Thema: Keiner will die Alten.

Dazu erfindet Michael Hofmann mit Bert Koß ein von Claudia Simionescu (BR) und Klaus Lintschinger (ORF) für wenn nicht realitäs- so doch fernsehtauglich befundenes Konstrukt (was auf erhebliche Zweifel der beiden Redakteure an der Urteilsfähigkeit der Zuschauer schließen lässt), das er auch – vermutlich mit viel zu wenig Drehtagen – inszeniert mit einer bunt wie aus der Lostrommel zusammengewürftelten Schauspielerschar, jedenfalls nicht mit dem Ziel, Glaubwürdigkeit von Vorgängen und Handlungen zu erzeugen.

Die Schauspieler sind dabei auf Aus-dem-Handgelenk-Schauspielerei angewiesen, um die Plausibilitätsdefizite von Buch und Charakteren notdürftig zu kaschieren, was zu einer Fernsehschauspielerei führt, die dem Zwangsgebührenzahler ein ziemlich beschissenes Menschenbild vermittelt: lauter Egoisten sind am Werk und die Humanmängel werden mittels Kitsches gekittet.

Der Vater (Branko Samarovski) von Mareike (Andrea Sawatzki), Dietrich (Simon Schwarz) und Felicitas (Jule Böwe) kehrt 50 Jahre nach seinem vermeintlichem Tod aus Patagonien nach München zurück, wo seine Egoistenkinder leben. In einer lachhaften Sozialamtsszene soll er den Kindern zurückgegeben werden. Tja, wie will man sowas bei den katastrophalen Drehbuchmängeln und der viel zu wenig Drehzeit auch überzeugend inszenieren und spielen?

Keines der eindimensionalen Fernsehgeschöpfe von Kindern will diesen Vater. Dazu erfindet Hofmann jede Menge Situationen, die irgendwie überspielt werden müssen. Es gibt keine Konflikte, da keine Charaktere entworfen sind; es gibt nur die Ellenbogelei, den Alten nicht nehmen zu müssen. Das ist so humanistisch wie die Drängelei der Ferkelchen um Mutters Zitzen.

Der Vater wiederum ist die Güte in Natur und bringt die Menschlichkeit aus Patagonien nach München, nicht unbedingt nachvollziehbar, sondern eher wie ein Zauberspiel mit Bohnen in einem Topf. Deckel zu, schütteln, und eine bestimmte, vorhergesagte Zahl liegt mit dem hellen Teil oder dem dunklen Teil nach oben. So verzaubert er auch dusselig die Menschen.

Und damit auch nicht der Verdacht aufkommt, diese öffentlich-rechtlich entworfene Menschenbild könnte leicht faschistoid sein (also Konflikt- und Auseinandersetzungsunfähigkeit der Figuren – demokratische Urtugenden – mangels Charakteranalyse), muss eine Göre ins Drehbuch geschrieben werden, die die faschistoide Position eklatant mittels Zweifel an der Wahrheit der KZ vertritt, so dass der gute Opa das Bashen kann und alle anderen fein raus sind.

Dann noch ein paar direkt ausgesprochenene Wahrheiten in die Dialoge eingebaut, glauben die Macher sich auf der sicheren Seite hinsichtlich demokratischem Menschenbild – und liefern doch nur Kitsch: Glücksherstellung ohne Auseinandersetzung. Diese Vorgänge als billige Schindluderei mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag zu bezeichnen, ist vermutlich nicht allzu sehr daneben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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