Hier im Film von Safy Nebbou, der mit Julie Peyr auch das Drehbuch nach dem Roman von Camille Laurens geschrieben hat, ist einfach alles da, was großes Kino ausmacht: großer Kinoatem, eine packende Liebesgeschichte mit vielen Facetten, großartige Darstellerinnen und Darsteller, die Liebe im Kopf, in der Fantasie, das offene Ende von Liebe und Liebesgeschichten, Jugend und Liebe, Alter und Liebe, das Spiel mit der Liebe, moderne französische Architektur, in der man sich verlaufen kann wie in der Welt verliebter Gefühle, Chat, Fake-Identität in den Social Media, mögliche bis tödliche Folgen des Spielens mit der Liebe, das Anheizen der Liebesfantasien, Ersatzliebesglück, die reale Liebe und die gleichzeitig imaginierte Liebe im Hinterkopf, Künstlermilieu-, Literatur- und Literaturwissenschaftsmilieu, die Lügen als ein Elixier für die Liebe, die Rivalin, die nicht existiert, psychiatrische Betreuung, eine fabelhafte Juliette Binoche, die anfangs glauben macht, sie würde erst recht privatistisch die Liebesprobleme – und auch in jeder Sekunde Juliette Binoche sein – um dann doch zu einer erfahrungsfähigen und reflektierten Haltung finden, ein junger Mann Alex (Francois Civil), der par excellence den Künstler als jungen Mann spielt, perfekt den erotischen Frauentraum verkörpert, verspielt, fast etwas kindlich, naiv, der voll in die Falle der Frauenraffinesse läuft und außerdem gibt es gewagte Drohnenflüge über den Falaises, Symbol des Abgrundes an dem diese Spiele mit der Liebe verlaufen, aber es gibt auch das Spiel der Dramaturgie, das Varianten sucht und die Enden offen lassen möchte, weil der Film selbst ja auch nur die Ideen und Gedanken über die Liebe ventiliert, das muss offen bleiben und weitergehen können.

Es ist ein sanftes Kino, das sich erst wie in die Gefühle der Liebe versenkt, sich an die Intimität von Gefühlen annähert, als sei es ein Film von Frauen mit Frauen für Frauen, was er aber nicht ist, (kurzfristig direkt in die Nähe des Softpornos gerät) und sich dann auf die Gefahr und die Spielmöglichkeiten besinnt, aber auch erschreckt vor dem, was das Spiel mit der Liebe anrichten kann.

Hinterlassen Sie einen Kommentar