Niederbayerisches Panoptikum.

Der reifer werdende Bodensatz einer solchen Kinoreihe ist sicher die Stabiliserung der Typen, vielleicht wie in der Commedia-del-Arte. Hier habe Schauspieler immer wieder die gleichen Rollen gespielt (den Reichen, den Dünnen, den Dicken, den Gierigen, den Durchtriebenen undsofort) und dadurch bühnenwirksame Charaktere herausgearbeitet, in denen das Volk sich wiedererkennen kann.

So ist es auch in den Falkkrimis mit Kommissar Eberhofer (Sebstian Bezzel), einem Mann, der in lauter Widersprüchen gefangen ist, zwischen Mannsein und Kindsein, zwischen Dorfpolizistenallmacht und Dorfpolizistenohnmacht, zwischen Kompetenzüberschreitung und Kompetenzunlust und hier im x. Eberhoferkirmi zwischen Wurst- und Leberkäslust und den Anforderungen einer gesunden, vegetarischen bis veganen Ernährung und dem Heilfasten.

Eberhofer wohnt noch bei seinem Papa, dem wunderbaren Alt-Hippie Eisi Gulp und der Oma (Enzi Fuchs). Steckt aber immer auch im Spannungsfeld zu Susi (Lisa Maria Pothoff), seiner Ex-Geliebten und Mutter seines Söhnchens Paul.

Weitere Spannungsfelder werden abgesteckt durch seinen Bruder (Gerhard Wittmann), der in der Politik ist und seinen Freund und Kumpel und Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz).

Während mir der letzte Film der Reihe, Sauerkrautkoma, rundum gelungen vorkam, eine Kür sozusagen durch die grundlegende Sicht auf das Leben im Vergleich zum maßlos überdimensionierten Kreisel vor Niederkaltenkirchen als Symbol von ewigem Kreislauf und ewigem Gleichlauf, kommt mir dieser Fall eher wie eine Pflichtübung vor, nicht ganz aus einem Guss, eher als eine Aneinanderreihung von Sketchen mit dem bewährten Ensemble und sicheren Jokes über Essen und Rassismus, Liebe und Vaterpflichten.

Eva Mattes als Gast will zeigen, dass auch in einer Niederbayerin eine große Dramödin schlummert, das lässt sich nicht so nahtlos in eine Ensembleleistung integrieren. Wobei der Kriminalfall, um den es geht, auch eher durchwirkt erzählt wird.

Der Hof der Moosholzer-Bäuerin (Eva Mattes) brennt ab. Es findet sich eine stark verkohlte Frauenleiche. Da im Hof auch ein Zuwanderer aus Afrika lebt, wird das Immigrationsthema virulent. Er ist der Star des örtlichen Fußballclubs und es kommt nicht gut, wenn er statt auf dem Spielfeld aufzulaufen im Gefängnis sitzt unter falschem Verdacht.

Die verkohlte Frauenleiche führt ferner zum Thema Investitionen und Hotelneubau in Niederkaltenkirchen (inklusive Demo dagegen) sowie zu einem feinen Schwulenpaar, also auch noch die Genderthematik.

Dem Eberhofer wird anfangs des Filmes aufgegeben, endlich erwachsen zu werden, worum er sich aber nicht gerade bemüht. Die Story streift viele Themen lediglich randständig und auch das dürfte ein Grund sein, warum der Film eher wie eine Sketchaneinanderreihung mit bekanntem Personal auf vertrautem Witzgelände wirkt mit Ausrutschern in nicht ganz so Vertrautes: Joke mit Pathologie, Baby plus Übelkeit wegen Wurst.

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