Wie von Sinnen wanzt sich die Kamera in diesem Film von Guy Nattiv an alles ran, was ihr irgendwie skandalisierbar scheint, insbesonder die Nazi-Tattoos auf der titelgebenden Skin (Haut). Diese gehört Bryon Widner (Jamie Bell) und ist über und über übersät mit den übelsten Nazisymbolen und Zahlen, denn Bryon ist ein fanatischer Anhänger der White-Supremacy-Bewegung in der sektiererischen Gruppe „Vinlander’s Social Club“. Wobei nichts über die Beweggründe von Bryon zu erfahren ist, warum er sich hier aufgehoben fühlt. (Eher in die Richtung zeigt The Believer – Inside a Skinhead)

Der Film beginnt allerdings später, er beginnt mit der Enttättowierung von Bryon, einer äußerst schmerzhaften Behandlung über 612 Sitzungen. Insofern ist von Anfang an klar, was Guy Nattiv erzählen will: die Geschichte einer Bekehrung eines Neonazi/Nationalisten/Rassisten, was eh schon ein Wunder ist, dass sowas offenbar passiert und es geschieht nicht ohne die tätige Mithilfe des FBI sowie einer anonymen Sponsorin, die die Enttätowierungstortur bezahlt.

Anlass für die Gesinnungsrevision ist die Liebe von Bryon zu Julie (Danielle Macdonald) einer pummeligen Mutter von drei Töchtern, die für Geld – und nur des Geldes wegen – mit ihren musikalischen Mädels bei nordischen Festen der Rechtsradikalen mit Musik- und Gesangsnummern auftritt (hier wäre ein Hinweis auf Midsommar angebracht, wo solche Auftritte allen Ernstes vielleicht zwei Drittel des Filmes füllen).

Auch die Entstehung dieser Liebe wird weniger subjektiv nachvollziehbar als mehr pro forma – oder der Vollständigkeit halber – nacherzählt. Denn wichtiger scheint dem Film die massive Moralkeule, selbstverständlich von der korrekten Seite her, mit der aufgezeigt werden soll, dass eine Abkehr von Nationalismus/Irrationalismus/Neofaschismus möglich sei. Wenn da nicht mal der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

Wobei der Film sich auf eine Originalgeschichte beruft mit Originalfotos des Protagonisten und des FBI-Führungsoffiziers und dabei wird auch deutlich gemacht, dass es offenbar eine ganze Anzahl von Überwechslern gebe. Der Film will zeigen, wie „menschlicher Abfall“ in „menschliche Wesen“ verwandelt wird und das leistet er mit einer Überdosis Moralin.

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