Parasite

Prekär – Reich.

Die Intro dieses Filmes des Koreaners Joon Ho Bong (Mother, Snowpiercer), der mit Jim Won Han auch das Drehbuch geschrieben hat, schildert die prekären Verhältnisse der Familie Kim, Vater (Kang-ho Song), Mutter (Sun-kyun Lee), erwachsener Sohn (Woo-sik Choi) und erwachsene Tochter (Yeo-jeong Jo) (allfällige Fehler bei Namen und Rollen seien bitte verziehen).

Diese Familie lebt in einer müffelnden Kellerwohnung, das Klo ist ein Hochsitz, knapp unter der Straßenebene, die Fenster an der Decke sind ebenerdig zur Straße. Vorm Fenster pissen Säufer in die Ecke. Ihren Internet- und Mobilzugang klauen die Familienmitglieder von Nachbarn. Manchmal ist der Empfang nur unter der Decke möglich. Sie verdienen sich ein kleines Geld mit dem Zusammenfalten von Kartons für einen Pizza-Lieferdienst. Diese Arbeit verrichten sie mangelhaft.

Diese Eigenschaften der Kims werden in Szenen prallen Kellerlebens geschildert. Ein Freund des Sohnes kommt zu Besuch. Dieser will zum Studieren ins Ausland. Er unterrichtet als Privatlehrer bei einer reichen Familie. Der Sohn könnte doch in der Zeit der Abwesenheit des Freundes den Job des Englischlehrers in dieser Familie übernehmen und sich so ein Geld verdienen.

An der Stelle wird ein weiteres Mal die Schlawinereigenschaft der Familie evident. Der Sohn druckt sich für das Vorstellungsgespräch sein Studiendiplom schon mal aus, auch wenn er noch gar nicht studiert hat. Klappt wunderbar. Im nächsten Schritt bringt er auch noch seine Schwester als Kunsterzieherin für den kleinen Buben und Indianerfan bei der Reichenfamilie unter, die in einem Beton-Juwel moderner Archtiektur residiert.

Hier möchte bittschön der Erzählfluss auf Bitten des Regisseur gestoppt werden (obwohl der Kritiker ja nicht weisungsgebunden ist).

In einem Text, der bei der Pressevorstellung verteilt wurde, bittet Joon Ho Bong: „Wenn Sie eine Rezension über diesen Film schreiben, verzichten sie bitte so weit wie möglich darauf, zu verraten, wie die Geschichte sich entfaltet, nachdem der Bruder und die Schwester beginnen, als Nachhilfelehrer zu arbeiten. Dies wird bereits im Kinotrailer offenbar. Ihre Rücksicht darauf wird ein wunderbares Geschenk an das Publikum und das Filmteam sein, das diesen Film möglich gemacht hat.“

Des Regisseurs Wort in Ehren und wenn dem Publikum mit Schweigen so leicht ein Geschenk zu machen ist, voilà! Andererseits kann sich der Rezensent das nicht bieten lassen, so muss er auf Ersatz sinnen: es gibt ja diese einfachen und beliebten Methoden, die nichts, aber auch rein gar nichts von der Handlung verraten, – und die dem Kritiker die Arbeit maximal erleichtern, die sei hier angewandt: 4 von 5 Sternen, 8 von 10 Punkten, ein Daumen leicht nach oben, zwei Kartoffeln und eine Tomate, ein dreiviertel volles Glas, einen good Shot und einen bad Shot, ein Smiley eher nach oben, zwei Ausrufe- und ein Fragezeichen, sieben Likes etc. Aber die Frage, warum der Film in Cannes sogar die Goldene Palme gewonnen hat, die kann mir niemand verbieten. Konzediert, die Chose im Film hat etwas mit Kaninchen-aus-dem-Hut-Zaubauberei zu tun.

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