Reisebericht mit Schwerpunkten.

Alexander Hick ist für seinen Dokumentarfilm mehrere Wochen durch die Sierra Nevada de Santa Marta Colombia gereist. Die wird von vier indigenen Stämmen seit 500 Jahren bewohnt, nachdem ein Kolonialistengemetzel sie in die Berge getrieben hat.

Für seine Reise durfte Hick nur einen Kompass, nicht aber Landkarten benutzen, da diese von den Indios als Herrschaftsinstrumente gesehen werden.

Er fängt seine Reise mit gesteins- und landschaftsphilosophischen Gedanken zu exzellenter Fotografie der Gegend an; bizarre Gesteinsformationen, teils mit Schnee überdeckt; belebte Natur; überall kann man mit etwas Fantasie Menschen- und Tierformen sehen. Das dürfte als eine Hommage an die Naturreligion der Indios zu verstehen sein. Denn auch sie betrachten die Landschaft genau und lesen daraus.

Einzelne Schwerpunkte kristallisieren sich heraus.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Kolumbien mit Staat, Drogenbossen, Milizen und der Guerilla FARC, die just zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nach 50 Jahren die Waffen abgegeben haben. Dabei steht die Geschichte eines FARC-Kämpfers im Vordergrund, der jetzt nach 20 Jahren seine Familie wieder sucht und findet; eine anrührende Szene aus respektvoller Distanz erzählt.

Überhaupt hat die Politik die Indigenen entdeckt. Ein Präsidentschaftskandidat landet mit Heli und Gefolge in der Sierra, um sich dorft filmen zu lassen.

Kolonialismus und tolpatschige Christianisierung spielen eine Rolle. Hick hat Archivmaterial gefunden von Missionierungen, Verhaftungen durch die Kolonialherren; und ethnologisch interessant: die vermutlich erste filmisch festgehaltene Beerdigungszeremonie.

Die Doku zeichnet sich durch ein ruhiges Auge, Zeit für Gespräche und Geschichten oder zur Landschaftsbetrachtung aus, der Bau eines Steges, und durch dezenten, teils elektrosphärischen, in der Nähe zu Naturgeräuschen angesiedelten Sound.

Der Film findet ein frühes filmisches Beispiel für Warentausch zwischen Indigenen und Weißen: ein Stück Tuch gegen einen Vogel. Heute sieht das so aus: ein 50′ 000 Peso-Schein zeigt auf der einen Seite zwei Indios, auf der anderen ein Indigenen-Dorf in der Sierra.

Der Dokumentarist sieht sich in seinem Vorwort im Film als einer, der etwas festhält, was allmählich am Verschwinden ist und nicht mehr lange existiert, was aber von Gewicht ist.

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