Bonnie & Bonnie

Was kostet die Welt!

Fängt mit videocliphaftem Schwung und der Sorglosigkeit eines dieser jungen Berlin-Flair-Filme als Milieugeschichte an, bremst ab in eine ernste Hamburger Beziehungskiste, entwickelt sich zum heftigen Albanerfamiliendrama und gerät dabei unversehens ins TV-Fahrwasser.

Der erste Teil schildert die Atmosphäre unter Zuwandererjugendlichen im gemischten Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg; die jungen Leute sind sorglos. Yara (Emma Drogunova) läuft weg von der Arbeit im kleinen Supermarkt, den sie hüten soll. Mit ihrer Flamme Kiki (Sarah Mahita) schnappen sie einem Aufschneidertypen den sportlichen Wagen für eine Spritzfahrt, Kiki, die Ältere, lässt Yara, die 17-jährige ans Steuer. Die Liebe flammt auf.

Es gibt romantische Bilder am Hafen in warmem Abendlicht. Die Liebe wird heftiger, die Gegenreaktion der muslimischen Familie von Yara auch. Erst ist noch locker nachts abhauen von zuhause, sich die Nächte mit Kicki um die Ohren hauen, auf einer Vernissage klauen sie eine Statue, in einem feinen Lokal, in welches Kiki Yara heimlich ausführen will und sie nicht erwünscht sind, schnappen sie sich eine Flasche Champanger.

Bis die Familie es mitkriegt, der Bruder sie in Flagranti bei Kiki nackt erwischt, ein Freund die Auseinandersetzung auf Handy aufnimmt und ins Netz stellt unter dem Titel: „Albaner erwischt Schwester beim Lesbensex“. Das wird ein Internethit; die Akteure werden zu Ausgestoßenen der Gesellschaft.

Jetzt wird die Auseinandersetzung dramatisch, die Tochter flugs verheiratet in einem roten Traditionskleid. Yara atmet schwer, das ist die Wiederholung der Verlobungsszene vom Anfang. Da meldet sich Kiki am Fenster, wirft die Scheibe ein. Yara flieht mit ihr.

Der Konflikt nimmt seinen Weg. Wird tragischer und dramatischer, auch ordentlicher, mündet in eine Bonnie-und-Bonnie-Gaunergeschichte mit den beiden wunderbaren Protagonistinnen auf abenteuerlicher Flucht nach Ausrauben des Wettbüros, bei dem Kiki rausgeschmissen worden ist und wird dabei immer mehr TV.

Mit Fernsehmaßstäben gemesen bestimmt eine ganz ordentliche Produktion. Sie stammt aus dem Nachwuchsprogramm Nordlichter. Der Regisseur ist Ali Hakim. Das Drehbuch hat er mit Maske Rasch geschrieben.

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