Arm/Reich/Unversöhnlich.

Wir haben Dinge immer wieder dahin zurückgestellt, wo wir sie her hatten. Wir leben für uns und haben keinen Streit mit niemandem. So und ähnlich lautet die Selbstdarstellung der 19-jährigen Merricat (Taissa Farmiga). Sie lebt zurückgezogen mit ihrer Schwester Constance (Alexandra Daddario) und ihrem Onkel Julian (Crispin Glover) auf dem Familienschloss der Blackwoods, das außerhalb eines britischen Dorfes gelegen ist.

Merricat ist die verschlossene, strenge, verstört wirkende der beiden Schwestern, sie hat einen Gang, als ob die Füße aus Holz seien, der auf einen inneren Automatismus – oder Abwehrmechanismus schließen lässt, sie beschäftigt sich mit Zaubersprüchen (auch im Sinne der Abwehr) und kennt sich mit Giften extrem gut aus, während Constance die sinnliche, offenere ist, das zeigt sich auch an den Kleidungen (Mode der 50er Jahre).

Onkel Julien ist der Bruder des verstorbenen Vaters, er sitzt im Rollstuhl und versucht eine Familiengeschichte der Blackwoods zu schreiben. Nur Merricat verlässt das Anwesen einmal die Woche, das ist dienstags, für die Einkäufe marschiert sie ins Dorf. Das ist für sie ein Spießrutenlaufen, denn die Blackwoods sind nicht beliebt bei den Dörflern.

Constance verlässt das Anwesen gar nicht (das würde sich nur lohnen, wenn man nach Amerika führe, meinte der Vater). Sie hatte eine dem Vater nicht genehme Affäre mit einem Dorfjungen; worauf dieser Job, Geliebte und Auto verlor; das demonstriert die Macht der Blackwoods.

Die drei Personen leben ein ruhiges, wohlaustariertes Leben in ihrem „Castle“ mit großem Umschwung; das Vermögen liegt in bar in einem Tresor im Schloss. Die Eltern der beiden Schwestern sind umgebracht worden, vergiftet; die Schwestern kamen kurzfristig laut Schlagzeilen der Zeitungen in Verdacht, aber mehr offenbar nicht.

So schwebt ein ungelöstes Geheimis über dem Dreierhaushalt in einer Atmosphäre, die Stacie Passon nach dem stimmigen Drehbuch von Mark Kruger nach dem Roman von Shirley Jackson sowohl mit exquisiter und ebenso exquisit beleuchteter Ausstattung als auch mit exzellenter Schauspielerführung auf die Leinwand bringt.

In dieses morbid-skurrile Schlossbiotop dringt Neffe Charles (Sebastina Stan) ein. Er ist der Sohn des Bruders des Vaters der beiden Töchter; er ist ein rein materialistischer Typ, der nicht begreifen kann, wie Merricat Silbermünzen, Uhren und andere Wertsachen einfach im Boden vergräbt. Er verführt Schwester Constance. Er setzt Entwicklungen in Gang, die sich dramatisch steigern, die Merricat in ihrem Text beschreibt, der zwei Wochen vor dem Heute beginnt, „letzten Dienstag“ … und die Tonspur, teils mit Schlagerschnulzen, gibt die nicht ganz tragisch-ernste Erzählposition vor, die noch durch den Ernst der Darstellung gewinnt.

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