Coming of Age an der Côte d‘ Azur.

In amerikanischen Filmen lassen die Kids beim Spring-Break die Pubertätssau raus. Hier im Film von Rebecca Zitowski, die mit Zahia Dehar und Teddy Lussi-Modeste auch das Drehbuch geschrieben hat, verbringt die 16-jährige Naima (Mina Farid) den Juni zuhause in Cannes. Aufatmen nach dem Schulabschluss. Etwas erleben. Keine konkreten Pläne hat sie. Sie ist eine junge Frau, die unschuldig und verantwortungsbewusst in die Welt schaut und nicht weiß, was diese ihr zu bieten hat, was sie sich da holen will.

Da taucht ihre Cousine Sofia (Zahia Dehar) aus Paris auf. Diese weiß sehr genau, was sie will. Zumindest verhält sie sich so. Sie behauptet, 22 zu sein. An ihr ist nichts mehr natürlich, wo die Schönheitsindustrie was einzusetzen hat, hat sie es bei ihr getan. Prall alles. Obwohl sie in manchen Momenten und bei bestimmtem Lichteinfall aussieht wie eine alte Frau, fast schon Mumie. Aber sie zieht ihre Freundin mit.

Sich ausstellen im Bikini an einer einsamen Bucht, vor der luxuriöse Yachten kreuzen. Sich finden lassen, sich attraktiv machen, verführerisch wirken und ja nicht den ersten Schritt tun. Auf der Luxusyacht „Winning Streak“, die auf der Isle of Man gemeldet ist, nähern sich die Jäger. Das Spiel beginnt. Und funktioniert. Zumindest für Sofia. So, dass die beiden Freundinnen shoppen gehen können und nur den Namen Montenero sagen brauchen.

Für Naima bleibt die Adabei- oder Zuschauerfunktion. Sie vernachlässigt sogar ihren kleinen, standesmäßig angemesseneren Freund Dodo (Lakdhar ‚Riley‘ Dridi). Dieser Sommerurlaub wird für sie zur Erfahrung Negationis im Sinne von: so doch nicht.

Bei einem Ausflug mit den reichen Yacht-Männern zu einer wohlhabenden Freundin will die geistreiche Gastgeberin von Haus Calypso das Flittchen testen mit Fragen zu Titeln von Marguerite Duras, und siehe da, Sofia ist beschlagen. Allerdings überrascht sie damit auch mich als Zuschauer, denn bis dahin hat sie konsequent die dümmlich dralle Blondine gespielt. Und bis dahin war ich der Meinung, eigentlich sollte man dumme Figuren nicht zu Protagonisten/innen machen. Dieser Bildungsanflug ergibt bei mir ein Problem, was ich nicht ganz lösen kann, wenn eine Frau so gebildet ist, wie kann sie sich dann so zur billigen Puppe aufbrezln?

Ansonsten bleibt eher die traurige Erkenntnis, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll, und dass wirtschaftliche Klassenunterschiede mithin unüberbrückbar bleiben. Insofern doch ein nachdenklich stimmender Film, der sich deutlich von der Masse der Coming-of-Age-Sommer-Filme abhebt.

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