Teutono-americano.
Springbreak, Prom-Night, Coming-of-Age, das sind amerikanische Ausdrücke und dazu gibt es die entsprechenden amerikanischen Filme.
Adolfo J. Komerer hat jetzt nach dem Drehbuch von Tim Gondi in Deutschland einen ziemlich amerikanischen Zugriff auf dieses Thema gewagt, forsch und nicht verhirnt – lieber nicht perfekt sein, dafür aber lebendig.
Es geht um die Abiparty, es geht um, auch hier wieder ein englischer Titel: „Fame or Fail“, auch das eine unverblümt amerikanische Haltung. Und so mixt Komerer auch das Bildmaterial zusammen. Es sind Wimmelbildhaufen, die vielleicht die Realität in den Köpfen junger Menschen durchaus abbilden: ein Mix aus SMS-Texten, aus Videobotschaften und Smartphone-Kommunikationen, Wimmelbildflut, für den geriatrischen Kinogänger schwer verdaulich und eine Geschichte schwer in Gang setzend.
Aber aus all dem Bilderhaufen kristallisieren sich Geschichten um die verschworenen Freunde Hannah (Lea von Acken), Patrick (Leon Lukas Blaschke), Tom (Lucas Reiber) und Musti (Reza Brjerdi) heraus.
Einerseits die Frage, wie diesen Lebenseinschnitt feiern, andererseits die Horrorvorstellung, jetzt auf ein absehbares und definitives, lebenslängliches Gleis gesetzt zu werden; diese Bilder inszeniert Kolmerer als Symbole der Bürgerlichkeit in einer Blackbox als abschreckende Fantasien.
Musti ist derjenige, nachdem er in seiner Einbildung eine Glanz-Stripnummer vor der Prüfungskommission hingelegt hat, der es nicht fasst, dass er das Abi geschafft haben soll. Er will eine geile Party im großzügigen Haus seiner Vaters, eines erfolgreichen Geschäftsmannes und Immigranten, veranstalten. Über die sozialen Netzwerke lädt Musti ein. Aber Leonie (Lisa-Mrie Koroll), eine richtig Filmsüße, intrigiert dagegen, lauter Absagen, bis auf Hannah, Patrick und Tom.
Das kann Musti nicht auf sich sitzen lassen; er und seine Freunde suchen die Party von Leonie auf und er verkündet das Projekt „Fame or Fail“, gegen das Verbot des Justus-Liebig-Gymnasiums, dort eine Abrissparty zu veranstalten. Auch das macht Furore im Netz, die Häme im Hinblick auf das Nichtgelingen lauert allerorten. Das stachelt an.
Autor Tim Gondi hat sich ein paar hübsche Hindernisse auf dem Weg zu dieser Party ausgedacht. Papa entzieht Musti seine Unterstützung in Form der Kreditkarte. Das Quartett versucht, in Polen günstig Schnaps zu besorgen mit wenig Bargeld. Das ergibt Komplikationen und daraus entsteht eine Verfolgungsjagd mit explodierendem Feuerwerk, alles filmschön und rasant.
In all dem Bildertohuwabou ist zwischendrin Zeit für ernsthafte Auseinandersetzungen über die Liebe und darüber, seine Ziele zu erreichen und auch darüber, ob Leonie als Influencerin mit ihren Hunderten von Followern nicht vielleicht einsamer sei als die anderen.
Der Film sprüht vor nicht-teutonischer Kinobegeisterung, Uwe Bünker hat einen bezwingenden Cast zusammengestellt und dass Mehmet Kurtuls als Gast im Vorspann eine Sondererwähnung erhält, hat ausnahmsweise im deutschen Kino eine Berechtigung: er ist der gereifte Schauspieler, der den jungen, qualitätsvollen Darstellern, die alles interessante Typen sind, ein Vorbild sein kann und der in das Orchester des Jugendlärmes die Stimme ausgleichender Erwachsenheit reinbringt. Und auch Oliver Korittke als Hausmeister Helmut zeigt, dass er ein Schauspieler ist, der sich nicht in Routine verliert, stattdessen die Erfahrung aus Jahrzehnten in der Filmerei bereichernd in so einen Teenie-Film einbringt.