Von der Banalität der Gleichwertigkeit von Schrottrad, chem. Reinigung und Hamlettod

oder von der Schwängerung der Banalität mit Bedeutung.

Wenn der Kauf eines Schrottfahrrades mit demselben Sprechduktus und derselben Konzentration getätigt wird wie einige Minuten früher oder später die hochdramatische Hamlettodesszene, so befinden wir uns im elitär sich gerierenden Biotop von Angela Schanelec, in einem Biotop der Indifferenz.

Selbst solche Szenen sind mehr eine Staffage für das mögliche Hauptthema, der Probleme einer alleinerziehenden Mutter mit dem Pubertieren ihres Sohnes, mit dessen Verpuppung zum Manne; das Töchterchen ist kleiner, darf gerade mal in der Badeanstalt ein Bikinoberteil überstülpen.

Habitus und Duktus der Szenenpräsentation erfolgt im Gestus des Professoralen. Den Befund bestätigt die kleine Rahmenhandlung mit Esel, Hund und gejagtem und gefressenem Kaninchen. Es ist ja kein Tierfilm. Es ist eine intellektualistische Themencollage, ein intellektualistischer Patchworkteppich mit einem weiteren zentralen Plot in Form eines irre langen Monologes der Protagonistin (Maren Eggert) an einen fahrradschiebenden Gastprofessor. Der handelt von Kunst, speziell vom Theater, von gefakter Realität, der Bandagiertheit durch diese, dem Leben und verwandten Philosophemen.

Ein weiterer Plot wird von einem jungen Paar diskutiert: Liebe, Einsamkeit, Alleinsein, Bindungsunfähigkeit.

Wie Streusel über den Kuchen verteilt Angela Schanelce auf ihrem Bastelwandbehang Lyrik, Songs, Pinakothekenbilder, Schultheaterübungsszenen, man ist ja in der Hochkultur.

Angenehm an ihrem Werk ist, dass sie nichts erklärt. Unangenehm ist, dass sie Werte und Banalität, Shakespear-Drama und Schrottfahrradkauf oder Auftrag für die chemische Reinigung mit gleichwertiger Bedeutung schwängert.

Gibt es da was zum Mitschreiben? Erkenntnisse zum Banalitätsdestillat? Redet man so mit einem Heizkörper? Und Achtung, wir lieben Spiegelungen (tatsächlich einmal reizvoll, wenn eine S-Bahn sich gleich in zwei Fenstern unterschiedlich spiegelt). Banalität der Liebe: Protagonistin fängt mit dem Tennislehrer der Tochter ein Verhältnis an.

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