Wittgenstein und das Bankgeheimnis.

Augenzwinkernd liefert dieser Film des Kanadiers Denys Arcand eine Verteidigung des Bankgeheimnisses mit dem Wittgensteinsatz, dass man, worüber man nicht reden könne, schweigen müsse.

Wittgenstein und weitere Philosophen von Heidegger, Kant bis zurück in die Antike kommen ins Spiel, weil der Protagonist Pierre-Paul Daoust (Alexandre Landry) ein studierter und doktorierter Philosoph ist.

Zum Zeichen, dass Wissen, Denken und Intelligenz in unserer Gesellschaft nichts wert sind, lässt Arcand Pierre-Paul als Paketausfahrer arbeiten und mit einer Freundin darüber diskutieren, wie schwer es als intelligenter Mensch in dieser Welt sei, und wie doch die weniger Intelligenten zu Erfolg und Geld kämen.

Gleichzeitig gibt es einen Einblick in die Obdachlosenszene und den Hilfsverein „Le Parcours“, bei dem Pierre-Paul ehrenamtlich tätig ist.

Der Paketfahrerjob ist die Voraussetzung, Pierre-Paul in den Besitz von Millionen zu bringen. Er soll beim „Hollywood Shopping“ Pakete abliefern, gerät an den Rand eines blutigen Überfalls und ganz leicht in den Besitz der Beute. Er wird auch vorerst nicht verdächtigt. Allerdings verhält er sich dann doch nicht so intelligent, wie er sich selbst schildert und macht den entscheidenden Fehler, indem er sich über das Internet die Edelnutte Aspasie (Maripier Morin) nach Hause bestellt.

Im Zusammenhang mit diesem Fehler fällt allerding ein Problem mit der Figur Pierre-Pauls auf: der Darsteller spielt mir den zu sehr auf „dümmlich im Alltag“ im weltfremden Sinne. Der Gedanke seiner überragenden Intelligenz wird ab dem Geldbesitz wie beiseite gelassen. Wobei doch so ein intelligenter Mensch sich in jede Situation hineindenken und entsprechend pfiffig damit umgehen können sollte.

Er aber spielt den klischeehaft Lebensuntauglichen, wodurch er in weitere Fallen tappt und die Handlung einen vorhersehbaren Gang nimmt samt beschattender Detektive, der Verliebtheit in Aspasie, die zum Geldmilieu Beziehungen hat und schließlich zur Investition des Geldes mithilfe von Sylvain, genannt „Brain“ (Rémy Girard), einem eben aus dem Knast entlassenen Topwirtschaftskriminellen, dazu gibt es köstliche Details über den konkreten Vorgang der Geldwäsche und des Verschiebens von Geld um die Welt inklusive Tipps zur Steuervermeidung.

So wirkt der Film denn mehr sympathisch als bestechend, verpasst die Chance, diese Geldwirtschaft ätzend an ihre Grenzen zu treiben; bleibt anregend im Sinne des Idealisten, der ein Herz für Idealisten und Obdachlose hat und für solche, die sich eh nicht mit den Geldmächtigen anlegen wollen.

Eine schöne Würze gibt der Sache in der Originalfassung das Québécois, der Dialekt aus dem französischen Teil von Kanada. Hinzu kommen attraktive Bilder aus Montreal mit einem Untertext touristischen Werbeeffektes. Insofern ist Montreal so schon eine Reise wert.

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