Aus Liebe zum Überleben

In einem spannenden und anregenden Bilderbogen stellt Bertram Verhaag eine Reihe von Landwirten vor, die vor Jahren und Jahrzehnten aus wohl überlegten Gründen auf Bio umgestellt haben, für die sich das rechnet und die noch lange nicht am Ende des Studiums der Erde und des Zusammenwirkens von Mensche-, Tier- und Pflanzenwelt sind.

Es ist nicht der übliche Bio-Message-Film. Der Film zeigt viel mehr, wie genau Landwirte ihre Kühe, ihre Pflanzen, ihre Erde studieren. Das geht so weit, dass die Erde selbst als Organismus wahrgenommen wird. Dieser verträgt keine schweren Traktoren. Was nicht heißt, dass die Bio-Landwirtschaft ganz ohne auskommt.

Es gibt Einblicke in die Sensibilität von Kühen, die den Stall immer sauber lassen, aber weil das Filmteam hier ist, bekommen sie den Dünnpfiff. Oder die Funktion des Kuhhorns, des Methans und des Wiederkäuens.

Bei der Begründung zur Umstellung auf Ökolandwirtschaft kann sogar die Religion im Sinne des Respektes vor der Schöpfung eine Rolle spielen oder die Spiritualität. Aber es gibt auch quantitative Überlegungen: wie viele Gräser auf einer Wiese blühen können, wie das für die Kühe und dann für die Milch und später für den Käse bereichernd ist. Wie mit einer geschickten Fruchtfolge die Erde vielfältiger und damit ertragreicher wird.

Ein Bauer hat darunter gelitten, dass seine Kühe immer krank waren, da er sie mit industriellem Kraftfutter ernährt, in einem engen Stall gehalten und enthornt hat. Wie seit der Umstellung diese Probleme weg sind – keine kranken Tiere mehr.

Oder der Landwirt, der die Distel nicht als Feind sieht, sondern als ein Signal, dass er etwas falsch gemacht habe. Die Natur als ein ergiebiges, noch lange nicht in seinen letzten Zusammenhängen durchleuchtetes, praktisches Forschungsgebiet.

Bertram Verhaag widersteht der Versuchung der Idealisierung, das macht den Film wichtig, aber Verhaag macht ihn auch leicht mit der musikalischen Untermalung mit am Jodeln und an der Alpenmusik orientiertem Sound.

Interessant ist wie diese Biobauern anfänglich mit Vorurteilen zu kämpfen hatten, da sie oft in ihrer Region die ersten waren oder wie die Kunden anfänglich einem Biobier nichts abgewinnen konnten. Der Film gibt Einblick in einen elementaren Umdenkungsprozess, der noch lange nicht zu Ende ist und dessen Vordenker Biobauern sind.

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