Gelobt sei Gott

Wie war das eigentlich früher? Im Mittelalter, all die Zeit, in der es eine streng hierarchisch und zölibatär organisierte katholische Kirche mit einem Augenmerk auf dem Heranziehen der Jugend gab? Gab es da keinen Missbrauch – oder war das einfach normal? Ist Missbrauch ein Phänomen des ausgehenden 20. Jahrhunderts? Oder hat sich die Sensibilität dafür, was Missbrauch ist, entwickelt?

Francois Ozon kann auch Themenfilm. Er hat sich dieses Themas angenommen, wie schwer sich Kirche und Politik damit tun, dass Missbrauch Missbrauch ist und entsprechend geahndet werden muss und nicht vertuscht werden darf.

Auf wahren Begebenheiten beruhend hat Ozon das Drehbuch für diesen Film, der spannend wie ein Thriller ist, geschrieben. Er schildert bedrückend, wie schwer es den Opfern fällt, überhaupt darüber zu reden, auf wie wenig offene Ohren sie stoßen, wie Kirche, Politik und Medien erst gar nichts wissen wollen davon, weil doch die Kirche so eine mächtige Institution sei, wie von mehreren Seiten treuherzig beteuert wird.

Der Film spielt in diesem Jahrzehnt unseres Jahrhunderts und bezieht sich auf Fälle, die gerade so an oder bereits über der Verjährungsgrenze liegen.

Pater Bernard Preynat (Bernard Verley) war und ist pädophil. Faszinierend ist seine Mitarbeiterin Régine Maire (Martine Erhel), die ohne mit der Wimper zu zucken alles weiß und den Schriftverkehr mit ihm regelt, die bei Gesprächen mit ehemaligen Opfern dabei ist und solche Termine organisiert. Sie ist ein Prototyp der Verschweigerin, welcher noch mehrfach zu sehen sein werden und die die Gruppe der Opfer, die sich im Laufe des Filmes bildet, noch speziell ansprechen wird.

Auch der Chef von Preynat, Kardinal Barbarin (Francois Marthouret), ist bestens informiert und behauptet, den Vatikan in Kenntnis gesetzt zu haben.

Die Kette des Verschweigens ist lang. Der erste Fall, der sich als Kläger betätigt, ist Alexandre Guérin (Melvil Poupaud). Das setzt eine Kettenreaktion in Gang, denn kaum einer der Pfadfindergruppe der Lazaristen, die von Preynat in den Sommerferien geleitet wurde, blieb verschont. Nach und nach treten Details an den Tag.

Direkt mit den Vorwürfen konfrontiert, beginnt der Pater sich selbst zu bemitleiden, dass er darunter leide, dass er pädophil sei.

Wie eine Pionierpflanze im Fels bahnt sich die Wahrheit dank der Gruppe „Das gebrochene Schweigen“ den Weg an die Öffentlichkeit. Aber es dürfte noch viel zu tun bleiben, bis der Vatikan endlich auch das unselige Zölibat abschafft, das, was im Film nicht thematisiert wird, mitursächlich für viele Missbrauchsgeschichten sein dürfte.

Die Exposition der Geschichte wird teils voice-over wie ein Briefroman vorgetragen. Der Film spielt überwiegend in Lyon.

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