Lieber Antoine als gar keinen Ärger – En Liberté!

Sandmännchen bringt alles durcheinander.

Wie der Refrain eines Liedes erzählt Polizeileutnant Yvonne Santi (Adèle Haenel) ihrem Buben Théo (Octave Vossuet) vorm Schlafengehen eine Geschichte, Sandmännchen für Polizistenkinder sozusagen. Es ist die Geschichte von seinem Vater, dem Polzisten, als einem Actionhelden, stark wie ein Löwe.

Dieser Vater von Théo, Polizist, Jean Santi (Vincewnt Elbaz) ist gestorben. Er ist ein Held. In der Stadt am Meer wird ein ungewöhnliches Denkmal für ihn enthüllt, er steht mit ausgestreckter Waffe in voller Körpergröße auf einem Sockel mitten auf einem Platz und zielt auf die Passanten.

Die Heldengeschichten des Vaters, die die Mutter erzählt, zeigt Pierre Salvadori, der mit Benjamin Cahrbit und Benoît Graffin auch das Drehbuch geschrieben hat, als Real-Actionfilm, heftig, unzimperlich, ruppig, physische statt computeranimierte Action. Schöne Kindheit für Théo.

Diese (Sandmännchenersatz)Erzählung ändert sich mit dem Film. Denn Yvonne wird vom Kollegen Louis (Damien Bonnard) darüber aufgeklärt, dass Jean ein ganz anderer war, als der, den er vorgab zu sein. Er war ein durch und durch korrupter Polizist, dessentwegen ein Mann 8 Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hat.

Wie Yvonne das sachte ihrem Sohn beizubringen versucht, das ist die behutsame Veränderung im Gutnachgeschichtchen.

Wie Yvonne in der Realität dem Opfer Antoine (Pio Marmai) helfen will, das ist die reale Geschichte. Die stellt so einiges auf den Kopf, so wie sich durch den Gefängnisaufenthalt die Welt von Antoine auf den Kopf gestellt hat: da er unschuldig im Knast war, findet er, er habe das Recht, Verbrechen zu begehen; er habe sozusagen einen Verbrechensbonus; und die Knastschulung hat er auch durchlaufen – die verändert einen Menschen; ging als Ehrenmann in den Knast und kam als Monster (lieber Arschloch als Opfer) wieder raus.

Für seine Freundin Agnès (Audrey Tautou) ist das schwer zu fassen; sie empfängt Antoine doch so romantisch. Andererseits heftet sich Yvonne an seine Fersen. Das führt zu Komplikationen, zu einer saloppen Wertumkehr-Komödie, auch Wertumkehr des TV-Krimis, wie die Franzosen es leicht und tv-haft auf die Leinwand bringen.

Wie den Refrain mit dem Kinderlied, gibt es den Running Gag mit dem Frauenmörder: Yvonne und Louis sind so mit sich und der neuen Sicht auf den Beruf beschäftigt, dass ein Frauenmörder mit den Händen seines letzten Opfers in einer Plastiktüte sich stellen will und erzählt und erzählt und soll es nochmal erzählen, nein, man habe jetzt kein Ohr, also besser ein ander Mal kommen.

Die Asservatenkammer spielt ihre wertverdrehte Rolle; aus ihr werden Gegenstände humorvoll reaktiviert für einen Überfall auf einen Juwelier-Laden und in bester Hitchcock-Suspense-Manier gibt es ein trauliches Beziehungs-Zwiegespräch zwischen Yvonne und Antoine – vor den Ohren der Geiseln – dabei nähert sich die Polizei bereits hörbar.

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