Dokumentation heißt für Andrzej Klamt, den Autoren und Regisseur dieses Filmes, einen freundlichen Imagebericht über das Objekt seines Interesses erstellen. Dieses ist Schloss Freudenberg und wenn ich das aus der Schlussaufnahme richtig gesehen habe, nicht weit hinter dem ZDF-Gelände außerhalb von Mainz wie eine Festung in einem Wald gelegen.

Dieses Schloss wird seit etwa 1993 von Matthias und Beatrice Dastis Schenk betrieben und am Leben gehalten. Das heißt, es gibt nicht den einen Wiederaufbau, die eine totale Sanierung; sondern die Erneuerung gehört zum Betrieb und zur Philosophie der beiden. Sie haben aus dem Schloss einen Ort der Begegnung gemacht, einen Ort, an dem Menschen außerhalb ihrer Alltags-, Schul- oder Berufsroutine ihre Sinne wieder spüren sollen.

Es arbeiten in dem Betrieb Leute mit, die Theater machen, Künstler, Architekten, Klanglehrer, Holzrücker, Insektenforscher, Landschaftspädagogen, Menschen, die auf Erfahrungsfelder aufmerksam machen, es gibt Glücksprojekte.

Der Insektenforscher ist die bildlich auffälligste Gestalt; dessen Bart wächst unterhalb der Unterkiefer so lange, dass er dünne kleinen Zöpfchen draus flechten kann. Mit seinem Hut mit einer dunklen Vogelfeder drauf erinnert er vom Typus her an Beuys. Letzterer wird auch als eine der Referenzen zum geistigen Umfeld erwähnt nebst Rudolf Steiner und Goethe.

Doku heißt für Andrzej Klamt aber nicht: Erstellen eines systematischen Gesambtbildes (so wie die Methode Frederick Wiseman es eindrücklich vormacht), Einblicke in die betriebwirtschaftlichen Abläufe, die rechtliche Organisationsform, den Finanzrahmen, den ökonomischen Hintergrund und Umfang, das Verhältnis des Objektes zu seiner Umgebung, zu den Nachbarn, zu Mainz zu ergründen, gar kritische Fragen zu stellen. Insofern dürfte der Film speziell für allfällige Klienten von Interesse sein, die unter der Rubrik: Entspannungsworkshops, Ich-Findungskurse, Loslass-Weekends attraktive Angebote suchen.

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