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Hinab in die Tiefen des Mannseins

nimmt Felix Schaefer den Zuschauer in seinem Film; das ist nicht verbissen, nicht todernst, aber überhaupt nicht oberflächlich noch billig flachsend, ja es gibt Momente der Anleihe an eine urchristliche Männergemeinde; jedoch auch dies mit gehöriger Distanz.

Schaefer greift zu einem bewährten dramaturgischen Konstrukt, wenn ein Autor dem Menschen, dem Menschsein oder hier: dem Mannsein auf den Zahn fühlen will, dem Huit Clos, wie wir ihn existenzialistisch bei Sartre kennengelernt haben, geschlossene Gesellschaft; aber Schaefer verzichtet darauf, sich in größere literarisch-filmische Zusammenhänge hinein querzuverweisen.

Er schickt den sechs Männern Giuseppe (Maximilian Dirr), Filipe (der Autor und Regisseur selbst), Norbert (Harald Siebler), Karl (Mario Mentrup), Ralf (Martin Langenbeck) und Mario (Roger Bonjour) eine Einladung zu einem Event in einem Keller. Teils kennen sich die Männer, teils nicht.

Schnell wird klar, dass einiges unklar ist: wer hat die Einladungen verschickt, wer hat das organisiert? Und vor allem: plötzlich sind die Türen verschlossen, ein Entweichen unmöglich. Das kann man ruhig auch als eine Art Horrorinstallation sehen; wehe, wenn der Mensch dem Menschen ausgeliefert ist; aber auf Trash hat Schaefer es nicht abgesehen. Er ventiliert mit Ernst und Humor zugleich einige grundlegende Männerthemen, Männermythen.

Den Einstieg dazu bieten Fragen, die sie offen beantworten müssen – und es soll nichts davon nach außen dringen. Wichtig ist auch, dass sie das Gefühl haben, kontrolliert zu werden durch eine Kamera. Die Verheißung ist die, wenn sie ihre Aufgaben gelöst haben, werden sie wieder aus dem Keller entlassen.

Schaefer inszeniert mit gutem Gespür für die Schauspieler; wunderbar, wie sie anfangs einerseits fremdeln, andererseits abenteuerliche Aufgeregtheit zeigen; wie sie schnell zu elementar männlichen Themen vorstoßen, die Frauen und ob es zur Befriedigung des Triebes wirklich einer Vagina bedürfe.

Es kann nicht ausbleiben, bei so vielen Männern auf so engem Raum und ohne Auslauf, dass es zu Eruptionen kommt; diese werden jeweils mit hartem Knock-Knock verstärkt auf der Tonspur.

Die Fragen, die sich dem Manne stellen, wenn er nicht im gewerblichen oder gesellschaftlichen, im Balz- oder Karriere-, im Image- und Familienrollenzusammenhang steht, sind: Was machen Männer im geschlossenen Raum. Was machen Männer miteinander, wenm sie unfreiwillig in einem Raum eingeschlossen sind, vorgeblich zu einer therapeutischen Intervention; was fangen sie miteinander, mit ihren Kräften, ihren Energien, ihrem Trieb an? Was ist das Ziel eines Mannes? Was macht ihn aus? Wie lange dauert es, bis der Triebstau sich meldet in dieser Auszeit vom gesellschaftlich verpflichtenden Mannsein?

Der Film trägt den Keim zu einem neuen, spannenden deutschen Kino in sich, dem eine radikale Weiterentwicklung zu wünschen wäre; ein Kino, das dem Menschen nachforscht und nicht ihn Themen illustrierend doziert.

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