Ein europäisches Projekt

ist das Campus Gallus bei Messkirchen, das Reinhard Kungel mit seinem Dokumentarfilm in der Art einer informativen Broschüre vorstellt, nicht – vorerst nicht.

Der Keim zum paneuropäischen Projekt steckt allerdings in ihm. Es geht um die Rekonstruktion einer Stadt nach dem architekturgeschichtlich ersten Stadtplan in Europa, um den St. Galler Klosterplan nach der Methode „wie damals“. Sie versuchen, Techniken von damals nachzuerfinden. Wobei immer der Vorbehalt im Raume steht, dass es sich möglicherweise um die Rekonstruktion einer Realität handelt, die es so nie gegeben hat.

Womit zukunftsweisend schon eine Richtung gegeben wäre für das Ziel des Projektes Campus Galli. Denn die Frage stellt sich mit der Errichtung des ersten Sakralraumes. Der soll ja nicht einfach religiös genutzt werden und die Museumsidee ist auch nicht überzeugend.

Die Idee des Vereins von Campus Galli ist es – es begann 2013 und immer über den Sommer wird gearbeitet – mit Techniken und Materialien von damals eine Stadt nach dem Klosterplan von St. Gallen aus dem Boden zu stampfen, daür einen Wald urbar zu machen, die entsprechende Landwirtschaft zu betreiben, die die richtigen Pflanzen für Dachdeckungen zu züchten.

Es ist ein Experiment, das sich selbst finanzieren soll. Wie bei solchen langfristigen und groß denkenden Projekten wenig überraschend, gibt es in Messkirchen Widerstand. Das Projekt ist von den Eintrittsgeldern der Besucher abhängig. Es bezahlt einen Teil der Handwerker, Schreiner, Glockengießer, Korbmacher, Uhrmacher, Imker, Steinmetze, Töpfer, Schindelmacher.

Ein Teil der Mitarbeiter sind freiwillige Helfer. Das Projekt hat kein bemerkenswertes Werbebudget. Ein schlechter Sommer kann die Bilanz verhageln. Noch schießt die Stadt Messkirchen Geld zu.

Es gab auch Probleme im Team, das droht, das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren. Es fehlt im Moment ein spektakulärer, werbwirksamer Aufhänger. Der dürfte spätestens dann gegeben sein, wenn die Rekonstruktion der Klosteranlage als Steinbau in Agnriff genommen wird. Denn Skriptorium und Stiftsbibliothek von Kloster St. Gallen entwickelten sich im „Goldenen Zeitalter“ von 816 bis 926 zu einem geistig-europäischen Zentrum, wie man das aus heutiger Sicht bezeichnen könnte.

Damit wäre Platz für die Geistesfraktion, dann könnte die Idee europäisch fortgesponnen werden mit der Anfertigung von wissenschaftlichen Texten und Analysen, heutigen!, und auch dem Kopieren von Büchern für die Bibliothek und für die europäische Idee,

Eine erste Kooperation hat sich nach Jahren bereits mit der Universität Tübingen ergeben. Das dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es sieht so aus, als wüchse das Projekt nach vielen Kinderkrankheiten ins Spektakuläre hinein, weit über die Attraktivität von Freizeitparks und Disneylands hinaus. Das Potential hat es, besonders, wenn man die europäische Perspektive in Betracht zieht.

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