Störende Wahrheiten.

Was Antonia (Alexandra Maria Lara) durchgemacht hat, das ist ganz furchtbar, das rechtfertigt alleweil die aufgerissenen Augen, den dauerentsetzen Gesichtsausdruck.

Aus dem Idealismus, aus der Begeisterung für den Kommunismus – nach der schauderhaften Hitlerzeit – direkt in Stalins Gulag. Daselbst Drecks- und Waldarbeit verrichten, ein Kind zur Welt bringen, erleben, wie der Ehemann von den tollen Genossen erschossen wird.

Inzwischen gibt es im Westen die DDR. Und einen Menschen der nicht alle Genossen vergessen hat. Antonia wird mit zwei weiteren Leidensgenossinnen in die DDR rücküberführt. Hier der nächste Schock: die Stalin-Vergangenheit in Russland muss verschwiegen werden, kein Wort darüber, sonst gibt es die schönen, in Aussicht gestellten Jobs auf der Ebene, auf der die Frauen früher gearbeitet haben, nicht.

Antonia kommt an die Spitze eines Kulturzentrums. Hier übt sie mit Kindern für einen Auftritt Honeckers für die erste Agrarkonferenz der DDR. Privat kommen Männer ins Spiel, ein Arzt und ein DDR-Funktionär.

Wobei der Arzt durchaus mal lediglich als Schwenkfutter für die Kamera zu dienen hat, wenn Antonia ihre Mutter besucht, da ist die Kamera auf dem Hintersitz des Autos. Sie steigt rechts aus, er guckt ihr stumm nach, als ob er am unsichtbaren Faden die Kamera zum Mitdrehen bewegen soll, denn Antonia quert vor dem Auto nach links.

Die Kamera, die Kamera. Die ist Teil des Effektes, dass der Film von Bernd Böhlich (Bis zum Horizont, dann links) wirkt wie aus einer altertümlichen Filmschule oder für diese. Immer das Direktlicht auf die Akteure und so verfugt wie beim Beispiel über das Schwenkfutter, dass die Angelegenheit eine überhöhte Künstlichkeit erhält, den Figuren kaum Individualität zugesteht, haben sie doch nur die schreiende Ungerechtigkeit zu illustrieren, zu der anfänglich idealistische Strömungen tendieren, ob Stasi oder Gulag.

Das ist die aktuelle Message darin, dass man auch heutzutage nicht skeptisch genug sein kann, wenn eine Partei oder eine Bewegung mal wieder wissen will, wie die Welt zu retten sei. Durch die antiquarische Machart dürfte der Impuls von Bernd Böhlich, die Message im Kino unters Volk zu bringen, schnell versanden.

Der Titel ist so zu verstehen, dass unangenehme Vergangenheiten, die nicht ins Weltbild der Herrschenden passen, vergraben, verbrannt, vergessen werden sollen.

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