Ehrbares Mauer(blümchen)kino.

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls kommt eine Flut von Einheitsfilmen ins Kino (Fritzi, Deutschstunde, Im Niemandsland).

Dieser Film von Norbert Lechner (Ente gut, Tom und Hacke) möchte besonders akkurat sein nach einem Drehbuch von Susanne Fülscher nach dem Roman von Katja Hildebrand.

Erst überschüttet uns die Protagonistin und Ich-Erzählerin Anna (Lea Freund changiert zwischen Lächeln und Heulen) mit einem Voice-Over-Wortschwall, dem es gelingt, jedlich Spannung aus der Geschichte zum Vornherein zu entfernen.

Der Film spielt 1986. Anna fährt mit einer kirchlichen Gruppe aus dem Westen zu einer Begegnung mit einer kirchlichen Gruppe nach Ostberlin. Dort lernt sie den Pastorensohn Philipp (Tim Bülow) kennen. Norbert Lechner inszeniert das etwas linkisch, Anna fällt förmlich der Unterkiefer runter, während die viel diskretere Liebe auf den ersten Blick im Hintergrund zwischen dem Westler und einem junge Ostler spannender wirkt. Das ist von Nachteil für die so offensichtlich und ganz ohne Geheimnis und Erotik inszenierte Begegnung zwischen Ana und Philip, die seltsam unerotisch und uninspiriert bleibt. Das mag damit zusammenhängen, dass für die Darstellerin offenbar gilt, dass schauspielen gleich lächeln oder heulen, alle Gefühle abrufbereit zu haben und der immer gleich entschiedene Gang und die verschränkten Arme (Posen) bedeutet und auf gar keinen Fall „sein“ oder „wahrnehmen“, „empfinden“. Das ist schade und verleiht dem Film so einen biederen, aber auch ehrlich gemeinten Anstrich.

Der Gedanke ist nicht abwegig, dass auch dieser Mauerfilm die neuen Generationen über die Zeit der Trennung im Lande aufklären, informieren will, über barsche Grenzkontrollen, Überwachung, Wachtürme, Todesstreifen. Weshalb er sich am ehesten für Schulen empfehlen dürfte.

Während ein Publikum, das im aktuellen Kinoprogramm das Weltkino verfolgt, doch Maßstäbe anlegen dürfte, denen so ein Film nie und nimmer genügen kann.

Auch hier misslingt einmal mehr der Versuch des deutschen Subventionskinos, ein Kinotraumpaar zu etablieren, weil grad so gar nichts knistert zwischen den beiden, weil auch viel zu unklar ist, ob er sich um ein weiteres, x-beliebiges Liebesverhältnis handelt, so abgebrüht sehen sie aus, oder ob es doch mehr ist. Es wirkt so, als spielten die uns Liebe vor, statt dass sie gemeinsam ihre Liebe entdecken. Es wirkt wie eine eiskalt schauspielerisch abgelieferte Liebe.

Die Dramatisierung der Literaturvorlage erscheint breitbeinig wie im Entenwatschelgang („Anna, hast du wirklich keine Lust auf Pizza?“ – = TV-Biederdialoge). Deutsche TV-Subventionsware.
Melancholische Musik: Ich hatt‘ einen Kameraden?

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers, der sich nicht ernst genommen fühlt!

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