Downtown Abbey

Crazy Brexitishness.

Pfeif auf den Brexit, ob geordnet oder chaotisch, pfeif auf Europa, pfeif auf die Welt, wenn wir so geschichtenergiebige Adelshäuser haben, werden sich Regisseur Michael Engler und Drehbuchautor Julian Fellowes gesagt haben, wir haben fantastische Schlösser, wir haben fantastische Ausstattung derselben, wir haben fantastische Schauspieler (an der Spitze Dame Maggie Smith als die Schlossherrin), die ein großartiges Britisches Englisch sprechen, mit dem wir ja einsten die Welt erobert und unseren Adelsreichtum finanziert haben und von dem wir in alle Ewigkeiten zehren werden.

Als Konglomerat oder Essenz oder Musterbeispiel aus der Fernsehserie wird hier ein Ereignis auf Schloss Abbey ins Zentrum des Geschehens gerückt: ein Besuch des britischen Königs und seiner Gemahlin.

Das sorgt im Schloss mindestens für die Aufregung wie in Seldwyla der Besuch eines Schneiders (Aufschneiders). Die Briten sind ja firm darin, das Zweiklassensystem in ihren Filmen zu zeigen, die Darsteller werden immer wieder mit solchen Aufgaben betraut – sie schöpfen aus dem Vollen.

Um diesen bevorstehenden und dann auch realisierten Königsbesuch werden wie an einer Perlenschnur kleinere Menschengeschichten gereiht, Liebschaften, überwiegend nicht ganz comme il faut, Neidereien, Eitelkeiten, Standesdünkel, böses Geschwätz und Intrige, ja es wird sogar richtiggehend revolutionär zu einem Aufstand des Schlosspersonals kommen gegen die eingebildete Dienerclique aus dem Buckingham-Palast, die glaubt im Schloss der Crawley gleich das Szepter übernehmen zu müssen.

Autos und Kutschen spielen mit, eine uralte Trambahn, ein Motorrad, ein Dampfkessel, der wegen der Reparatur menschliche Verähltnisse durcheinanderbringt, ja sogar ein Attentat auf den König bei der Parade mit den schönen Pferden ist geplant und, ob man es glaubt oder nicht, es gibt einen Schwulenclub, bei dem es heiß zu und her geht, ein unerwartetes Coming-Out, eine Razzia, eine überraschende Erbschaft für ein vermeintliches Dienstmädchen, ein verlegener Diener vor dem König – die ganze Geschichte fädelt ein Brief ein, sein Weg schreibt Postgeschichte nach, vom Abtrocknen der Tinte der königlichen Unterschrift bis hin zur Übergabe an den Schlossherrn von Abbey. Wer solche Filme macht, dem braucht vor einem Brexit nicht bang sein.

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