Das Ende Hollywoods

oder der Alptraum Hollywood, gefangen im eigenen Saft und in Endlosschleifen von nichssagenden, perfekt nachgestellten Bildern aus dem Hollywood von 69, dazu das Problem des Alterns einst kräftig saftig gutaussehender Stars.

Die Verzweiflung darüber schlägt sich in diesem neuen Werk von Quentin Tarantino nieder und es kostet Energie, herauszufinden, ob er uns darüber hinaus etwas erzählen will, immer den Western und den Spaghetti-Western vor Augen, von dessen Glanz so gar nichts geblieben ist.

Dagegen lesen sich die Bücher von Rainer Boller (Wilder Westen made in Germany oder In einer Bar in Mexiko deutlich spannender und instruktiver. Boller hat eine Haltung dazu.

Hier bei Tarantino schlagen sich zwei abgetakelte Helden durch gegen drei Stunden Film, Leonardo DiCaprio als Hollywood-Star Rick Dalton und Brad Pitt als sein Stunt-Double, zudem als sein Fahrer Cliff, denn Dalton hat ein Alkohol- und auch ein Textlernproblem.

Während Cliff sich am Hollywood-Boulevard von einer noch nicht unbedingt Volljährigen anmachen lässt, kämpft Dalton am Set mit simpelsten Western-Texten. Ach, es ist alles so deprimierend.

Ungefähr zur Halbzeit schafft es sein Agent Marvin Schwarzs (Al Pacino), Dalton in einem Spaghetti-Western in Italien unterzubringen. Der mehrmonatige Trip endet mit einer Heirat und Rückkehr in die Staaten. Mehr soll nicht gespoilert werden.

Wobei der Ablauf der Geschichte und die eingestreuten Anekdoten und Klatsch von Dreharbeiten oder auch das Schauen der eigenen TV-Produktionen mit den entsprechend kindischen Kommentaren nicht das Interessanteste sein dürften, viel eher diese depressive Stimmung, die einen richtig niederziehen kann, die desillusionierend, gar niederschmetternd wirkt im Hinblick auf der Welt berühmteste Traumfabrik und dass ein berühmter Regisseur wie Tarantino einen so aufwendigen, laut IMBd geschätzte 95 Millionen teuren Film macht und es kommt so gar nichts rüber, was den Geist in Begeisterung und in Bewegung versetzen könnte außer vielleicht dem Spiel, aus welcher Ablage und Schublade er die Sujets gezogen hat.

Ein Kino, das der Vergangenheit nachhängt und sich in ihr verfängt. Vielleicht ist der Film die Zustandsbeschreibung des gemarterten Hirns von Tarantino, in welchem wie in einem zwanghaften Traum sich die ewig gleichen Bilder wiederholen und aus welchen es kein Entkommen gibt.

Wer mit den Filmen und Begebenheiten, auf die Tarantino hier kopierend referiert, cinésozialisiert worden ist, der ist immerhin beschäftigt mit dem Einsortieren der Querverweise, kommt wenigstens so zu etwas geistiger Gymnastik.

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