Archiv für Oktober 2019

Offenbarungen. Halloween-Offenbarungen eines Geisterhauses in Illinois. Ein Capverder entdeckt die Capverden – und mehr. Wenn Porträts Geschichten erzählen. Wenn Schaudergeschichten selbst die Regie übernehmen. Und wie kann das Unsichtbare sich offenbaren? Negative Offenbarungen auf einer Queer-Insel. Keine Offenbarung zwar, aber Lüften von Geheimnissen aus dem Subventionsland. Religiöse Erhellungen in der Schweiz. Auf DVD schlagen Pubertierende in Lateinamerika masslos über die Stränge und in Bayern geben sich Alpgeister zu erkennen. Das TV porträtiert eine populäre bayerische Politikerin und versucht es im WEB mit einem „innovativen Format“ – letzteres das Gegenteil einer Offenbarung.

Kino
HALLOWEEN HAUNT
Das gehört zum Genre: aus Spaß wird blutiger Ernst.

DJON AFRICA
Roadmovie in die Herkunft; hilft zur Zukunft.

PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN
Porträtverweigerung eine jungen Dame.

SCARY STORIES TO TELL IN THE DARK
Hier fängt das Buch plötzlich an, die Geschichte zu schreiben.

INVISIBLE SUE
Die Unsichtbarkeit ist materiell, gewichtiger in ihre Symbolhaftigkeit.

LAST FERRY
Soapig-Affäriges aus Schwulenparadies.

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS
Selbst in der darniederliegenden Filmkultur Deutschlands entwickeln sich ein paar ordentlich anschaubare Stars.

ZWINGLI – DER REFORMATOR
Blockbusteritis aus der Schweiz.

DVD
WILD BOYS
Pubertätsexzesse in Lateinamerika.

ALPGEISTER
Es gibt sie immer noch – und die ein Geschäft mit ihnen machen.

TV
LEBENSLINIEN: BARBARA STAMM – DIREKT, BODENSTÄNDIG, FRÄNKISCH
Eine Politikerin, der eine Fernsehsendung nichts anhaben kann.

TV im WEB
HELENA. DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
In ihrer Verzweiflung über rapide sinkende Quoten versuchen die Öffentlich-Rechtlichen im Internet und in der Mediathek nach Klicks zu fischen – das ist wie im Dunkeln tapsen.

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Sumpfblüten.

Das ist nicht despektierlich gemeint. Der Film von Bora Dagtekin, der in den Credits als alleiniger Autor erscheint, ist ein Remake, das 17. oder 18.?, des italienischen Erfolgsfilmes „Perfetti Sconosciuti“ von Paolo Genovese. Er bringt einige Stars des deutschen subventionierten Filmes zusammen, die trotz aller Widrigkeiten der notleidenden Filmkultur, des Pfründensumpfes und der Abhängigkeit vom Zwangsgebührenfernsehen Profil und Persönlichkeit entwickeln: Elyas M‘ Barek, Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Jella Haase, Jessica Schwarz, Frederick Lau und Wotan Wilke Möhring.

Diese Sumpfblüten spielen mit enormem Spaß auf. Fast zu viel Spaß, wie das Szenenverlach-Footage im Abspann zeigt; das ist oft bei einer Komödie etwas problematisch, wenn die Macher sagen, wir hoffen, dass das Publikum beim Schauen genau so viel Spaß hat, wie wir beim Drehen. Das als kleiner Einwand, denn Komödie ist eine ernste Angelegenheit.

Der größere Einwand wäre der, dass zu einem Film wie Der Gott des Gemetzels noch Meilen liegen, die Meilen zwischen dem deutschen Provinzkino und dem Weltkino.

Nichtsdestotrotz ist es ein Film fürs Publikum. Die Geheimnisse in Paarbeziehungen werden bei einer Einladung von drei Paaren und einem Single schonungslos offengelegt mit einem dramaturgisch eher billigen Trick, der verhindert, dass der Abend eine richtig spannende Geschichte wird: alle Anwesenden sollen ihre Mobiltelefone auf den Tisch legen und wenn es irgendwo piepst, dann muss abgenommen oder vorgelesen und der Lautsprecher auf laut gestellt werden und alle Geheimnisse, von denen es genügend gibt, kommen auf den Tisch.

Eine gewisse dramatische Steigerung ergibt sich aus dem Fakt, dass zwei der Anwesenden aus Angst vor Entdeckung die Handys tauschen und sie somit eine bewährte Art von Verwechslungkomödie entwickeln.

Das Drehbuch allerdings schlingert mit seinem Interesse, das mal mehr auf dem einen Paar, dann wieder mehr auf die Verwechslungskomödie fixiert bleibt.

Im Vergleich zum Fack ju Göhte–Zyklus vom selben Autor wird deutlich, dass Beziehungskomödie offenbar schwieriger zu schreiben und zu inszenieren ist als Cultur-Clash-Komödie.

Was den Realismus, also die Glaubwürdigkeit des Essens anlangt, so kann man froh sein, nicht daran teilgenommen zu haben. Aber die Darsteller sind durchgehend erstklassig geschminkt. Die vielen Gläser auf dem Tisch – und erst recht die Albereien, die sich die Gäste leisten – dürften die Continuity-Abteilung zur Verzweiflung gebracht haben. Die viel zu vielen Close-Ups verleihen dem Film eine gewisse Enge.

Bei allem Spaß, den die Darsteller bei der Produktion gehabt haben und von dem durchaus einiges aufs Publikum übergreifen dürfte, sollten sie nicht vergessen: sie haben in so einer Produktion sehr gute Gagen; die sind teils mit Zwangsgebühren finanziert. Diese werden auch von vielen einkommensschwachen Haushalten aufgebracht, für die 17.50 Euro monatlich abzuknapsen ein richtiger Kraftakt ist und die sich einen Kinoeintritt grad gar nicht leisten können, vergesst das nicht, wenn Ihr Euern nächsten Champagner kippt!

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Helvetische Blockbusteritis.

Große Schweizer Kinoambition. Irgendwo habe ich gelesen, dies sei einer der teuersten Schweizer Filme überhaupt. Für Schweizer Verhältnisse ein Monumentalfilm, gewidmet einem der bekanntesten Schweizer Helden, dem Reformator Ulrich (Huldrych) Zwingli. Er war eine Schweizer Parallelfigur zum Deutschen Luther.

Das machen die Schweizer auch recht ordentlich: die Unterscheidung zwischen der katholischen Kirche und den Neuerungen, die Zwingli fordert oder auch durchsetzt anhand der Themen: Zölibat (woran die katholische Kirche heute noch kaut, dazu gibt es auch die einzige Pointe, die auf heute einen Bezug hat, indem einer sagt, das würde auch in 500 Jahren noch Bestand haben und tatsächlich beißt sich daran die katholische Kirche immer noch die Zähne aus), Gottesdienst in deutscher Sprache, Bibelübersetzung ins Deutsche, Bildung für alle, Rückgabe der Klöster an die Allgemeinheit und damit Finanzierung von Bildung, Gesundheit und Maßnahmen gegen die Armut, die Kirche von Bildern säubern (Bildersturm), kein Fleisch essen am Freitag. Der Gegensatz zwischen katholischem Prunk und zwinglianischer Nüchternheit.

Diese Themen kommen im Film von Stefan Haupt, der als Ko-Autor mit Simone Schmid auch das Drehbuch geschrieben hat, klar und gut rüber wie in einem illustrierten Volkshochschulkurs; damit können die vielfältigen Geldgeber besonders aus den evangelischen Landeskirchen der Schweiz bestimmt sehr gut leben.

Wobei einzuwenden wäre, dass der Eindruck entsteht, der Film wende sich an eine eher rückständige, ungebildete, bäuerische Klientel; er wolle eher die Zeitgenossen von Zwingli ansprechen als die heutigen; oder diese allenfalls im Sinne einer reformationsinformativen Lektion zum Füllen eventueller Bildungslücken.

Vom Kinematographischen her gibt es Einwände. Der Film wirkt von seinem Großanspruch her wie ein Anzug der nicht richtig sitzt, der hier ein bisschen lottert, dort etwas zu lang, da etwas zu kurz ist. Er ist nicht Fisch nicht Fleisch, nicht Maßanzug noch Konfektion, nicht eigenschwyzerisch (wie „Der Unschuldige“, der am 14. November hier ins Kino kommt), ist aber weit vom Kaliber eines Blockbusters entfernt. Dazu fehlt ihm der Überbau, fehlt ihm der Bogen.

Auch hier kann demnächst ein Vergleich gezogen werden, wie ein Paul Schrader ein Biopic gestaltet, wenn die restaurierte Fassung von „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ Ende November wieder ins Kino kommt. Wie Schrader geschickt eine filmische Geschichte daraus macht, während wir es hier eher mit einem losen Kalenderblattbogen zu tun haben.

Es hätte schon viel geholfen, am Anfang des Filmes kurz den Rahmen zu skizzieren, innerhalb dessen Zwingli agiert. Aber nein, die Schweizer glauben, ihren Nationalhelden kennen alle und da bedürfe es keiner Einrahmung. Die fehlt auch en détail.

Der Film spielt praktisch in engen Einzelszenen, die alle in wenigen Züricher Gassen- oder Innenräumen stattfinden, es fehlt der Bogen, es fehlt die Weite, es fehlt der cineastische Atem. Alles, was außerhalb passiert wird fast ausschließlich per Brief oder per Boten ins Spiel gebracht, das wie eine Bühne wirkt, wobei der saloppe Chor zu aufgeregt und zu gleichmäßig geführt wird.

Auch vom Drehbuch her wirken manche Szenen zu ausgewalzt, als ginge es darum, ein Requisit, ein Kostüm, einen Innenraum – in welche bestimmt viel Energie gesteckt worden ist – zur Wirkung kommen zu lassen, auf Kosten der Geschichte und damit des Erfolgs des Filmes. Dabei wäre doch das Thema der Erneuerung ein andauernd akutes auch für heute, auch weit über die Schweiz hinaus. Davon ist hier nichts zu spüren.

Schauspielerisch ragt der Maximilian Simonischek als Ulrich Zwingli weit hervor; wobei unerklärlich bleibt, wieso der schmierige Leo (Anatole Taubmann) sein Freund sein soll, dem man zutraut, dass er ihn in jedem Moment verrät; das liegt aber auch am Drehbuch, das alle anderen Figuren nebensächlich lieblos abhakt – lediglich zu Illustrationszwecken der erwähnten Differenz zwischen alter Kirche und der zu erneuernden, weil man offenbar, wie die Filmkrankheit der Deutschen, einen Themenfilm machen wollte. Selbst für diese Intention wäre ein schlankeres Drehbuch wünschenswert gewesen.

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Perfektes Halloween-Vergnügen.

Der Film von André Ovredal nach dem Drehbuch von Dan und Kevin Hagemann nach dem Roman von Alvin Schwartz fängt storyphilosophisch an. Die Protagonistin Stella (Zoe Margaret Colletti) denkt über das Geschichtenerzählen nach, dass Geschichten heilen, aber auch wehtun können, dass sie immer wieder erzählt werden müssen und dass sie auf diese Art eines Tages Realität werden.

Der Film allerdings ist hinterlistiger. Er spielt 1968 in Mill Valley, Pennsylvania, wohl nicht verwandt oder verschwägert mit Transsilvanien. Denn hier ist der Horror anderer Art. Halloween. Die Freunde von Stella verkleiden sich geschickt, der Pierrot im weißen Kleid, Auggie (Gabriel Rush) und eher ungeschickt, der dickliche Chuck (Austin Zajur) als Möchtegern-Spiderman. Zu ihnen gesellt sich Ramón Morales (Michael Garza); er ist der einzige Filmschönling und Hispanic dazu, ohne Wohnung möchte er hier studieren.

Sie werden blöd angemacht von anderen Jungs. Es kommt zu einem Zwischenfall im Autokino. Hier stoßen Stella, Chuck und Auggie zu Ramón in die schöne Blechkiste. Sie werden aus Gaudi und des Kribbelns willen ein leer stehendes Gebäude betreten. Da fängt der Horror allmählich an. Es ist einer von der Sorte, dass sich das Prinzip des Geschichtenerzählens verselbständigt.

Es gibt eine geheimnisvolle Geschichtenerzählerin. Die war als Kind allein in dieses Haus gesperrt. Sarah (Kathleen Pollard) hat sie geheißen und wie es die Ambition auch von Stella ist, Geschichten geschrieben. Aber sie ist noch nicht fertig, zum Beispiel die Geschichte mit der Vogelscheuche im Maisfeld, die weit mehr ist als nur exzellenter Horror-Ausstattungsstandard. Es wird das Prinzip aktiviert, dass sowohl die Darsteller der Story als auch der Zuschauer sieht und weiß, wie die Geschichte sich entwickeln wird, er ihr aber – offenbar – machtlos ausgeliefert ist – wenn nicht den Autoren von Roman und Drehbuch nicht noch was einfällt.

Zur Kommunikation benutzen die gefährdeten Kids Riesendinger von Walkie-Talkies. Die brauchen sie auch, denn Helloween ist zwar längst vorbei, aber die Geschichte nicht.

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Hier bin ich mir unschlüssig, ob dieser Film von Céline Sciamma (Mein Leben als Zucchini) mehr ist als nur großartige leinwandoberflächige Selbstzweckskunst, gewidmet dem Porträt, wie der Titel sagt.

Um das Porträt einer jungen Frau in Flammen inszeniert Céline Sciamma die Geschichte der Malerin Marianne (Noémie Merlant). Sie erhält einen ungewöhnlichen Auftrag. Auf einer nur mit dem Ruderboot erreichbaren Insel soll sie Héloise (Adèle Haenel) im Auftrag ihrer Mutter, einer Herzogin (Valeria Golino), malen. Das Problem dabei ist, dass die hier zurückgezogen lebende Héloise (es ist ein Herrschaftshaus mit kaum Personal, gerade mal Sophie (Luàna Bajrami) tritt noch in Erscheinung und wird das Thema Abtreibung durch Unkundige in den Film tragen), sich nicht malen lassen will.

Sciamma schildert dieses beschauliche Insel-Herrschaftshausleben in einzigartiger Intérieur-Malerei ähnlich den Vermeer-Bildformaten, jedes Bild ein Gemälde, Frauen von ausgesuchter Schönheit, die mit kompromisslosem Ernst spielen.

Das Gemälde soll Héloise für einen Italiener attraktiv machen, den zu heiraten sie ausersehen ist. Die Malerin und ihr Modell freunden sich auf Spaziergängen über die Insel und zum Strand an. Es ist auch ein Austausch über Gefühle. Und es ist der Vorwand für die Malerin, ihr Modell zu studieren und kennenzulernen, um sie anschließend aus dem Gedächtnis zu malen.

Und da auf der Insel keine Männer und auch sonst keine Abwechslungen sind, kann es nicht ausbleiben, dass die beiden Frauen sich auch physisch näher kommen, nachdem der erste Porträt-Versuch gescheitert und einem selbstzerstörerischen Akt der Malerin zum Opfer gefallen ist; nachdem kunstphilosphische Fragestellungen den Film zum Thema Porträt durchwehten.

Nach der Halbzeit wird die Malerei iridischer. Sophie hat schon seit drei Mal die Regel nicht mehr. Das hat grausame Abtreibungspraktiken zur Folge. Durch das Mittel der Zeitverknappung, die Herzogin gibt der Malerin noch eine Frist von 5 Tagen, bahnt sich die rein irdische, lesbische Liebe ihren Weg (während im ersten Teil die Spannung auf der Zügelung der Sinnlicheit beruhte), aber auch der drohende Abschied von Porträt und Freundin türmt sich als schweres Hindernis auf.

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Joseph (Ramon O. Torres) ist Anwalt in New York, lebt allein, ist schwul. Er sucht eine Beziehung; er scheint noch nicht versaut und zu seiner Mutter ein gutes, vertrautes Verhältnis zu haben. Er nutzt freie Tage, um nach Fire Island zu fahren, er setzt mit dem Fire Island Express rüber.

Schon auf dem Schiff erlebt er die ersten unzweideutigen Anmachen. Er reagiert reserviert. Fire Island ist ein queeres Paradies mit Sandstränden, Buschwerk, Bungalows. Aber es ist noch nicht Saison. Trotzdem wird er schnell schon angesprochen. Er bekommt von dem Typen ein Getränk und die beiden verschwinden im Gebüsch. Ausgeraubt wacht Joseph in einem Bungalow auf, wo er vom netten Cameron (Sheldon Best) aufgenommen wird.

In dem Haus nähe Strand ist eine ganze Gruppe Schwuler untergebracht. Zu Cameron entwickelt sich eine freundschaftliche Sex-Beziehung, wobei Joseph auf Kondom besteht. Auch Rafael (Myles Clohessy) ist einer der Männer im Bungalow.

Jaki Bradley inszeniert nach dem Drehbuch von Ramon O. Torres einen Affärenfilm, einen schwulen Krimi, das Gemälde eines düsteren Queer-Paradieses mit Misstrauen, Lügen, Vorurteilen, Missverständnissen, verbrecherischen Taten, Horrorelementen, drugged and mugged, teils auch in der Art einer Soap-Story mit vielen nackten Männeroberkörpern, wurzel- und astreichem Cruising-Unterholz, Stege, Sand und Meer. Eine schwule Rom-Com mit dunklen Untertönen.

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Man möchte kaum glauben, dass man in einem deutschen subventionierten Film ist. So geschmeidig, fantasievoll und mit exquisiter Comic-Aesthetik führt Markus Dietrich, der Autor und Regisseur dieses Filmes, seine Hauptfigur Sue Hartmann (Ruby M. Lichtenberg) ein als ein Mensch, sie ist ein Teen, der mit Kapuzenpullover rumläuft und der von seiner Umgebung einfach nicht wahrgenommen wird. Eine nicht existente Figur.

Wogegen die anderen Mädels vom Schulhof sich aufführen, sich schminken, blondieren, rougieren und ein lautes Maul und Auftreten haben. Bei Sue spiegelt sich in der Gesellschaft, also in der Schule, nur das, was von zuhause vorgegeben ist. Ihre Mutter Maria (Victoria Meyer) ist eine überehrgeizige Wissenschaftlerin; der Forschung ordnet sie alles unter – wobei nicht explizit angesprochen ist, dass Frauen in Karrierejobs offenbar immer noch deutlich mehr leisten müssen als Männer in gleicher Position, um bestehen zu können.

Opfer ist jedenfalls die Tochter. Zusammen mit ihrem Vater Christoph (Luc Schlitz) bereitet sie für die Mutter eine gutgemeinte Geburtstagsüberraschung vor mit unangenehmen Folgen und einer Explosion in ihrem Labor. Dadurch kommt Sue mit einem hochgefährlichen Stoff in Berührung, der die Eigenschaft hat, dass sie sich, ausgelöst durch Temperaturunterschiede zum Beispiel beim Händewaschen, unsichtbar machen kann.

Der Film zeigt das mit plausibilisierenden Animationen. Durch ihr Außenseitertum freundet sich Sue mit dem Neuzuzügler Tobi (Lui Eckhart) an und mit Kaya (Anna Shirin Habedank), die ebenfalls außenseiterisch, ein Zauberstudio betreibt.

Durch den Laborunfall wird der Industriegigant DEC auf die Forschungen aufmerksam und scharf auf das Blut von Sue. Es entwickelt sich ein konventioneller Thriller, bei dem Sue, Kaya und Tobi zu einer haltbaren Freundschaft finden, wodurch sie sichtbar werden, was aber meines Erachtens nullkommaplötzlich mit Eintreten der Krimisituation passiert und nicht als Entwicklungprozess nachvollziehbar dargestellt wird.

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Das Prinzip von solchen Geisterbahn-Horrorfilmen ist, dass aus Spaß blutiger Ernst wird, dass mit gewissen Verlusten beim darstellerischen Personal gerechnet werden muss. Dabei leidet der visuelle Spaß keinesfalls, denn es werden Darsteller ausgewählt und so inszeniert, dass ihr Verlust dem Zuschauer keine Magenschmerzen bereitet.

Hier im Film von Scott Beck und Bryan Woods überzeugt in erster Linie das Optische, die Lichtsetzung, der schnelle Schnitt, der schnelle Wechsel von einem Horrorsujet zum nächsten – und es sind ihrer die vielfätligsten, die hier aufgefahren werden, von der Kettensäge über das Skelett bis zum Selbstschussgewehr und hin zu den Dolls, den maskenhaften Puppen; es ist wie der Gang durch eine spannende Horrorinstallation. Der Zuschauer wird bei der Stange gehalten mit der bangen Frage, wann aus dem Spiel ernst wird und wie.

Die Masken der lebenden Horrordarsteller sind stark, die könnten in einem Museum ausgestellt werden, die Räumlichkeiten sind präsent und gruselig zugleich beleuchtet.

Eine Gruppe junger Leute möchte den Halloween-Abend unterhaltsam und spooky verbringen. Nach einigen nicht befriedigenden Versuchen landen sie im Gespenster-Haus, das offenbar ein Bekannter von ihnen so dekoriert hat. Der Gespensterfetz kann losgehen.

Ein maskierter Clown steht vor der Tür. Es gibt ein Ritual, wie die Kids überhaupt hineinkommen. Bald werden sie sich in zwei Gruppen aufteilen müssen. Es gibt immer auch Wege, wo nur ein Einzelner durchkommt, Gefahr, Gefahr, es gibt menschliche Gespensterdarsteller, ein Labyrinth, ein Wandrätsel mit Löchern, da sollen die Spieler mit der Hand hineingreifen und erraten, um welchen Körperteil es sich handle, den sie ertasten; später wird die andere Seite dieser Wand zu sehen sein.

Ein Ring mit Familiengeschichte spielt eine Rolle, wird verloren, wieder gefunden.

Es kommt wie es kommen muss, aus dem Spiel wird blutige Realität, wobei anfangs Zweifel berechtigt sind, ob fake oder ob ernst. Das ist hier vielleicht spannend, nicht weil es überraschend wäre, sondern weil es filmisch wonnevoll erzählt wird. An einer Stelle kommt sogar die berühmte „smoking Gun“ als Zitat ihrer selbst vor.

Auf Seiten der Glaubwürdigkeit steht, dass der Film nicht nur einen Zeitpunkt hat, Halloween, das wird anfangs kürbishaft glaubwürdig gemacht, sondern auch einen Ort: Carbondale in Illinois Und: hütet Euch vor Spielen, bei denen Ihr vorher die Handys abgeben müsst, das ist nicht zu empfehlen.

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In den Tag hinein.

In natürlichem Erzählfluss und aus einem Guss schildert Joao Miller Guerra, der mit Pedro Pinho auch das Buch geschrieben und mit Filipa Reis die Regie geführt hat, eine Phase aus dem Leben des rundlichen Miguel (Miguel Moreira), eines jungen Capverders, der in Portugal bei seiner Oma lebt und bei ihr aufgewachsen ist.

Miguel verbringt die Tage in Portugal, stromert in der Stadt herum mit einer jungen Frau, sie tricksen im Klamottenladen, er führt sich auffällig auf, während sie unauffällig klaut.

Miguel kennt seinen Vater nicht. Er hat etwas Geld gespart und bucht ein Ticket zu den Capverdischen Inseln. Im Flugzeug wird im Gesprächen mit einer Miteisenden sein Identitätsproblem klar: von den Papieren her ist er Capverder, vom Kreolisch her, das er spricht, ein Ausländer.

Diese Vatersuche wird zum Roadmovie, das eine Mischung aus Sich-Treiben-Lassen mit Zielhaftigkeit ergibt. Denn die Angaben über Miguels Vater sind ungenau. Treiben lassen heißt: er verbringt einen Abend mit Damen in der Disco. Er hat sich für die Reise eine clownhafte Rastafrisur gebastelt. Die Damen nutzen ihn aus. Er trifft bei der weiteren Suche auf einem Boot zu einer Insel eine Alte. Bei der kann er das Modell, „seinen Garten pflegen“ üben: sie hat Ziegen, eine Kuh, etwas Getreideanbau.

Miguel wandert weiter. Das Roadmovie widmet sich vermehrt der unwiderstehlichen Landschaft der Cap Verden. Ein Anruf aus der Heimat ergibt unerwartet der Reise das wahre Ziel.

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Magazinhafte Doku über Alpgeister im Verbund mit Gemeinde-Marketing. Siehe die Review von stefe.

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