Archiv für 10. Oktober 2019

6 mal Furor, 2 mal amifilmindustriell, 3 mal deutsch subventioniert, 1 mal deutsch unsubventioniert. Diese Sehnsucht nach Unendlichkeit in der Kunst in Holland. Diese Nähe zu grausamen Verbrechen in Polen. Dieses Verbrecherpotential bei unscheinbaren Europäern. Dieser Unternehmenspower von sozial Ausgeschlossenen in Frankreich. Diese britische Begeisterung für Unterwasserhorror. Dieser Umgang mit psychisch Kranken in Afrika. Dieses amerikanisch Filmindustrielle, gleich zweimal. Das geist- und herzschwache deutsche Subventionskino vertüdelt sich akademisch auf einer Datsche (vorgeblich Rinderzucht), sucht kitschig nach Herz-Schmerz-Traumpaar, will per Animation schulmeisterlich die Freiheit lehren und verblödet auch so ganz ohne Subvention. In einem Kommentar beschreibt stefe die „Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers“.

Kino
M C. ESCHER – REISE IN DIE UNENDLICHKEIT
Die Sehnsucht nach Unendlichkeit ist die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.

DUNKEL, FAST NACHT – CIEMNO, PRAWIE NOC
Wenn die Recherche nach brutalem Verbrechen in die eigene Geschichte mündet.

INTRIGO: IN LIEBE, AGNES
Leute, denen man nicht ansieht, wozu sie fähig sind.

DER GLANZ DER UNSICHTBAREN
Unternehmertum für sozial Ausgeschlossene.

47 METERS DOWN UNCAGED
Eintauchen in einen Unter-Wasser-Horror-Bilderrausch.

LA MALADIE DU DÉMON – DIE KRANKHEIT DER DÄMONEN
An Baumstamm anketten oder in die Geschlossene?

JOKER
Oscarkalkulierte One-Man-Show eines Irren.

DORA UND DIE GOLDENE STADT
Aus Markt- und Verkaufskalkül geboren.

BRUDER SCHWESTER HERZ
Wenn der Rinderzüchter Berührungangst vor Rindern hat, dann ist es einer aus dem deutschen Subventionskino.

DEM HORIZONT SO NAH
Dem deutschen Subventionskino scheint dieser Horizont (der Unendlichkeit oder der vom Kinotraumpaar) für immer verschlossen.

FRITZI: EINE WENDEWUNDERGESCHICHTE
Schulstoffbereinigte Freiheitsdoktrin.

RONNY & CLAID
Nicht subventioniert; hilft auch nicht gegen Verblödung.

Kommentar
ROTE KARTE DES ZWANGSGEBÜHRENZAHLERS
Ein Kommentar des Zwangsgebührenzahlers stefe.

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Mobile Psychiatrie in Burkina Faso. Weit weg?

Psychiatrie ist bei uns immer wieder ein Thema, warum soll es das in Burkina Faso nicht auch sein? Es würde bei uns Schlagzeile machen, wenn psychisch Kranke wie hier im Film von Lilith Kugler mit Ketten an den Füßen an Baumstämme gefesselt würden oder wenn gar der Fuß über Jahre in einen ausgehölten Baumstamm eingekettet würde. Wobei die Frage ist, wie groß der Unterschied zwischen dem und der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik bei uns ist. Das sind aber nicht die Fragen, die der Film explizit aufwirft.

Kugler beschreibt in ihrer Dokumentation die Situation in Burkina Faso; etwa 20 Millionen Einwohner und es soll hier gerade mal 9 Psychiater und zwischen 104 und 106 ausgebildeten Fachkräften für Psychiatrie geben. Angaben oder Schätzungen über die Zahl psychisch Kranker in dem afrikanischen Land gibt es im Film nicht.

Psychisch Kranke und Epileptiker werden teils behandelt wie Aussätzige und es gibt die Angst der Gesellschaft vor Kontakt mit ihnen. Es gibt Heiler, die Rituale an ihnen verüben, es gibt die Ketten, die sie am Davonrennen hindern und daran, Dinge zu zertrümmern oder Menschen zu töten; es gibt traditionelle Zentren für psychisch Kranke und Gebetszentren, wo diese angekettet in Hütten oder an Bäumen dahinvegetieren und es gibt, das ist einer der Protagonisten im Film, den Seelsorger Tankpari Guitinga, der sich um psychisch Kranke kümmert, der sich als ehrenamtliche Ambulanz sieht und Kranke auch in seiner Familie aufnimmt; der ihnen zu Medikamenten verhilft, versucht, sie von ihren Ketten zu befreien, sie wieder zu ihren Familien zu bringen, die auf die regelmäßige Einnahme der Medikamente achten müssen; Guitinga kümmert sich auch um die Nachsorge.

Es gibt den mobilen psychiatrischen Dienst vom Verein Yenfaabima, der überall im Land Sprechstunden hält. Anfangs trauen sich die Menschen nur zögerlich, inzwischen sind die Sprechstunden überlaufen.

Unsere Afrikasehnsucht bedient Lilith Kugler mit immer wieder dazwischen geschnittenen ruhigen Aufnahmen steppenhafter Landschaften von Burkina Faso und mit Einblicken in die Lehmhütten der Dörfer oder von Piéla, dem Aktionsort von Guitanga.

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One-Man-Show.

Dies ist die One-Man-Show von Joaquin Phoenix als Arthur Fleck und später als Joker. Dieses Gesicht, diese Mimik, dieses irre Lachen, immer und immer wieder diese Lache, die wird bleiben von diesem Film als auffälligster Eindruck, ein Entertainment-Highlight, gewiss.

Phoenix spielt einen Irren, einen Mörder, einen Clown, einen Comedian, einen Muttersohn, einen, der unter Medikamenten steht – alles, was dem Bürger widerstrebt und ihn fasziniert. Seine Mittel sind seine Augen, sein Blick, sein Strahlen, sein hagerer, asketischer Oberkörper, der oft genug im Bild ist, so ganz ohne Bauchansatz und muskulös dazu.

Fleck lebt mit seiner Mutter, hat eine brutale Kindheit hinter sich, geht regelmäßig zum „Shrink“, benimmt sich auffällig, ein Irrer eben. Das ist das Porträt, was Todd Philips, der mit Scott Silver auch das Drehbuch geschrieben hat, mit seinem Film liefert.

Allerdings ist mir der Hype, der um den Film gemacht wird, nicht so ganz verständlich. Sicher, Phoenix ist der Augenfang, aber zwei Stunden sind dann doch etwas lang, umso mehr, als mir Todds filmische Handschrift einerseits aufgeblasen effekthascherisch, andererseits doch recht abgestanden museal vorkommt (in dieser Art aber auf jeden Fall ordentlich).

Die Geschichte jedoch vermochte nicht, mich zu fesseln; es blieb für mich die Wirksamkeit der Clownsinszenierungen, sicher wirkungsvoll, wenn die Massen als Clowns demonstrieren oder wenn Fleck im Autobus einen Buben anlacht und nachher ein Kärtchen verteilt, dass er krank sei und deswegen unmotivierte Lachanfälle habe.

Ein Mehrfachmord, in einer U-Bahn, bringt den Kriminalfall in den Film. Arthur Fleck tänzelt darüber hinweg, lacht sich kaputt darüber. Man sieht ihn auch versonnen vorm Schminkspiegel sitzen. Oder sich um seine Mutter kümmern – bis zum Schluss. Aber eine Story kommt kaum in Gang.

Der Film scheint mir rückwärtsgewandt oder vorwärtsgewandt nur im Hinblick auf einen möglichen Oscar-Regen/Segen. Denn Narren (oder Irre), Kinder und Tiere stehlen nun mal jedem Schauspieler die Show – und kann auch der letzte Juror noch als große schauspielerische Leistung bezeichnen.

Jokers Erkenntnis: „I hope my death makes more Cents than my life“.

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Einfaltskino erstarrt in Halbnahen.

Der Titel, die Veralberung von Bonnie & Clyde in Ronny & Klaid gibt bereits das Niveau dieses Filmes von Erkan Acar, der mit Arend Remmers + 4 auch das Drehbuch geschrieben hat, vor.

Die albern zusammengebastelte Story lässt die beiden Protagonisten Ronny (Franz Dinda) und Khalid (Sahin Eryilmaz) einen Imbiss betreiben. Sie sind schlechte Geschäftsleute. Wenn ein Kunde Döner verlangt, müssen sie diesen schnell beim Nachbarn besorgen.

Das ist an sich eine bewährte Grundidee für Komödien, die Leute sind finanziell in der Scheiße und müssen sich etwas einfallen lassen, um an Geld zu kommen. Das kann glaubwürig geschrieben und inszeniert sein, dann können erheiternde Stücke draus werden. Oder eben so hanebüchen wie hier.

Die beiden Protagonisten wollen mit Geiselnahmen zu Geld kommen. Logisch, dass sie immer voll daneben greifen. Lauter Figuren, die kein Geld haben. Und sie geraten in Konflikt mit einem Unterweltboss, der Geld von ihnen will. Dann kommt dessen vermutlich schönheitsop-nasenbereinigtes Töchterchen, deren schauspielerische Qualitäten hier nicht so recht sichtbar werden, ins Spiel.

Und weil alles billig sein muss und kein Geld für Ausstattung da ist, geht die Kamera immer so nah wie möglich an die Darsteller ran, die unter schauspielern nicht viel mehr verstehen als posen, Poser zu sein, insofern sind keine Selbstzweifel zu erkennen, und dabei kalauern sie erbärmlich und klopfen Sprüche vom Format des Titels. Konzediert, Selbstdarstellung ist auch Darstellung.

Das ermüdet auch dadurch, dass die Halbnah-Formatenge kaum verlassen wird und dem Zuschauer so der Atem – auch der zum Lachen – genommen wird. Wenn es wenigstens Grassroot-Standup-Comedians wären. Dick sein allein genügt nicht und in fast jeder Szene in einer neuen Verkleidung auftreten ist ebenso wenig abendfüllend.

Aber, auf solchem Mist kann Besseres gedeihen, das wollen wir nicht ausschließen. Das hat sich vielleicht Fatih Akin gedacht und war sich nicht zu schön, hier mitzudreckeln.

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Anschluss an die Unendlichkeit,

diesen zu erreichen, das ist der Antriebsmotor für M. C. Escher.

Den Anschluss an die Unendlichkeit zu finden, das ist vielleicht das größte Ziel eines Künstlers, das höchste Ziel, das ihn und seine Kunst unsterblich macht. Unendlichkeit ist Unsterblichkeit. Dabei bezeichnet Escher sich selbst als Mathematiker. Er will nicht Kunst als Künstler machen. Er will die Schönheit darin sehen, auf einer endlichen, also begrenzten Fläche, wie der eines Papieres für einen Holzdruck beispielsweise, mit immer kleineren Linien und Formen (wie Vögel oder Fischen) zumindest an den Rand der Unendlichkeit vorzudringen, einen Zipfel Unendlichkeit zu erhaschen.

Einen wichtigen Schub in dieser Bewusstseinsbildung gab Escher die Betrachtung der maurischen Kunst der Alhambra. Aber er fühlt sich allein und unverstanden in seinem Bemühen und seiner einmaligen Sicht auf diese Schönheit.

Escher behauptet auch nicht, ein besonderes Talent für seine Suche zu haben. Andere könnten es besser. Aber er hat den Drang, dieses hartnäckige Bedürfnis, es immer und immer wieder zu versuchen, seinem Ziel, der Unendlichkeit, näher zu kommen.

Die Hippies in Kalifornien haben ungefragt und ohne zu bezahlen seine Motive genommen und mit psychodelischen Farborgien aufgemotzt – nicht zur Freude von Escher. Verdient hat er dabei nichts.

Seinen Lebensunterhalt, auch Gründung einer Familie, bestreitet er mit einem Erbe. Geld fängt er erst an zu verdienen, wie Time Life einen großen Bericht über ihn bringt.

Robin Lutz lässt in seiner quicklebendigen (man könnte ruhig noch mehr davon vertragen) Künstlerbiographie M. C. Escher selbst als Erzähler agieren, mit Texten, die von ihm stammen. In der deutschen Fassung trägt Matthias Brandt sie vor, eine exzellente Sprecherwahl hierfür.

Der Film, der dem losen Faden der Biographie folgt, setzt sich zusammen aus fantastischen Abbildungen seiner Werke, teils spielerisch animiert, aus Archivfootage (Fotos und Videos) und ist sparsam durchsetzt mit wenigen Statements von Graham Nash und Eschers beiden Söhnen und einer Schwiegertochter.

Die Tonspur ist um die Autobiographie-Texte herum gespickt mit klassischer Musik von Bach, den Escher verehrte, bis zu einer breiten Auswahl popkultureller Antörn-Musik, die die Bilder von Escher als mitten ins Leben hinein gehörig vermitteln und diese nicht pathetisch auf einen Verehrungssockel stellen.

Humorig wird es mit dem Symbol für seine Kunst- oder Arbeitsphilosophie, den Krempeltierechen. Und damit es garantiert nicht fad wird, bebildert Lutz in wenigen Sekunden Eschers Traum von der schnellen Reise rund um die Welt.

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Die elegante Bar „Intrigo“ ist das Aushängeschilde für diese Filmreihe nach den Romanen von Hakan Nesser in der Regie von Daniel Alfredson, der mit Brigitta Bongenhielm auch die Drehbücher schreibt, zuletzt: Intrigo: Samaria.

Man darf gespannt sein, wer dieses Mal mit wem anstoßen wird und ob mit Schampus, Whisky oder Tequila. Was selbstverständlich nicht verraten werden darf, da es sich um Krimis handelt, auch hier um einen Krimi, der Menschen im Mittelpunkt hat, die keine professionellen Verbrecher sind, die durch ihre Lebensumstände zu Taten gedrängt oder verführt werden, die sie so nie begehen würden. Dabei entsteht der Reiz, dass die Täter Laien sind, was ein zsätzliches Risiko- und insofern auch ein zusätzliches Spannungsmoment bedeutet.

Der Film spielt wieder im Künstler-, im Intellektuellenmilieu. Zwei Freundinnen sind die Protagonistinnen. Das ist die Titelfigur Agnes (Carla Juri) und ihre Freundin Henney (Gemma Chan). Sie lernen sich als Studentinnen kennen. Sie haben Ambitionen, Theater zu spielen.

Es gibt für eine Kellerbühne ein Casting für die Cordelia im König Lear. Der Regisseur ist ein schmieriger Typ und heißt Peter (Jamie Sives); der ist einem Bettcasting nicht abgeneigt. Die Freundinnen sind um die Rolle der Cordelia Konkurrentinnen.

Zum Zeitpunkt der Haupthandlung sind zehn Jahre vergangen. Beide sind verheiratet. Agnes unterrichtet an einer Schule, selbstverständlich Literatur und die kurzen Einblicke in die Schulstunden handeln von der Liebe. So gehört es sich für einen mondänen 5-Sterne-Krimi, der immer auch die Größe des Kinobildes betont.

Der Mann von Agnes ist schwerkrank und stirbt. Das bringt die beiden Freundinnen wieder in Kontakt zu einander. Henney ist mit dem Regisseur verheiratet, der inzwischen erfolgreicher Filmproduzent ist, Geld hat sie genug, aber Rollen keine.

Die Ausgangslage für die weitere Handlung ist die, dass Agnes Probleme mit der Erbschaft hat, das schöne Haus behalten möchte, aber die nicht-leiblichen Kinder auf Auszahlung bestehen. Das würde Agnes finanziell überfordern.

Das Problem von Henny ist, dass sie mit ihrer Ehe und Lebenssituation nicht zufrieden ist.

So entblättert Alfredson Schritt für Schritt, Schicht für Schicht in edler Kinohandschrift das, was die Oberfläche auf den ersten Blick nicht hergibt, und hält den Zuschauer bei der Stange – der sich einmal mehr über den Menschen im Allgemeinen wie im Speziellen und wozu er fähig ist, wundern darf.

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Parapata

heißt die geheimnisvolle Goldstadt, hinter der Forscher und Denkmalräuber her sind. Die suchen seriös Cole (Michael Pena) und seine Frau Elena (Eva Longoria), die mit ihrem Töchterchen Dora im Dschungel wohnen. Dora ist 6 Jahre alt (Madelyn Miranda). Auch ihr Cousin Diego (Malachi Barton) lebt dort. Seine Familie aber zieht zurück in die Stadt, fliegt nach Kalifornien.

Dann macht der Film einen Sprung über zehn Jahre. Dora (Isabela Moner) ist jetzt eine aufgeweckte junge Frau, guckt immer noch wie aus einem fröhlichen Pfirsichgesicht mit ihren schwarzen Haaren. Sie will Forscherin werden wie ihre Eltern. Und also soll sie in die Stadt auf die High Scool.

Die Wiederbegegnung mit Diego (Jeff Wahlberg) ist ein Schock, er ist jetzt ein etwas steifer junger Mann; er hat sich verstädtert im Sinne defätistischer Abgebrühtheit, während Dora beim Wintertanzball als naives, buttergelbes Sternchen vom Himmel daherkommt.

In der High School bringt die erste Antwort von Dora die Klassenstreberin Sammy (Madeleine Madden) gegen sich auf. Bei einer Arbeitsgruppe im Museum stößt zu dieser Gruppe noch der etwas schräge Randy (Nicholas Coombe).

Diese Arbeitsgruppe wird beim Museumsbesuch, das ist schon ein gewagter dramaturgischer Einfall, per Überseekiste entführt und in den Dschungel geflogen. Sie sollen Parapata finden; für Dora kommt das gelegen, da sie von den Eltern schon tagelang nichts mehr gehört hat, die ebenfalls auf der Suche nach Parapata sind.

Mit Alejandro (Eugenio Derbez) scheinen sie einen guten Menschen auf ihrer Seite zu haben. Die Abenteuer können beginnen. Denn es gibt die Söldner, die sich nicht aus Forscher-, sondern aus Goldgiergründen für den Schatz interessieren. Deren Maskottchen ist der diebische Fuchs, der als Animation mitspielt; das Maskottchen der Forschertruppe aus High-School-Absolventen ist der Affe Boot, der ein gutes Tier ist und der Gruppe hilft, das Abenteue gut und ohne größere Blessuren zu überstehen.

Den Kids in der Pressevorführung hat es gefallen, besonders Slapstick kommt immer gut.

Dem häufigeren Filmschauer kommt der Film eher vor als ein Produkt aus geschäftlichen und Marketingüberlegungen; es soll Geld verdient werden; eine Fernsehserie bietet sich an (weil hier schon eine Grundstruktur von Personal vorhanden ist, das sich wohl bewährt hat); Coming-of-Age ist immer vermarktbar; das Familienthema muss rein, freundlich, nicht allzu abgründig, dann wird aus einem riesigen Lager an dramaturgischen Ideen für Dschungelabenteuerfilme eher nach dem Zufallsprinzip dies und das rausgeholt (vom Opernhaus über den Treibsand bis zur Wasserschleuse), in die leichte, schablonenhafte Überzeichnung getrieben und in wenig Dschungelkulisse mit den ewig gleichen Baumstämmen gedreht, die Darsteller immer frisch aus der Garderobe; um die Dschungelglaubwürdigkeit geht es nicht, denn eine Moral ist auch da, dass man zusammenhalten müsse, aber auch, „Sei Du selbst“. Dem Vielfilmeschauer fehlt eindeutig eine persönliche Handschrift des Regisseurs James Robin und ebenso der Drehbuchautoren Matthew Robinson + 5 nach der Serie von Chris Gifford.

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Französisches Soziodram, das selbständiges Unternehmertum im Gegensatz zur staatlichen Fürsorge in der Konnotation einer Verhätschelung der sozial Schwachen postuliert.

Es ist ein Themenfilm, der aus einem gesamtgesellschaftlichen Komplex ein Einzelbeispiel herauspickt: die Vorgänge um die Tagesstätte „L‘ envol“ für weibliche Obdachlose. Einzelne Figuren ragen sowohl aus der Fürsorge- als auch aus der „Kunden“seite heraus, alle erstklassig gecastet, aber keine Figur ist die zentrale Schicksalsfigur, mit der der Zuschaur mitgehen und mitleiden soll; er soll sich Gedanken zum Thema machen.

In theatral-realistischem Stil schildert Louis-Julien Petit nach dem Drehbuch von Marion Doussot nach dem Roman von Claire Lajeunie das Milieu, das ein Randdasein fristet, ein Milieu von „Unsichtbaren“, die aber trotzdem ganze Menschen sind. Wie sie oft schier zerrieben werden zwischen bürokratischen Hürden, wie der Staat ihnen vom Programm her helfen will, wie aber die Umsetzungsvorschriften oft dazu angetan sind, die Hilfe zu verhindern, den Menschen, die in Obdachlosigkeit und Erwerbslositkeit, gar ins Gefängnis geraten sind, wieder auf die Beine zu einem selbst bestrittenen Leben zu helfen.

So ergeht es auch dieser Odachlosentagstätte. Die Behörde findet, der Prozentsatz der Wiedereingliederungen sei zu klein und will die Institution schließen – wobei der Film auch zeigt, wie mühsam das ist, wie viel Geduld und Verständnis es braucht. Was nützt die tollste Hilfe, wenn die so Beschützte bei jedem Bewerbungsgespräch als erstes von ihrer Knasterfahrung, gar vom Mord, den sie begangen hat, zu erzählen beginnt?

Aus Verzweiflung heraus werden die Frauen aktiv, initiativ. Sie machen sich auf die Suche nach Räumlichkeiten, nach Verwertbarem im Müll. Sie heben noch die kleinsten Talente der Frauen, frühere Erfahrungen und Kenntnisse hervor, sie trainieren die Frauen, sie machen ihren eigenen Laden auf mit Reparaturen, sie bieten Kurse an. Das ist die optimistische Aufschwungsphase im Film. Dabei kann nicht alles nach dem Buchstaben des Gesetzes laufen. Zu dem Zeitpunkt musste ich leider wegen einer Terminkollision die Pressevorführung verlassen, was mich davor bewahrt, das Ende des höchst lebendigen und lebensnahen, lebensbejahenenden Filmes zu verraten.

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Fazit: Großes, deutsches Schnulzenkino mit Benjamin-Blümchen-Erotik, leicht und beschwingt wie eine Betonplatte und mit freundlicher Unterstützung des Gesundheitsamtes.

Die Geschichte von Jessica Kochs Roman gleichen Namens, der diesem Film zugrunde liegt, mag anrührend sein. Die Autorin scheint darin eigene Erlebnisse eines Sommers zu verarbeiten. Sie ist vorgeblich 18, ihre Eltern betreiben da, wo es die Autonummer SLE (Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen) gibt, einen Catering Service. Papa schenkt dem Mädchen zum 18. Geburtstag, damit fängt der Film an, einen eigenen kleinen Catering-Transporter, denn Jessica arbeitet brav im elterlichen Betrieb mit. Die Sensationen dieses Sommers mit melodramatischem Content werden ausgelöst durch die Verliebtheit/Liebe zu Danny Taylor. Der ist Kick-Boxer, Model und bildhübsch, promiment, berühmt, reich. Sie erfährt, dass er HIV-positiv ist. Das wird ihr Konflikt. Umso mehr als sich bald herausstellen wird, dass er an einem besonderen Syndrom leidet, das ihm nur noch wenige Monate Lebenszeit beschert.

Das deutsche Subventionskino macht daraus das, was eingangs als Fazit erwähnt wird. Die größte Katastrophe ist die Drehbucharbeit von Ariane Schröder. Sie ist der elendigliche Beweise dafür, dass es in Deutschland keine Drehbuchkultur gibt (Jessica: „Ich bin glücklich.“ – Mutter: „Dann hol ich dir jetzt erst mal eine große Tasche aus dem Keller“. – Vater: „Ich bin stolz auf dich“ – oder: „Wir haben gerade unsere 18-jährige Tochter in ihrem Zimmer eingesperrt. Lange können wir die nicht da drinnen lassem“. – „Ich weiß“.).

Regie führt Tim Trachte. Der hat kürzlich bei Benjamin-Blümchen dieselbe Art Betonklotz-Regie geführt (deshalb ergibt sich ohne Umwege der Hinweis auf die Benjamin-Blümchen-Erotik).

Vom Casting her wäre gutzuhalten, dass die beiden Protagonisten Jennik Schümann und Luna Wedler die Anforderungen an ein Teenie-Idol möglicherweise erfüllen; dass aber zwischen den beiden grad so gar keine Erotik aufkommt; was wiederum auch an Drehbuch und Regie liegt; sie tun halt nur so als ob. Wobei mir die Besetzung von Schümann insofern problematisch erscheint, als er unglaubliche Gewalt von seinem Vater erduldet haben muss laut Buch; dazu ist er aber viel zu sehr gefälliger Locken-Grinse-Boy ohne Tiefe, ohne Geheimnis.

Wie schon in anderen neuen deutschen Filmen scheint hier einmal mehr die krampfhafte Suche nach einem jungen Kinotraumpaar nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Weil auch alles so arg biedermeierhaft daherkommt, das kommt hinzu.

Schnulze oder Kitsch kann der Film genannt werden, weil alle gravierenden Informationen nur erzählt werden, wie beispielsweise die grauenhafte Kindheit von Danny; die somit zum reinen Rühr- und Mitleidsformat verkommt.

Dann der erhobene Gesundheitszeigefinger: in eigens eingerichteten Szenen wird das Thema Verhütung und Schutz mittels Kondom vorgeführt, man fühlt sich in einem Gesundheitsaufklärungsfilm, was selbstredend jede Romantik killt.

Vollkommen überflüssig ist die viel zu lange Amerikasequenz am Schluss – ohne Charme und ohne jede Inspiration; hier scheint es nur darum gegangen zu sein, auf Kosten der Zwangsgebührenzahler, die den Film über diverse Filmförderungen mitfinanzieren, einen Amerikatrip zu machen, der weder bildnerisch noch erzählerisch überzeugt. Da hätte auf Greenscreen ein nicht minder missverständlicherer Abgang und Schluss erzeugt werden können. Also auch noch Verschleuderung von Zwangsgebührengeldern.

Hinzu kommt der Hochmut des Subventionstümpels in den Credits: Frederik Lau verlangt – oder seine Agentur – eine Sondererwähnung für seinen Auftritt als Kickbox-Trainer, der im Umfeld der mäßig überzeugenden Schauspielerleistungen auch nicht aus dem Rahmen fällt.

Verwunderlich ist auch, dass die Model-Karriere von Danny plötzlich der Kickbox-Karriere weicht. Ohne jede Begründung. Das Modeln verschwindet einfach aus dem Film. Was gutes, starkes Kino ist, das abhebt, werden die Teens, die möglicherweise hier ihre viel zu alten Doubles anschauen wollen, nicht lernen. Deutsches Muttchen, Jessica: sie verlangt von Danny, dass er ihr ordentlich ein Date vorschlage. Übelkeit verursachen kann der drüber oder drunter gelegt Kaufhaus-Glücksgefühl-Musikmix-Sound, der den Kunden, also den Zuschauer, dusselig machen, dessen Verstand einlullen soll.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Datschenkino.

Aus der Datsche für die Datsche ausgedacht. Am Computer erfunden, schwer sprechbare Relativ-Sätze (das zeigt sich bei mancher Artikulation, die in Sprechartistik ausartet). Keine Untersuchung der Realität drum herum.

Ausgedacht, um an einem Ort auf dem Land, der einer Sommerfrische gleichkommt, wie in einem Sommercamp, gedreht zu werden. Alles im Griff zu haben zu glauben, die Welt, die Menschen, das Kino. Nur ist dem nicht so. Aber das hat Tom Sommerlatte schon in seinem vorigen Film gezeigt Im Sommer wohnt er unten.

Da hatte er mit dem Dreh in Frankreich noch Sehnsucht nach Kinokultur signalisiert. Gut, das tut er jetzt in Deutschland auch. Diesmal ist die Sehnsuchtsreferenz der Wilde Westen. Franz (Sebastian Fräsdorf) und seine Schwester Lilly (Karin Hanczewski; jeder ihrer Sätze tönt gleich, als ob sie eine Synchronrolle spreche) betreiben die Rinderzucht ihres halbgelähmten Vaters Heinz (Wolfgang Packhäuser mit imposant weißem Haar).

Filmisch bedeutet das, dass sie im Heu rumtoben, mit der Sprinkleranlage Blödsinn treiben, als ob es sich um einen Landurlaub handle. Franz sieht man ständig mit frischen weißen T-Shirts (dafür gibt es immerhin den Wäscheleinen-Beweis), sitzt vor allem auf dem Pferd (zu dem er keine Beziehung hat; da tätschelt seine Schwester nach einem Ritt wenigstens ihr Ross); aber ein Rind auch nur anrühren sieht man ihn nicht ein einziges Mal, die scheinen ihn überhaupt nicht zu interessieren, nur einmal schlägt er tief im Hintergrund von einem Pferchgitter aus auf die Rinder ein.

Das heißt, die Glaubwürdigkeit der Rinderzucht ist im Eimer, darauf aber beruht das Drehbuch. Somit entpuppt auch dieses sich als nette akademische Idee ohne Fundierung. Typisch Datschenfilm: es wird über Gemüse geredet, über den Hofladen, Besuch kommt, die abgehauene Mutter mit ihrem Mann; Lilly verliebt sich in einen Typen, Franz wird eifersüchtig. Alles ausgedacht. Aber keiner hat sich mal überlegt, wie denn der Tagesablauf eines Rinderzüchter ausschaut, und dass der ständig was zu tun hat. Und garantiert keine Zeit für akademische Sätze.

Unglaubwürdig genau wie die Geschichte mit dem Gemüsegarten und dem Parkplatz. Vor dem Haus ist unendlich viel Platz. Da will die Mutter einen Gemüsegarten anlegen. Der Sohn, den sie Schatz nennt, wendet ein, das sei doch der Parkplatz. Aber es ist soviel Platz, dass auch neben dem Gemüsegarten genügend SUVs abgestellt werden können. Glaubwürdigkeitsproblem.

Gut, wird der Filmemacher einwenden, er wolle ja nicht dokumentarisch einen Rinderzuchtbetrieb schildern, ihn würden die kaputten menschlichen Verhältnisse interessieren. Nur sind menschliche Verhältnisse glaubwürdig auch nur aufzuschlüsseln, wenn sie (generell) in einen sozialen, wirtschaftlichen Ablauf eingebunden sind. Das fällt hier flach.

So entsteht der Eindruck, ein paar alberne, allzu oft und allzu gern lachbereite Akteure machen sich einen Spaß draus, das Rinderzüchtertum zu veräppeln. Oder was will uns der Filmemacher sonst noch erzählen? Die kaputte Familie heißt Lennertz. Oder ist die Jugendfreizeit-Romantik-Sommercamp-Sehnsucht mit dem Filmemacher durchgebrannt? Sommerfrischekino als privates Verlustiervergnügen.

Und wieder sieht man Sommerlatte und sein Team in schöner Sommerdatsche, diesmal einer Rinderzucht, wie sie Zwangssubventionsgelder verbrennen, ohne einen tauglichen Gegenwert dafür zu liefern, außer sperriger Sätze, wobei die eine oder andere Pointe abfällt; das ist zu wenig.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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