Hier bin ich mir unschlüssig, ob dieser Film von Céline Sciamma (Mein Leben als Zucchini) mehr ist als nur großartige leinwandoberflächige Selbstzweckskunst, gewidmet dem Porträt, wie der Titel sagt.
Um das Porträt einer jungen Frau in Flammen inszeniert Céline Sciamma die Geschichte der Malerin Marianne (Noémie Merlant). Sie erhält einen ungewöhnlichen Auftrag. Auf einer nur mit dem Ruderboot erreichbaren Insel soll sie Héloise (Adèle Haenel) im Auftrag ihrer Mutter, einer Herzogin (Valeria Golino), malen. Das Problem dabei ist, dass die hier zurückgezogen lebende Héloise (es ist ein Herrschaftshaus mit kaum Personal, gerade mal Sophie (Luàna Bajrami) tritt noch in Erscheinung und wird das Thema Abtreibung durch Unkundige in den Film tragen), sich nicht malen lassen will.
Sciamma schildert dieses beschauliche Insel-Herrschaftshausleben in einzigartiger Intérieur-Malerei ähnlich den Vermeer-Bildformaten, jedes Bild ein Gemälde, Frauen von ausgesuchter Schönheit, die mit kompromisslosem Ernst spielen.
Das Gemälde soll Héloise für einen Italiener attraktiv machen, den zu heiraten sie ausersehen ist. Die Malerin und ihr Modell freunden sich auf Spaziergängen über die Insel und zum Strand an. Es ist auch ein Austausch über Gefühle. Und es ist der Vorwand für die Malerin, ihr Modell zu studieren und kennenzulernen, um sie anschließend aus dem Gedächtnis zu malen.
Und da auf der Insel keine Männer und auch sonst keine Abwechslungen sind, kann es nicht ausbleiben, dass die beiden Frauen sich auch physisch näher kommen, nachdem der erste Porträt-Versuch gescheitert und einem selbstzerstörerischen Akt der Malerin zum Opfer gefallen ist; nachdem kunstphilosphische Fragestellungen den Film zum Thema Porträt durchwehten.
Nach der Halbzeit wird die Malerei iridischer. Sophie hat schon seit drei Mal die Regel nicht mehr. Das hat grausame Abtreibungspraktiken zur Folge. Durch das Mittel der Zeitverknappung, die Herzogin gibt der Malerin noch eine Frist von 5 Tagen, bahnt sich die rein irdische, lesbische Liebe ihren Weg (während im ersten Teil die Spannung auf der Zügelung der Sinnlicheit beruhte), aber auch der drohende Abschied von Porträt und Freundin türmt sich als schweres Hindernis auf.