch: die amerikanische Demokratie!

ZOMBIELAND 2: DOPPELT HÄLT BESSER
Ein Amerika, in dem just eine waffenlose Gemeinschaft überlebt.

DAS WUNDER VON MARSEILLE
Nicht alle Flüchtlinge sind gleich, erst recht nicht, wenn einer ein Schachgenie ist.

KHELLO BRÜDER
Weder Wunder von Marseille noch Happy Ending: zwei von 90′ 000 syrischen Flüchtlingsschicksalen in Deutschland.

HAPPY ENDING
Lebenskunst in Skandinavien: aus Unglück Glück zu machen.

FÜNF DINGE, DIE ICH NICHT VERSTEHE
Erste Testosteron-Schübe eines aufmerksamen Geistes in Ennepetal.

DIE SINFONIE DER UNGEWISSHEIT
Das Physisch-Architektonische an der theoretischen Physik – bis zur Kantine.

HUMAN NATURE: DIE CRISPR REVOLUTION
Züchtung von malariaresistenten Menschen?

UNSERE LEHRERIN, DIE WEINHACHTSHEXE
Bergstotzsteil und recht verrückt.

IM NIEMANDSLAND
Ein deutscher Film mit Sinn für Dramatik.

NUR DIE FÜSSE TUN MIR LEID
Mit Gehen zur Freiheit (Pilgerwegtagebuch)

MARIANNE & LEONARD: WORDS OF LOVE
Aus dem Nähkästchen des Künstlers und seiner längsten Muse.

ES HÄTTE SCHLIMMER KOMMEN KÖNNEN – MARIO ADORF
Ein Filmstar wie im Buche, ohne Krisen, ohne Skandale.

2040 – WIR RETTEN DIE WELT!
Ein Doku-Tropfen in die richtige Richtung.

LARA
Sicher eines der besten deutschen Drehbücher des Jahres.

MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT
Hommage an amerikanisches Kriegshelden von anno 1943.

DVD
CAMPUS GALLI
Der erste europäische Architekturplan als Bauanleitung.

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Der Kampf um Midway war im zweiten Weltkrieg, 1942, eine Schlacht um einen Stützpunkt der Amerikaner im Pazifik. Hier lockten sie die Japaner in eine Falle und übten somit Rache für den Überraschungsangriff auf Pearl Harbour von 1941.

Midway war die Schlacht, so stellt es auch dieser Film von Roland Emmerich nach dem Drehbuch von Wes Tooke dar, die im Pazifik die Wende zu Gunsten der Amerikaner brachte. Insofern ist der Film ein Sieger-Film, Kriegstraumata und andere Kolloateralschäden als Folge solcher Siege kommen darin nicht vor. Er ehrt die Helden dieser Schlacht mit Medaillen und biographischen Zusatzinformationen am Schluss.

Ein typischer Kriegspropagandafilm also und da China als Koprozent vermerkt ist, ein Kriegsporpagandafilm im Sinne der imperialistischen Mächte China und Amerika, währen die Japaner übel wegkommen, auch wenn der Film – alibihalber – auch den japanischen Soldaten gewidmet ist, die aber keine weitergehende ehrende Erwähnung bekommen, wie der Kommandant des Flugzeugträgers, auf dessen Befehl sein Schiff versenkt wird, und der mit dem Schiff freiwillig in den Tod geht.

Es scheint ein Film zu sein ganz im Sinne der Haltung Trumps, wie er sie mit dem Satz „he died like a dog“ lautmalerisch-verächtlich zum Tod des IS-Führers neulich zu erkennen gab. Die Japaner starben wie Hunde oder sie handelten wie Hunde, wenn sie einen gefangenen Amerikaner in Handschellen und mit einem Seil an einen Anker gebunden lebendig im Meer versenken.

Die Gattinnen der amerikanischen Helden sind adrett vollgeschminkte Filmheldinnen, die im trauten Häuschen die Kinder versorgen und um ihren Liebsten, den Helden, bangen, angezogen wie für eine Persil-wäscht-weißer-Werbung, von der Mode her top in den 40ern (überhaupt versucht Emmerich den Film so altmodisch wie möglich aussehen zu lassen, why?).

Für die Kriegshelden hat Emmerich überwiegend knackige Männer ausgesucht, denen die Kriegsunbill nicht allzu sehr zusetzt – Krieg soll im Propagandafilm schließlich appetitlich bleiben -, bis auf den älteren Herren mit der tiefen Domglockenstimme und der Gürtelrose.

Naturgemäß gibt es in so einem Kriegsfilm unendlich viele Kriegshandlungen, mal überzeugender, öfter auch weniger überzeugend computeranimiert, Flugzeuge, Rauch, Bomben, Fehllandungen auf dem Flugzeugträger, Beinahfehllandungen, Abschüsse, tollkühner Sturzflug, Abstürze immer und immer wieder und massenhaft, der ganze Himmel voll.

Laut IMDb hat der Film geschätzte 75 Millionen Dollar gekostet. Was mich dabei brennend interessieren würde, wie viel davon vom Pentagon oder von von diesem abhängigen Geheiminstitutionen geflossen ist. Aber da es sich um Kriegspropaganda handelt, bleibt das wohl Kriegsgeheimnis.

Was die Amis in den folgenden Jahrzehnten mit ihrer hier siegreichen Armee auf der Welt angerichtet haben, im Hinblick auf den Zusatz im Titel: „Für die Freiheit“, das geht auf keine Kuhaut von Vietnam über Afghanistan- und zum Irakkrieg, zu schweigen von den Geheimeinsätzen in Lateinamerika und woanders. Wo ist da heute überall Freiheit? Und wieviel Freiheit davon ist in den USA geblieben? Vielleicht sollten Filmproduzenten es sich doch überlegen, Kriegsheldenfilme zu drehen. Das kommt nämlich beim heutigen Wissensstand und dem breiten Zugang zu Wissen und Information gar nicht gut.

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Tarek und Zakwan

sind zwei von über 11 Millionen Syrern, die der Krieg in ihrer Heimat in die Flucht geschlagen hat, zwei von etwa 90′ 000 Syrern, die in Deutschland einen Asylantrag gestellt haben. Sie stammen aus Aleppo.

Hille Norden widmet ihnen dieses filmische Porträt. Hinter den nüchternen Flüchtlingszahlen stecken Menschenschicksale. Tarek ist Journalist, war es in Syrien und ist es inzwischen wieder in Deutschland. Da er mit seinen Reportagen in Syrien aneckte, musste er früher fliehen. Er war ein Kontingentflüchtling, der sofort nach Ankunft in Deutschland eine Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis erhielt und so auch schnell Deutsch lernte.

Seine Bruder Zakwan war Kunstprofessor und Maler in Aleppo. Lange wollte er die Studenten nicht im Stich lassen, selbst als die meisten seiner Gemälde zerstört waren. Einige aus dem Krieg sind auf abenteuerlichem Wege nach Deutschland gekommen. Er selbst war Boosflüchtling, von der Türkei aus im Gummiboot nach Griechenland, davon gibt es Fotos.

Zakwan hat in Deutschland sofort wieder mit Zeichnen und Malen begonnen. Wie großartig er ist, zeigt allein das Porträt seiner Deutschlehrerin. Schon in Münsingen, seiner ersten Station, wurden Helfer auf seine Fähigkeiten aufmerksam und organisierten eine Ausstellung in der Kirche. Noch bevor er nach Deutschland kam, wurde in Leipzig, wo Bruder Tarek lebt, eine Ausstellung mit den geschmuggelten Bildern veranstaltet und aus dem Erlös eines Bildes konnte er seine Flucht finanzieren.

Was die Brüder eint: sie lehnen jeglichen Dienst an der Waffe ab, sie haben die Lehren Ghandis und Christi verinnerlicht. Und nicht lange, bevor dieser Film ins Kino kommt, will die deutsche Verteidigungsministerin Kampftruppen in den Grenzstreifen zwischen Syrien und Aleppo schicken. Hirnrissig, dürften sich die beiden Syrer denken. Denn dort werfen, so sagen sie, alle, die mittun, Bomben, säen Zerstörung. Zakwan meint, mit seinem Zyklus der Bilder von der Flucht, will er vor allem an jene Menschen erinnern, die noch in Syrien leben.

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Vom Sinn des Gehens.

Wochenlang jeden Tag zehn, zwanzig oder dreißig Kilometer gehen, wandern, marschieren, das hat rein physisch schon Auswirkungen auf den Zivilisationsmenschen, der sich sonst lange nicht so viel bewegt und sich auch lange nicht so ausdauernd in der freien Natur aufhält.

Inzwischen ist der Pilgerweg nach Santiago de Colmpostela Kult, längst nicht nur bei praktizierenden Katholiken. Filmemacher entdecken ihn als Sujet, dokumentarisch oder fiktional. Wer eine Reise tut, hat was zu erzählen und so berichtet jeder Film über den Pilgerweg etwas anderes (Ich bin dann mal weg, Dein Weg, Der Mann, der über Autos sprang, Zu Fuß nach Santiago de Compostela)

Gabi Röhri, die hier für Buch und Regie zuständig ist – allerdings vermisse ich einen Hinweis auf die Kamera – legt ihren Bericht an wie ein Tagebuch, aber auf keinen Fall als Ratgeber. Sie erzählt ihren Weg von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago di Compostela und dann noch bis zum Cabo die Finisterre am atlantischen Ozean.

Röhri streut viele Selbstreflektionen ein, wie sie erst nach langen Kilometern endlich dieses Gefühl der Freiheit empfinde, dieses jeden Tag Gehens; sie lässt andere Pilger mit kurzen Statements zur Wort kommen, die den Weg empfehlen, sie schmückt den Film mit Eindrücken vom Wegrand, mit Natur, Blumen, Wiesen, Vögeln, Störchen, Hühnern, Kühen, Schafen, Katzen, Tauben, Delikatessen, Muscheln, Pferden.

Ein besonderes Augenmerk richtet sie auf Kapellen und Kathedralen, zu denen sie Informationen liefert. Aber auch Brauchtum und Prozessionen kommen vor, der Hahn zum kostenlosen Zapfen von Wein oder die Kirche, in welcher aus einem bestimmten Grund Hühner gehalten werden.

Durchgehendes Sujet ist das Pilgerbuch, in das man an bstimmten Stellen ein Stempel hineinbekommt.

Es ist ein sehr persönliches Tagebuch, das allerdings kaum Informationen über ihre Übernachtungsorte enthält und das mit der Kamera hätte eine Erwähnung verdient, selbst wenn sie die selber geführt hätte. Weil das ja doch die Situation einer Reise verändert.

So ein Pilgerweg ist ein Phänomen, das Menschen aus aller Welt anzieht. Es ist ein Gruppenerlebnis, aber eben auch ein Einzelerlebnis und macht etwas mit den Menschen allein durch die körperliche Anstrengung, die innerhalb eines bestimmten kulturell/spirituellen Zusammenhanges steht.

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Das Weiße Haus

kommt gleich zu Beginn in diesem Film von Ruben Fleischer nach dem Drehbuch von Dave Callaham, Rhett Reese und Paul Wernick vor. Es sieht ziemlich postapokalyptisch aus drin, man könnte sagen so hat der Twitterfritze die Bude hinterlassen, ein Saustall. Darin wohnen Tallahassee (Woody Harrelson), der mimt den Präsidenten. Sein Sohn heißt Columbus (Jesse Eisenberg); dann sind da noch Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin). Letztere haut mit einem Hippy, der sich Berkely (Avan Jogia) nennt, ab auf die Road.

Zur Präsidentenfamilie stößt noch Madison (Zoey Deutch). Columbus wollte sie als Bunny in den Überresten des Supermarktes abknallen, ein aufgeregtes, geiles Püppchen mit hohem, direkt-naivem Ton.

Die Welt wird beherrscht von Zombies verschiedener Sorten: Homers, Hawkings und Ninjas. Jede Sorte etwas widerständiger und aggressiver.

Die Präsidentenfamilie macht sich aus Washington durch das, was von den Vereinigten Staaten nach der Trump-Herrschaft, pardon: nach der Zombie-Invasion übrig ist, auf den Weg nach Memphis. Tallahassee ist Elvis-Fan.

Es ist eine groteske Gruppierung in dieser Überlebenswelt. Hin und wieder kommen sie in Kontakt mit Zombies. Die knallen sie anfangs cool wie Amerikaner ab. Zwischendrin begegnen sie auch kurz dem Hippie mit der Tochter.

Eine schräge Episode findet in Memphis im Elvis-Tempel statt. Dann geht es weiter.

Der Countdown wird im Babyolon inszeniert, einem waffenfreien Hippie-Garten mit einem begrünten Wohnhochhaus. Da wird die unterhaltsame Story insofern kurios, als die Waffennarren den heranstürmenden Zombies aller Gattung mit anderen Mitteln begegnen, sie ohne Feuerwaffen besiegen müssen.

Welt aus den Fugen. Mittendrin gibt es einen Garten Eden, eine friedliche Welt und wer von einem Zombie gebissen wird, muss eliminiert werden, weil er selber zum Zombie wird, symbolische Bilder für einen gnadenlosen Überlebenskampf des Menschen, aufgemotzt mit grell überzeichneten Figuren, ebensolchen Bildern und ebensolchen Dialogen. Als rhethorischen Dauergag geben sich die Menschen Regeln, nummeriert in römischen Zahlen (nicht immer korrekt), eine davon heißt, „Reise leicht“, das bedeutet, dass die ganzen pinken Koffer von Madison lieber draußen stehen gelassen werden. Nichts macht mehr Spaß als Regeln in einer regellosen Welt.

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Uriges Kinder-Alpenabenteuer,

ganz und gar unhollywoodisch.

La Befana ist in Italien die Bezeichung für eine gute Hexe, die den Kindern Geschenke bringt. Hier im kinobegeisterten Film von Michele Soavi nach dem Drehbuch von Nicola Guaglianone füllt sie am 6. Dezember die Socken, die die Kinder bereitstellen.

Einmal hat sie aber, das ist eine Szene, die auch herrlich den leisen Touch von Horror, den dieses Kinderabenteuer begleitet, zeichnet, ein Kind vergessen. Sie wird in ihrer Tätigkeit von einem knurrenden und grimmig dreinschauenden Hund gestört, der reißt aus ihrem Rundkalender ein Blatt heraus, so dass sie das nächste Kind vergisst.

Befana heißt in ihrem Alltag Paola (Paola Cortellesi) und ist Grundschullehrerin. Das darf niemand wissen. 25 Jahre später rächt sich das vergessene Kind, Mr. Johnny (Stefano Fresi) und entführt Befana/Paola. Er betreibt auf einem hohen Alpengipfel eine Kinderspielzeugfabrik und residiert in einem wahnwitzig-futuristischen Loft. Sein Kostüm ist operettenhaft, wie überhaupt die Ausstattung es schafft, schräg und verrückt auszuschauen, ohne dass es gekünstelt wirkt. Die schlappen Mützen der beiden Rowdies von Johnny wirken so, als hätten sie gerade nichts anderes zur Verfügung gehabt.

6 Schulkinder, alles keine geleckten und TV-verbrauchten Gesichter, kommen dahinter, dass hier was nicht stimmt. Sie machen sich mit ihren Fahrrädern auf in die Berge, um die Lehrerin zu befreien. Das führt zu abenteuerlichen Situationen, James Bond im Kinderformat.

Versuch mal, mit dem Fahrrad einen ganz, ganz steilen, verschneiten Bergwerg runterzufahren! Und dann noch Gipfelcountdown al dente. Auch die deutsche Synchro wirkt herrlich unverbraucht. Lediglich der original italienische Song im Abspann macht deutlich, dass die zwei, drei Gesangsstellen, die im Film auf Deutsch vorkommen, nicht mithalten können; das tut dem Sehvergnügen grad gar keinen Abbruch. Und auf die Idee mit dem Fahrradschiff, um mit Fahrrädern versschneite Berge zu bewältigen, muss man erst mal kommen.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass nach der Pressevorführung noch Änderungen am Film vorgenommen worden seien.

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Starke Lektion in Demokratie.

In diesem Film von Scott Z. Burns geht es nicht um den einzelnen Bürger und die Demokratie, es geht um Bürger, die in staatlicher Funktion die Demokratie schützen und stärken sollen.

Das sind einerseits die Bürger als Geheimdienstler. Die haben nach den Anschlägen von 9/11 die demokratischen Grundsätze der USA aufs Abscheulichste missachtet mit den pseudowissenschaftlich begründeten Folterprogrammen und der Unterbringung von vermeintlichen oder potentiellen Gefährdern und Terroristen in geheimen Foltergefängnissen in verschiedenen Ländern. (Diese Geheimgefängnisse hatten bunte Namen wie „Grün“, „Blau“ oder „Kobalt“. Präsident Obama hat diese Praktiken sofort nach seinem Amtsantritt verbieten lassen.)

Andererseits beschäftigt sich der Film mit Bürgern, die in staatlicher Funktion stehen und demokratische Verantwortung tragen wollen. Das ist Senatorin Dianne Feinstein, gespielt von Annette Bening. Sie will für ein Senatskommitte die ruchbar gewordenen Folterverbrechen des CIA untersuchen lassen, denn der CIA habe Akten darüber verschwinden lassen.

Mit dieser detektivischen Aufgabe betraut sie ihren Mitarbeiter Daniel Jones. Diesen spielt Adam Driver. Wie alle übrigen, sind das zwei hervorragende Besetzungen von Avy Kaufmann, dieses lakonische Gesicht von Driver, der unemotional einfach seinen Job tut, ohne sich was einzubilden darauf, den später sein Gewissen juckt, das ihn an den Rand der Whistleblowerei treibt, ob er seine in über 6 Jahren mühevoller Arbeit zusammengetragenen Akten aus CIA-Archiven ungeschwärzt an die New York Times übergeben soll.

Der Film spielt überwiegenden in bunkerhaften Innenräumen. Das ist kein großer Unterschied, ob die fensterlose Fassade des Baues mit den Archiven oder allerlei Besprechungsräumen von Geheimdiensten und Senatoren: die Klaustrophie spielt mit. Sie führt uns die Wege und Irrwege vor, Umwege und Abwege im demokratischen Prozess, in dem immer Mitspieler sind, die um ihren Ruf bangen, die verführt sind, undemokratisch in so eine Untersuchung einzugreifen, sie zu stoppen, auch mit nicht legalen Mitteln, und wie anderseits eine ganze Riege von demokratisch gesinnten Bürgern in mühsamer Kleinarbeit dagegen vorgeht, wie es ständig auf der Kippe steht, die Wahrheit an den Tag zu bringen, denn auch die Senatorin muss „politisch“ denken, an die nächsten Wahlen, an ihre eigene Zukunft, allesamt Rücksichtnahmen die kein Interesse an unbedingter Wahrheit haben.

Der Film ist optimistisch, wie sich die Wahrheit den Weg ans Licht bahnt, pessimistisch, wie er konstatieren muss, dass nicht eines der Verbrechen des CIA je geahndet worden ist, ja dass einige dieser Folterer sogar befördert worden sind, einer bis weit an die Spitze. Herrgottnochmal!

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Dieser Film von Nick Broomfield (Whitney Can I be me)
bringt in loser biographischer Reihenfolge intime Nähkästcheneinblicke in die Leben von Leonard Cohen und seiner wichtigsten Muse, der Norwegerin Marianne Ihlen, mit der er von 1960 bis 1967 auf der griechischen Insel Hydra gelebt hat.

Es war die Zeit freier Liebe, die Zeit der Hippies und dafür bedankt sich Cohen an einer Stelle auch ausdrücklich, dass er gerade da jung war. Wie er überhaupt ein richtiger Weiberer war, aber das galt ja auch als offizielle Doktrin, die offene Beziehung; es gibt eine Stelle im Film, an welcher die Folgen für die Familien als desaströs bezeichnet werden.

Auch der Stiefsohn von Cohen, den Marianne aus einer Beziehung mit einem gewalttätigen Mann mitbringt, landet vorwiegend in Nervenkliniken. Drogen durchziehen die Vitae dieser Generation, LSD vor allem.

Es ist dies eine doppelte Biographie, für Cohen scheint eher Broomfiel zuständig, für Marianne deren Biographin Helle Goldman. Aus dem Material, was überwiegend privater Natur ist, und aus neuen Befragungen von Freunden, Bekannten, Produzenten schneidet Broomfield den üblichen Wühlkisten-Doku-Mix, der vor allem für Fans von Cohen gedacht sein dürfte.

Es ist ein Verehrungsmovie, das nebenbei ganz gut die besondere Stimmung der 60er und 70er durchscheinen lässt mit einer Neigung zum Melo.

Erkennbar wird auch, was Cohen mit vielen extraordinären Künstlern gemeinsam hat, dass er sich nirgendwo zuhause fühlt – offenbar auch im Kloster nicht, in das er sich von 1994 – 99 zurückgezogen hat, es dann wieder verlässt -, dass er doch ein Gejagter ist, einer dem Kunst über alles geht, hinter welche die menschlichen Beziehungen zurückzutreten haben und die auch darunter Schaden nehmen. Zudem durchlitt Cohen Phasen der Depression.

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Schön gedacht

von Jan Ole Gerster und seinem Drehbuchautor Blaz Kutin: eine Mutter in den Mittelpunkt zu stellen, die selbst sich hat die Künstlerambition kaputt machen lassen und die jetzt nicht anders kann, als dies bei ihrem Sohn zu wiederholen, ihn zwar in Richtung Pianist zu schubsen, aber immer, wenn der Befreiungsschlag in der Luft liegt, diesen zu verhindern.

Der Film guckt sich das in der Situation an, in der dieser Sohn Victor (Tom Schilling, der mit Oh Boy – auch von Jan Ole Gerster – seinen Durchbruch hatte) auch als Komponist durchstarten will. Das Konzert ist schon angekündigt. Der Sohn wohnt bei der Oma (Gudrun Ritter), ist auf Distanz zu seiner Mutter, um sich vor ihr zu schützen. Oma macht ihm auch die Wäsche und wohnt in einem niedlichen Hexenhäuschen.

Omas Tochter Lara (Corinna Harfouch) ist die Titel- und Hauptfigur des Filmes. Sie hat ihre Violinistenkarriere abgebrochen oder gar nicht erst angefangen. Sie hat den sicheren Job einer Abteilungsleiterin in der öffentlichen Verwaltung vorgezogen. Das überall angekündigte Konzert ihres Sohnes ist ihr nicht entgangen. Das treibt sie um. Das stellt offenbar ihr eigenes Leben in Frage. Sie kann es nicht aushalten, dass der Sohn jetzt möglicherweise – und sogar als Komponist – berühmt wird.

So zittrig Laras rauchersüchtigen Finger sind, so kann sie das miese Mutterspiel nicht lassen. Sie versucht mit allen Mitteln, ihren Sohn vor dem Konzert zu Gesicht zu bekommen, um ihn an die Mutterleine zu nehmen. Die Frage ist, wer diesen Kampf gewinnt.

Das ist schön gedacht und ziemlich glaubwürdig: das Mutterthema, Mütter und Verhinderung der Söhne, vielleicht nicht das große gesellschaftliche Thema, ein übles alleweil, andererseits vielleicht öfter da als vermutet.

Jedenfalls gibt es wenige Menschen, die den Vibe eines Künstlerberufes geschmeckt, erfahren haben und die das dann lassen können und mit einer bürgerlichen Existenz vollauf glücklich und zufrieden sind, ohne anderen gleich die künstlerischen Ambitionen kaputtreden zu müssen.

Das Problem des Filmes scheint mir die Bestzung mit der Hauptrolle. Frau Harfouch spielt diese Mutter als eine durchgängig bösartige, missmutige Person, die ständig von schlechtem Gewissen geplagt ist oder wie die Klischee-Hexe im Kindermärchen (wobei die garantiert köstlicher ist). Sie wirkt so wie Leinwandgift. So wie ich den Film verstehe, besteht diese Gestörtheit ja nicht grundsätzlich in der Person, die ist nicht Konstituens, sondern im Verhältnis zur Kunst und darin, selbst nicht reüssiert zu haben, und es anderen nicht gönnen zu können.

Es mag an mangelnder Rollenvorbereitung der Darstellerin liegen, – auch an der mangelnden Hauptrollenkultur im Filmland – aber auch an mangelndem psychologischem Durchdringen des Drehbuches, auch durch den Regisseur. Insofern kann er vielleicht ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden, zu schweigen von der Casterin Nina Haun, die offenbar die Schwere der Rolle unterschätzt hat – oder die verzweifelt nach eine Schauspielerin Ausschau gehalten hat, die es in Deutschland – mangels Filmkultur – überhaupt nicht gibt. Frau Harfouch jedenfalls spielt die Rolle der Lara in einer einzigen, versteinerten Pose; das ist menschlich armselig und einfältig – da sie die Pose immerhin durchzieht in jedem einzelnen Bild, so halten dies viele im armen Filmland bereits für beachtliche Darstellungskunst.

Denn Lara würde sich viel zu sehr von ihrem Sohn abhängig machen, wenn sie sich selbt deswegen das Leben versauen lassen würde, ständig nur unwirsch ist wie Frau Harfouchs Anna. Wäre nicht viel eher zu vermuten, dass diese sogar Mechanismen und Lebenslügen entwickelt hat, wie saugut es ihr geht ohne die Kunst, dass sie überhaupt nicht in jeder Sekunde darunter leiden muss, dass sie sogar ein offensives Verhältnis zur Kunst hat und der Schmerzpunkt – den Frau Harfouch durchgehend spielt – nur in den Momenten zu Tage tritt, wo der Sohn ins Spiel kommt? So aber, wie Frau Harfouch die Anna spielt, ist es eine Frau ohne Lebenslüge, aber voller Ranküne. Das ist langweilig.

Der Film ist gut genug gedacht, so dass er ein Remake in Amerika oder Frankreich verdiente, wo es die entsprechende Filmkultur und die entsprechenden Schauspielerinnen gibt, die nicht in TV- und Subventionsstar-Routinen erstarrt sind und glauben in so einem Fall, das durchgehend belämmerte Weibchen spielen zu müssen, das sich krampfhaft an einer Handtasche oder an einer Sektflasche festhält – oder andernfalls ständig zur Zigarette greifen muss.

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Liebe in komplizierter Gemengelage

oder ein kurzer Sommer der Anarchie.

Der Sommer nach dem Mauerfall in der kleinen Gemeinde Kleinmachnow, an der Mauer gelegen. Die ist gefallen. Dort wo sie war, ist das titelgebende Niemandsland, das einen Hauch von Westernoptik ausstrahlt. Das ist der Ort, wo die alles verbindende Liebe zusammentrifft.

Vorher geht’s – filmisch gesehen – hackelig zu und her. Was jedoch auch heißt: hier gibt es Entwicklungsaussichten, hier ist noch Entwicklungsraum für den angriffigen Regisseur Florian Aigner, der zu verstehen gibt, dass er ein Regisseur mit Perspektiven und mit einem Faible für das Dramatische und die dramatischen Zuspitzungen ist (inklusive Einspieler aus den Nachrichten und dem Bundestag). Womit schon dialogisch viel gewonnen ist und dieses typisch deutsch-subventionierte, am Computer ausgedachte Studienratsdeutsch mit den Relativsätzen publikumsfreundlicherweise nicht vorkommt.

Die Zutaten für seine Story, für seine Geschichte, für sein Konstrukt sind brisant und vielseitig. Der geschichtliche Hintergrund ist der Fall der Mauer und die Zeit bis zur Währungsunion. Auf der politischen Ebene sind das Archivzitate, wie glücklich das Land sei über die Einheit, das glücklichste Land, was sich 30 Jahre später zu Zeiten boomender AfD doch merkwürdig ausnimmt.

Als Dramatis Personae hat sich Aigner zwei Familien ausgedacht, die besonders von diesen politischen Veränderungen betroffen sind.

Da ist die Familie von Alexander Behrends (Andreas Döhler), seiner Frau Heidi (Lisa Hagmeister) und der Tochter Katja (Emilie Neumeister) als Protagonistin, es gibt noch den kleineren Bruder. Sie wohnen im Westen. Vater Alexander will sein ehemaliges, enteignetes Haus aus der DDR zurück. Individualanarchistisch hat er davor einen Wohnwagen mit Forderungstexten geparkt. Von da aus beobachtet er die aktuellen Bewohner, beschimpft sie als Stasi.

Und das ist die Familie von Erwing (Uwe Preuss) mit seiner Frau Beatrice (Judith Engel) und dem anderen Protagonisten des Filmes, Sohn Thorben (Ludwig Simon). Die Liebe schießt gegen die politischen und privaten Verhältnisse. Das löst die Konflikte aus, die gerne in Handgreiflichkeiten übergehen.

Die prima gecasteten Schauspieler blühen im Laufe des Filmes auf. Aigner scheint Spaß zu haben an sich hochschaukelnden Konflikten, die sich immer wieder drehen durch die Vielzahl der Beteiligten und die sich ständig ändernde politische Situation und die unterschiedlichen Denkweisen der Akteure, immer unter Berücksichtigung des Materiellen.

Dagegen die Liebe, die ständig wieder in Frage gestellt wird, die Pauschalisierungen, kann denn die Tochter des Rückforderers den Sohn des als unrechtmäßig angesehenen Hausbesitzers lieben? Die familiären Hintergründe waren schon bei Romeo und Julia ein Problem. Hier im Film von Florian Aigner gibt’s zum Glück statt einer Gruft den Streifen Niemandsland.

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