Gedächtnissport.

Gedächtnis-Sport ist inzwischen eine Sportart wie viele andere auch: international, mit jeder Menge Disziplinen, nationale Meisterschaften, Weltmeisterschaften, geschmacklose Pokale, medienwirksame Organisation, medienwirksamer Tross, Sponsoren, Publikum und Stars – ein Geschäftsmodell.

Einige der Gedächtnis-Stars sind die Protagonisten in dieser tv-magazinhaften Dokumentation von Janet Tobias und Claus Wehlisch. Sie stammen aus Deutschland, der Mongolei, aus Amerika und aus Asien.

Höhepunkt und Finale der Doku ist die Weltmeisterschaft in Indonesien 2017.

Der Film berichtet von Vorbereitungen, vom Höhentraining am Himalaya, von medizinischen Untersuchungen, vor allem versucht er dem Zuschauer die Technik des Sich-Schnell-Merkens von Zahlenreihen oder der Abfolge von Bildern oder Spielkarten verständlich zu machen.

Der Gedächtnissportler benutzt dazu Geschichten. Im Film werden sie in der Art von Viedogames visualisiert, wie bestimmte Bilder bestimmte Zahlen symbolisieren. Zu erfahren ist auch, dass Training absolut dazu gehört.

Einer der Protagonisten erzählt, dass er für eine bestimmte Disziplin anfangs 10 Minuten gebraucht hat, es inzwischen in 30 Sekunden schafft.

Es ist eine der seltenen Sportarten, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt sind, wobei eine deutliche Männerdominanz festzustellen ist.

Und wie es bei Medien-Stars heutzutage ist, sie wollen ihre Namen und Erfolge monetarisieren – aber nicht alle Wettbewerbe haben Preisgelder.

Einer, der vierfacher Weltmeister war, hat sich für Indonesien nicht genügend vorbereitet. Er überlegt, dass ihm ein weiterer Titel nichts mehr bringt. Denn längst ist er ausgelastet mit dem Verbreiten seiner Gedächtnisphilosophie und seiner Gedächtnistrainingsmethode, mit Fernseh- und Youtube-Auftritten. Gedächtnis ist offenbar eine begehrte Sache, ein gut trainiertes noch mehr.

Wobei die Frage von Identität, die sich ja auch durch Gedächtnis herstellt, eher randständig behandelt wird, wie das Gedächtnis selektiv arbeitet und ob es vielleicht besser ist, wenn der Mensch nicht alles stets präsent habe, sich nicht alles merken kann, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

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