Französisches Soziodram, das selbständiges Unternehmertum im Gegensatz zur staatlichen Fürsorge in der Konnotation einer Verhätschelung der sozial Schwachen postuliert.

Es ist ein Themenfilm, der aus einem gesamtgesellschaftlichen Komplex ein Einzelbeispiel herauspickt: die Vorgänge um die Tagesstätte „L‘ envol“ für weibliche Obdachlose. Einzelne Figuren ragen sowohl aus der Fürsorge- als auch aus der „Kunden“seite heraus, alle erstklassig gecastet, aber keine Figur ist die zentrale Schicksalsfigur, mit der der Zuschaur mitgehen und mitleiden soll; er soll sich Gedanken zum Thema machen.

In theatral-realistischem Stil schildert Louis-Julien Petit nach dem Drehbuch von Marion Doussot nach dem Roman von Claire Lajeunie das Milieu, das ein Randdasein fristet, ein Milieu von „Unsichtbaren“, die aber trotzdem ganze Menschen sind. Wie sie oft schier zerrieben werden zwischen bürokratischen Hürden, wie der Staat ihnen vom Programm her helfen will, wie aber die Umsetzungsvorschriften oft dazu angetan sind, die Hilfe zu verhindern, den Menschen, die in Obdachlosigkeit und Erwerbslositkeit, gar ins Gefängnis geraten sind, wieder auf die Beine zu einem selbst bestrittenen Leben zu helfen.

So ergeht es auch dieser Odachlosentagstätte. Die Behörde findet, der Prozentsatz der Wiedereingliederungen sei zu klein und will die Institution schließen – wobei der Film auch zeigt, wie mühsam das ist, wie viel Geduld und Verständnis es braucht. Was nützt die tollste Hilfe, wenn die so Beschützte bei jedem Bewerbungsgespräch als erstes von ihrer Knasterfahrung, gar vom Mord, den sie begangen hat, zu erzählen beginnt?

Aus Verzweiflung heraus werden die Frauen aktiv, initiativ. Sie machen sich auf die Suche nach Räumlichkeiten, nach Verwertbarem im Müll. Sie heben noch die kleinsten Talente der Frauen, frühere Erfahrungen und Kenntnisse hervor, sie trainieren die Frauen, sie machen ihren eigenen Laden auf mit Reparaturen, sie bieten Kurse an. Das ist die optimistische Aufschwungsphase im Film. Dabei kann nicht alles nach dem Buchstaben des Gesetzes laufen. Zu dem Zeitpunkt musste ich leider wegen einer Terminkollision die Pressevorführung verlassen, was mich davor bewahrt, das Ende des höchst lebendigen und lebensnahen, lebensbejahenenden Filmes zu verraten.

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