Etwas lastet auf den ersten Szenen dieses mit Elektropop und Gruselmusik unterlegten Filmes von Gabriela Amaral Almeida. Der Film spielt im nächtlichen, abgelegenen Restaurant „La Barca“ irgendwo in Brasilien. Es ist kurz vor Geschäftsschluss. In einer Viertelstunde macht die Küche zu.

Ein Gast ist noch hier, ein korpulenter Herr, der Kaninchen bestellt. Es ist Amadeu (Ernani Moraes); er ist ein Kommissar mit einem lahmen Bein, der schon viele Verbrecher umgebracht habe. Er wird von zwei Seiten beobachtet. Vom Inhaber des Restaurants Inácio (Murilo Benicio) und der Bedienung Sara (Luciana Paes). Die stehen auf Distanz im Restaurant. Hinter Glas aus der Küche schauen und machen sich ihre Gedanken Djair (Irandhir Santos) – die parfümierte Schwuchtel, wie es später heißt, und langhaarig dazu – und weitere Küchenangestellte.

Die Szene wechseln sich zwischen diesen drei Positionen ab. Es wirkt, als habe die Filmemacherin zuerst das in Lateinamerika häufig seinen Niederschlag in Filmen findenden Thema von Herrschaft und Dienerschaft im Auge. Jeder Satz eines jeden Beteiligten wird vom Film quasi wie mit der Briefmarkenwaage auf diesen Herrschaftsgehalt hin geprüft.

Dabei haben auch die Herrschaften, einerseits der Kunde, andererseits der Chef, ihre Ängste. Dem Chef bangt vor einem erwarteten Besuch eines Restaurantkritikers. Er übt für ein Interview vorm Spiegel. Entsprechend wird das Verhalten von Personal und Kunden durchleuchtet. Jeder Satz hat in Bezug auf Herrschaft und insofern auf zwischenmenschliche Gewalt Gewicht. Wobei es anfänglich die nicht physische, nicht blutige Gewalt ist. Die ist bis hierher nur latent vorhanden, ahnbar, dass im netten, formal korrekten Menschen (so verhalten sich vorerst alle gemäß ihren Rollenmustern innerhalb der Hierarchien) das Biest, wie der Titel andeutet, steckt.

Zwei späte Gäste, ein turtelndes Paar, bringen den Feierabendplan des Personals durcheinander. Sie verursachen erste Unruhe, könnten ja die Kritiker sein. Sie gefährden das labil austarierte Herrschaftsgleichgewicht im Restaurant, denn sie führen sich launisch auf.

Es folgt ein dilettantischer Überfall durch zwei Maskierte samt Gewalt gegen die Frauen. Das bringt diese Machtbalance zum Kippen; distilliert im Folgenden mit vivisektiererischer Akribie und Lust das Animal im Menschen inklusive Blutsex heraus.

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